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Sachsen hat Schulschwänzer nicht im Griff
Fälle von Schulverweigerung nehmen zum Teil wieder dramatisch zu
Dresden. Sachsen wird seiner Probleme mit Schulverweigerern nicht Herr. Nachdem die Zahlen der Schulschwänzer bis 2008 rückläufig waren, gibt es in einigen Regionen wieder einen zum Teil dramatischen Anstieg. Brennpunkte sind Dresden, wo die Fälle von aktenkundiger Verletzungen der Schulpflicht in fünf Jahren um 245 Prozent anstiegen, und Leipzig sowie die Landkreise Zwickau, Görlitz und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Nach Angaben des Kultusministeriums stieg die Zahl entsprechender Bußgeldverfahren nur in den vergangenen beiden Jahren um 20 Prozent.
Jugendliche sowie deren Eltern müssen in Sachsen mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen, wenn der Schulpflichtige fünf Tage unentschuldigt gefehlt hat. Wer sich nicht eines Besseren besinnt, dem droht ein Bußgeld bis zu 1250 Euro. Soweit gehen die Kommunen bisher nicht. Die gut 3500 Geldstrafen von 2010 addierten sich auf die Rekordsumme von 338.000 Euro oder 96 Euro pro Fall. Dabei sind die regionalen Unterschiede groß: Am "preiswertesten" ist hartnäckiges Schulschwänzen mit 44 Euro in Mittelsachsen. Am härtesten geht Chemnitz vor; hier liegt der Schnitt aus 159 Fällen bei 182 Euro.
Gerichte können zudem Arbeitsstunden und sogar Jugendarrest verhängen. Derzeit sitzen in der JVA Chemnitz zwei junge Frauen und in der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen zwei junge Männer wegen Schulschwänzerei für eine Woche ein. Bevor der Freistaat diese Statistiken einstellte, wurden 2007 noch 730 Arreststrafen für Verweigerer registriert. Die meisten verordneten damals die Gerichte in Leipzig (261), Auerbach (155) und Plauen (73).
Für Thomas Colditz, Bildungsexperte der CDU im Landtag, widerspiegelt der Zustand soziale Probleme, die das Land zunehmend an die Schulen delegiere. "Aber diese Fragen sind dort pauschal nicht lösbar", betonte er. Er sieht ein großes Defizit bei Schulsozialarbeitern, die bisher die Kommunen finanzieren. Für Sozialarbeiter fordert er vom Land mehr Stellen und Geld vom Staat.
Eine weitere Verschlechterung der Lage sagt Cornelia Falken, Bildungsfachfrau der Linksfraktion, voraus. "Dazu wird die Erhöhung der Schülerzahlen pro Klasse beitragen, die das Kultusministerium für das neue Schuljahr verlangt", so Falken. So soll künftig der Durchschnitt bei 25 liegen statt bisher bei 22. In Ballungszentren wie Leipzig und Dresden liege er bereits oft über der gesetzlichen Grenze von 28.
Um Schulschwänzer kümmert sich in Sachsen die Landesarbeitsgemeinschaft Schulverweigerungsprojekte mit elf Vereinen. Sie betreuen nach Angaben des Kultusministeriums derzeit 124Schüler.