Eine Erzieherin für vier kleine Kinder, das wünschen sich die Pädagogen der "Zeisigwaldfüchse". Doch derzeit kommen sechs Kinder auf eine Erzieherin. Melanie Gläser (hinten) wünscht sich besonders in den Eingewöhnungsphasen mehr Unterstützung und Zeit für ihre Schützlinge.
Foto: Kristin Schmidt
Sächsische Kitas fordern weniger Kinder pro Erzieherin
Wohlfahrtsverbände im Freistaat werben für besseren Personalschlüssel in den Einrichtungen
Chemnitz. Kinder beim Spielen im Garten beobachten, mit ihnen basteln, Essen ausgeben und danach eine Einschlafgeschichte: So stellt sich der Laie den Alltag einer Kita-Erzieherin vor. Doch Sachsen, wo im Bundesvergleich überdurchschnittlich viele Kinder in Krippen- und Kindergärten gehen, hat derzeit den zweitschlechtesten Personalschlüssel in Deutschland. Das heißt, dass sich mehr Jungen und Mädchen eine Kindergärtnerin teilen müssen und dass die Erzieher im Dauerstress durch den Tag rotieren. "Darunter leidet zwangsläufig die Qualität der Betreuung", sagt Anne-Cathrin Otte-Halász, Chefin der Kita "Zeisigwaldfüchse" in Chemnitz. Unter ihrer Regie kümmern sich 19 Pädagogen um rund 170 Kinder.
In der Gruppe eins werden derzeit 13 Kinder zwischen einem und knapp drei Jahren betreut. "Besonders die Übergangsphasen sind stressig", sagt Erzieherin Kerstin Schreiter. Dazu gehört das An- und Umziehen für den Aufenthalt an der frischen Luft. Über ein Dutzend Kinder muss gebändigt werden. Jeder will zuerst Schuhe und Jacke anziehen. Und die, die fertig sind, wollen sofort raus. Draußen das gleiche Spiel. "Hier brauchen wir einen Rundumblick", sagt die zweite Erzieherin der Gruppe, Melanie Gläser. Es dauere nicht lange, bis das erste Kind weint, das zweite allein auf Abenteuertour geht und ein drittes die Stiefel auszieht. Auf alles müssen die zwei Frauen achten. Für individuelle Förderung ist kaum Zeit.