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Sachsens Genossenschaften haben große Erwartungen an UN-Jahr 2012

"Nicht Gewinnmaximierung steht im Vordergrund"

Chemnitz (dapd-lsc). Sachsens Genossenschaften erhoffen sich vom bevorstehenden internationalen UN-Jahr der Genossenschaften einen deutlichen Popularitätsgewinn. "Das ist eine Steilvorlage für die genossenschaftliche Idee", sagte der Verbandspräsident des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbands (MGV), Dietmar Berger, in Chemnitz der Nachrichtenagentur dapd. Die Unternehmensform solle bekannter gemacht werden. Zudem solle sich das gesellschaftliche Klima ändern, das Berger derzeit als "wenig genossenschaftsfreundlich" bezeichnete.

Regionaler Höhepunkt im Rahmen des UN-Jahres der Genossenschaften, dessen Schirmherr in Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) ist, soll am 23. Mai ein Kongress in Leipzig sein. Fünf genossenschaftliche Verbände aus Mitteldeutschland wollen das Treffen gemeinsam ausrichten.

Auch weitere Aktionen wie Mieterfeste und Tage des offenen Hofes sollen für die Genossenschaftsidee werben. Deren Grundanliegen ist nach Angaben Bergers "nicht die Gewinnmaximierung, sondern der Förderauftrag zugunsten der Mitglieder". Im Mittelpunkt stünden gemeinschaftliches Wirtschaften und Solidarität.

Bisher fehlt es nach Einschätzung des Verbandspräsidenten vielfach noch an der gesellschaftlichen Akzeptanz für genossenschaftlich organisiertes Unternehmertum. Vor allem in Ostdeutschland gelten Genossenschaften als Überbleibsel der DDR. Das sei ein Irrtum, sagte Berger. Er verwies darauf, dass die erste deutsche Genossenschaft vor 162 Jahren gegründet wurde. Zu den Gründervätern gehört der in Delitzsch geborene Hermann Schulze-Delitzsch, dessen Wirken ein Museum in der nordsächsischen Kleinstadt würdigt.

Beratung von Gründern mangelhaft

Ein Hindernis für die Verbreitung der Genossenschaftsidee ist laut Berger eine mangelhafte Beratung und Förderung von Gründern. Die Beratungsstellen von Handwerks-, Industrie- und Handelskammern, aber auch Seminare an Hochschulen berücksichtigten in der Regel nur Unternehmensformen wie GmbH und GbR. Auch die Förderprogramme von staatlichen Banken schlössen Genossenschaften häufig aus, sagte Berger. Der Anstoß zur Gründung fehle damit. Schülergenossenschaften, wie sie etwa in Niedersachsen mit Zustimmung des dortigen Kultusministeriums gegründet werden, gebe es in Sachsen nicht.

Dennoch wurden in Sachsen seit 2006 nach Angaben des MGV 32 neue Genossenschaften gegründet. Bundesweit wird die Zahl auf bis zu 240 beziffert. "Gleichzeitig wurden aber Zigtausende GmbH-Betriebe gegründet", betonte Berger.

Für die Zukunft hofft er auf steigende Zahlen neuer Genossenschaften. Grund ist nicht zuletzt, dass die Idee der Genossenschaft sehr gut geeignet sei, um auf Probleme wie den demografischen Wandel oder die Finanznot der Kommunen zu reagieren. Genossenschaften, die von Bürgern gegründet würden, könnten etwa Freibäder und andere Freizeiteinrichtungen oder Läden betreiben. Auch Versorgungszentren in kleineren Orten könnten in dieser Form erhalten werden.

dapd

 
erschienen am 28.12.2011
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