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Foto: Andreas Kretschel

Sachsenring größter Profiteur der "So geht sächsisch"-Kampagne

Zwei Millionen Euro gab die Staatskanzlei bislang für die kaum bekannte Werbepartnerschaft aus. Die Linke wittert eine verdeckte Förderung.

Von Tino Moritz
erschienen am 11.02.2016

Dresden. Sachsens Imagekampagne "So geht sächsisch" stand von Beginn an unter besonderer Beobachtung. Erst passierte fast nichts außer einem ziemlich schrägen Videoclip des damaligen Regierungssprechers. Dann gab es einen Streit um ein paar angriffslustige Sprüche der Werbetexter, die nach dem Veto der Landespolitik wieder im Papierkorb verschwinden sollten. Und nachdem die Kampagne dann vor zweieinhalb Jahren tatsächlich endlich angelaufen war, musste sie auch schon wieder leicht eingedampft werden - weil Imagewerbung schwer in Zeiten ist, in denen der Freistaat im Rest der Republik vor allem als Pegida-Land wahrgenommen wird.

Teile der Opposition fanden die auf 32 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten ohnehin schon immer viel zu hoch und eine reine Geldverschwendung zulasten der Steuerzahler. Der Linke-Landtagsabgeordnete Falk Neubert geht nun noch einen Schritt weiter. Nach einer Auswertung der Regierungsantworten auf mehrere Kleine Anfragen kommt Mittelsachsens Linke-Chef zu dem Schluss, dass "So geht sächsisch" der CDU-geführten Staatskanzlei als "Portokasse für kleine und größere Gefälligkeiten" diene. Zur Begründung führte er beispielsweise einen Empfänger an, von dessen umfangreicher "Werbepartnerschaft" zuvor wenig bekannt war - den Sachsenring.

Nach Angaben der Staatskanzlei bestehen die Geschäftsbeziehungen mit der Sachsenring-Rennstrecken-Management GmbH (SRM), deren Anteilseigner mehrere anliegende Kommunen und der Landkreis Zwickau sind. Demnach bekam die SRM zunächst 2013 einen Betrag von 704.480 Euro, 2014 waren es 647.360 Euro und im vergangenen Jahr 686.235 Euro - zusammen also etwas mehr als zwei Millionen Euro.

Und wofür? Die Staatskanzlei spricht von einem "sehr umfangreichen Werbepaket für eine der attraktivsten Sportveranstaltungen mit internationaler Strahlkraft in Sachsen" - womit sie den Motorrad Grand Prix Deutschland meint, der jedes Jahr an einem Rennwochenende mehr als 200.000 Besucher anzieht, im Vorjahr sogar knapp 212.000. Bereits bei der Werbung für das Juli-Wochenende werde mit dem Slogan "So geht sächsisch" geworben, über das Ereignis selbst werde weltweit berichtet, das Banner auf der Rennstrecke tauche in Fernsehbildern auf, zudem sei die Marke auch ganzjährig auf der Rennstrecke präsent, heißt es aus der Staatskanzlei. Die Verhandlungen über die Werbepartnerschaft mit Sachsenring in diesem Jahr sind demnach noch nicht beendet.

Der Linke Neubert findet die Ausgabe unverhältnismäßig und spricht von "viel Geld für wenig Leistung". Er wundert sich auch, warum die prominente Partnerschaft bisher öffentlich nirgends benannt wurde - weder im Landtag, wo die Kampagne schon Debattenthema war, noch auf der ansonsten gut gepflegten Homepage von "So geht sächsisch" - immerhin war die Summe für Sachsenring zuletzt der mit Abstand zweithöchste Einzelposten nach den jährlich mehr als 800.000 Euro brutto für die Agentur "Ketchum Pleon", die die Standortkampagne für den Freistaat umsetzt.

Neubert wittert zudem eine "verdeckte Förderung der Rennstrecke" - weil für Einzelmaßnahmen am Sachenring im Landeshaushalt bis 2012 jedes Jahr Mittel vorgesehen waren, nicht aber 2013 und 2014. Das Wirtschaftsministerium verwies darauf, dass der Haushaltsposten damals wegen eines parallelen Beschwerdeverfahrens über eine unzulässige staatliche Beihilfe bei der Europäischen Kommission wegfiel. Geklagt hatte der Lausitzring, der zog seine Beschwerde dann aber wieder zurück. 2014 zahlte Sachsen dann 1,4 Millionen Euro an Fördermitteln für den Sachsenring aus - für den Umbau von Kurven, den die SRM hatte vorfinanzieren müssen.

 

Kosten für "So geht sächsisch"

Bis Ende 2015 hat Sachsen für die Imagekampagne bisher rund 24,4 Millionen Euro ausgegeben. Das geht aus Antworten der Staatskanzlei auf mehrere Anfragen von Falk Neubert (Linke) hervor. Für 2016 stehen weitere acht Millionen Euro bereit. Auch im nächsten Jahr dürfte die Kampagne weitergehen - im Koalitionsvertrag 2014 hatten CDU und SPD angekündigt, sie zur Erhöhung des Bekanntheitsgrades im In- und Ausland gemeinsam weiterentwickeln zu wollen.

Entgegen der Planung flossen 2015 nur sechs statt acht Millionen Euro. Zwei Millionen davon wurden für Medienkooperationen und Anzeigen ausgegeben. Zugleich sparte Sachsen durch den Verzicht auf überregionale TV-Spot-Ausstrahlung und auf eine Wirkungskontrolle der Kampagne. (tz)

 
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