Sachsen gibt Geld für Bahnstrecke nach Chemnitz
Land will Bund für Trasse von Leipzig nach Chemnitz gewinnen
Chemnitz. Das sächsische Wirtschaftsministerium stellt für die Verbesserung des Eisenbahnverkehrs zwischen Chemnitz und Leipzig die Weichen. Weil die Strecke über Geithain/Borna in den Investitionsplanungen des Bundes bisher keine Rolle spielt, will der Freistaat als Investor mit einsteigen. Dies kündigte Sachsens Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) am Freitag im Interview mit der "Freien Presse" an: "Unser Ziel ist eine schnellstmögliche Elektrifizierung."
Die Ausstattung der Strecke mit Fahrdrähten ist nötig, damit schnelle Fernzüge nach Chemnitz fahren und die südwestsächsische Großstadt zudem in das neue, mitteldeutsche S-Bahn-Netz eingebunden werden kann. Zur Anbindung der 240.000-Einwohner-Stadt Chemnitz an den Schienenknoten Leipzig gibt es laut Morlok keine alternative Schienentrasse.
Kern des Projektes ist das 36 Kilometer lange Teilstück zwischen Geithain und Chemnitz. Dort fehlt die Elektrifizierung komplett. Der Freistaat wird laut Morlok nun mit den Vorplanungen beginnen. 2013 sollen die Papiere vorliegen. Baubeginn ist für 2015/2016 geplant. Drei Jahre dürften die Arbeiten dauern.
Morlok hofft, mit der Landesinitiative den Bund von der Bedeutung der Trasse überzeugen und als Mitfinanzierer gewinnen zu können. Aktuell hält sich Berlin zurück. Erst kürzlich ließ der Bundesverkehrsminister über seinen Parlamentarischen Staatssekretär Jan Mücke (FDP) der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) in einem Brief ausrichten, dass sich der Bund nicht in der Pflicht sieht. Grund: Es handele sich bei der Trassenelektrifizierung um ein Projekt des Schienen-Personennahverkehrs und dafür sei der Bund nicht zuständig. Ändert sich diese Position nicht, kann das Land auch kaum auf den nächsten Bundesverkehrswegeplan hoffen. In ihm wird festgeschrieben, welche Vorhaben ab 2015 Priorität haben und Bundesgeld erhalten. Morlok: "So lange können wir nicht warten." Ohnehin will er neben dem Bund auch die von der Strecke profitierenden Nahverkehrszweckverbände und die umliegenden Kommunen als Geldgeber mit ins Boot holen.
Als Finanzierungsanteil des Landes - für Planungs- als auch Bauleistungen - sei ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag geplant. Die Gesamtkosten dürften mehr als 100 Millionen Euro betragen. In einem weiteren Schritt soll die gesamte Trasse zweigleisig werden. Derzeit gibt es etliche Abschnitte mit nur einem Gleis, was immer wieder zu massiven Verspätungen der dieselgetriebenen Züge führt.
Schon zweimal hat der Freistaat Verkehrsprojekte, die aus seiner Sicht Bundessache sind, mit Landesgeld vorangebracht. Dabei handelt es sich um die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Reichenbach und Hof sowie den Bau der A 72 Chemnitz-Leipzig, an der Sachsen mit 50 Millionen Euro beteiligt ist.
17:50 Uhr
safego: Eines vorne weg: Ja, ich bin ein ignoranter, verblendeter 612er-Liebhaber.
Trotzdem mögen mir diejenigen, die eine Streckenbegradigung der direkten Strecke fordern, bitte sagen wie das bei der Topografie möglich sein soll, ohne dass eine große "Burgstädter Land 21"-Initiative kommt und darauf hinweist, wie sauteuer die ganzen Tunnel doch seien und man lieber über Glauchau weiter ausbauen sollte...
Ansonsten haben das alle Dieseltriebwagen so an sich, dass sie durch die vielen Motoren einen hohen Verbrauch haben. Gerüchteweise soll es ja auch elektrische Neigetechnikfahrzeuge geben, in denen diese obendrein sanfter ausgeführt ist.
Natürlich tut es mir für die Leute leid, die das nicht vertragen, aber mir persönlich wirds als Beifahrer im Auto aufgrund der größeren Querbeschleunigungen und mehr Kurven überhaupt erst manchmal schlecht! Auf jeden Fall ist mir die Neigetechnik viel lieber, als wenn wieder irgendwelche Steuermillionen in Tunneln verbuddelt werden.
Achja, und zum Artikel: Natürlich darf die Anti-Bahn-Propagande nicht fehlen, da ja suggeriert wird, dass die Züge ständig durch die Eingleisigkeit massive Verspätungen aufbauen. Eigenartigerweise ist mir das auf dieser, meiner Haus-und-Hof-Strecke schon viele Monate nicht mehr untergekommen. Was übrigens nichts daran ändert, dass das zweite Gleis an manchen Stellen nichts schaden würde.
14:00 Uhr
KlausPeters: Fernverkehr wird nur nach Chemnitz kommen, wenn auch die Geschwindigkeit der Strecke stimmt.
Daher sollte neben der Elektrifizierung auch unbedingt Streckenbegradigungen geprüft werden, um schneller fahren zu können.
Denn mit einem Streckenverlauf, der vor 150 Jahren gebaut wurde, ist keine heute angemessenen Fahrzeiten zu machen.
Ein großer Fehler war aus meiner Sicht die Strategie Neigetechnik. Diese unzuverlässige Technik, bei denen vielen Fahrgästen auch noch dazu schlecht wird, hat sehr viel Geld verschlungen und wenig gebracht. Außerdem ist der Spritverbrauch der Neigetechnik-Dieseltriebfahrzeuge extrem hoch und teuer.
Hätte man das Geld gleich in Streckenbegradigungen gesteckt und den Irrweg Neigetechnik vermieden, wären viele Strecken in Sachsen heute keine Bummelstrecken, sondern elektrifizierte Schnellstrecken.
Es ist Zeit, den Fehler zu beheben.
12:01 Uhr
Stadtrandbewohner: Schön, wenn dann bald wieder schön schnelle Fernzüge ab/ bis Chemnitz Hbf fahren. Lieber VMS, das bedeutet aber auch, dass Ihr den Nahverkehr so ausbauen müsst, dass man zu diesen Zügen kommt! Eine Möglichkeit wäre z. B., die aus Leipzig nach Zwickau und Glauchau fahrenden Regionalbahnen nach Chemnitz zu verlängern. So würde nicht nur das dünne Nahverkehrsangebor im Chemnitzer Hbf verbessert, sondern auch gleich die Anbindung von 5 Chemnitzer Nahverkehrs-Bahnstationen, wodurch dort das Chemnitzer Nahverkehrsangebot auf ein für eine Großstadt vertretbares Niveau gehoben würde.
11:09 Uhr
HorrorBeetle: Frau Samira Sachse,
ich bin immer wieder begeistert über Ihre kleinen Artikel!
Danke!