Außerhalb der Ferien dominieren Dauercamper auf dem idyllisch gelegenen Platz in Lauenhain an der Talsperre Kriebstein. Die nach der Wende geschaffene Anlage war 2011 zu rund 70 Prozent ausgelastet. Ohne die 85 Dauerstellplätze sähe die Bilanz deutlich trüber aus. Außerhalb der Ferien dominieren Dauercamper auf dem idyllisch gelegenen Platz in Lauenhain an der Talsperre Kriebstein. Die nach der Wende geschaffene Anlage war 2011 zu rund 70 Prozent ausgelastet. Ohne die 85 Dauerstellplätze sähe die Bilanz deutlich trüber aus.

Foto: Wolfgang Thieme

Sachsen profitiert kaum vom deutschlandweiten Campingboom

Potenzial der Campingplätze im Freistaat ist längst nicht ausgeschöpft

Chemnitz. 60.000 Euro hat Schwarzenberg investiert, um mit der Zeit zu gehen und 2008 einen Wohnmobilstellplatz - nur einen Katzensprung von der Altstadt entfernt - zu eröffnen. Etwa 300 Wohnmobilisten machten hier 2011 Station. Der Stadt im Erzgebirge brachte das knapp 2500 Euro in die Kasse. Die Camper sind des Lobes voll, empfehlen die kleine Anlage im Internet weiter. Im neuesten, 1152 Seiten starken ADAC-Stellplatzführer für Europa findet man den Platz aber nach wie vor nicht. Dirk Weißbach von der Stadtinformation spricht von zu hohen Kosten, "wir setzten mehr auf die Mund-zu-Mund-Propaganda in verschiedenen Internetforen. Dort holen sich die meisten Reisemobilisten Anregungen", meint er. Schneeberg nutzt dagegen den ADAC-Stellplatzführer 2012 und ist gleich mit drei getesteten Anlagen vertreten, darunter der neue Platz am Filzteich, auf dem 40 Reisemobile Platz finden. Noch weitere 38 andere Wohnmobilstellplätze zwischen Pöhl und Freiberg sowie Oberwiesenthal und Mittweida sind in dem Reisehandbuch unter 4000 Anlagen Europas vertreten.

Laut einer Studie, die das sächsische Wirtschaftsministerium bei der Tourismus- und Regionalberatung Berlin in Auftrag gegeben hat, boomt in Deutschland der Campingtourismus. 24,4 Millionen Übernachtungen wurden 2010 erfasst, 14,5 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Für 2011 geht das Statistische Bundesamt von einem weiteren Zuwachs von zwei Prozent aus.

Dauercamper auf dem Rückzug

Doch das Angebot in Sachsen ist mit 122 Camping- und 146 Wohnmobilstellplätzen längst nicht ausgereizt, in etlichen Anlagen dominiert noch DDR-Niveau und wurden offenbar Trends der Zeit verschlafen. Entgegen dem Deutschlandtrend sank die Zahl der Übernachtungen deutscher Camper in Sachsen 2010 gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent auf 392.000. Nur 1,6 Prozent aller Campingübernachtungen entfielen auf den Freistaat, so die Studie.

Sie konstatiert auch, dass das Interesse an Dauercamping zurückgeht. Bundesweit sank die Nachfrage seit 2003 um 7,6 Prozent. Vor allem wollen sich wenige junge Leute auf diese Urlaubsform festlegen, sie sei nicht mehr zeitgemäß, meint der Bundesverband der Campingwirtschaft. Er sieht das Problem, dass mit der Größe des Platzes der Anteil der Jahresstellplätze zunimmt. "Gerade deshalb werden diese Plätze es schwer haben, einen Strukturwandel zu vollziehen", so der Verband.

Auch erreicht Sachsen nicht, was in Südtirol oder Frankreich längst Standard ist: je größer eine Anlage, umso mehr Freizeit- und Dienstleistungsmöglichkeiten werden dort angeboten. Nicht einmal jeder dritte große Campingplatz in Sachsen bietet einen Wellnessbereich. Nur ein Viertel offeriert Ferien- oder Animationsprogramme. Während Einkaufsmöglichkeiten auf deutschen Campingplätzen eigentlich zur Ausstattung gehören, fehlen sie in Sachsen auf 43 Prozent der Anlagen ganz. 38 Prozent halten auch keine gastronomischen Angebote vor.

Wohnmobilisten unterschätzt

Ein Umdenken ist laut Studie auch in Bezug auf Wohnmobilisten angesagt. 2011 kamen auf ihr Konto deutschlandweit rund zwölf Millionen Übernachtungen und mehr als 20 Millionen Tagesausflüge. Wurden sie vor einigen Jahren noch als "Reise-Nomaden" eher geduldet, gelten sie inzwischen als attraktive Zielgruppe. Die meisten geben das Geld, das sie beim Stellplatz sparen, an anderer Stelle bereitwillig aus. "Die Erkenntnis, dass sie kaufkräftiger sind als klassische Camper, musste lange reifen", stellt auch Manfred Böhme, Direktor des Landestourismusverbandes Sachsen, fest. Das Stellplatzangebot für sie in Sachsen konzentriere sich bislang auf den Großraum Dresden, das Zittauer Gebirge und mit Abstrichen auf das Erzgebirge. Im neuen Leipziger oder Lausitzer Seenland liegen noch große Reserven. Der Chef des Verbandes der Camping- und Wohnmobilwirtschaft Sachsen, Jens W. Bohge, konstatiert: "Der Trend zu unkomplizierten Ferien in der Natur hält an. Davon wollen wir auch in Sachsen verstärkt profitieren." Der Verband biete seinen Mitgliedern deshalb Fortbildungsmöglichkeiten an, um so beim Umdenken und Umschwenken zu helfen.
Die Studie mit Handlungsempfehlungen gibt es im Internet: 

» www.ltv-sachsen.de

 

 
Seite 1 von 2
Sachsen profitiert kaum vom deutschlandweiten Campingboom
Zahlen und Fakten zum Campingtourismus im Freistaat
 
erschienen am 06.05.2012 (Von Gabi Thieme)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Fußball-Tippspiel

Jetzt einsteigen! Die Fußball-Saison läuft und Fußball-Fans können wieder dem Tippvergnügen fröhnen. Beim beliebten Topp11-Spiel von freiepresse.de gibt es tolle Preise zu gewinnen. Einfach anmelden und Tipps abgeben. Mehr unter freiepresse.de/top11.

 
 
Shop-Tipp

Wanderstock

Inhalt: jeweils 0,02l Wanderstock aus hochwertigem Weichselholz mit edler Stahlspitze, einer Klingeleinrichtung, einem hübschen Sträußchen und mit...
 
Shop-Tipp

Erlebnistour Muskauer Park - Gartenkunstwerk von Fürst von Pückler

Auf den Spuren eines Garten-Künstlers Der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau ist der größte im englischen Stil errichtete Landschaftspark Zentraleuropas...