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Sächsische Tafeln wünschen sich mehr Anerkennung
80.000 Menschen holen sich Lebensmittel
Dresden (dapd-lsc). Die sächsischen Tafeln erwarten von der Politik mehr Anerkennung für ihre Arbeit. "Man bedient sich des Ehrenamts und braucht es, aber wir wollen auch, dass unsere Arbeit gewürdigt und anerkannt wird", sagte die Vorsitzende des Landesverbands Sachsen der Tafeln, Edith Franke, der Nachrichtenagentur dapd. Die Förderungen für das Ehrenamt hätten sich in den vergangenen Jahren stark verringert, "der Freistaat Sachsen hält sich hier sehr bedeckt", sagte Franke, die seit 2009 als parteilose Abgeordnete für die Linken im Landtag sitzt. In vielen Fällen ersetzten die Förderungen nicht einmal die Fahrtkosten der Ehrenamtler.
Franke, die 1995 die Dresdner Tafel gegründet hatte, berichtete davon, dass sich in Sachsen etwa 80.000 Menschen bei den Tafeln Lebensmittel holen. Die Zahl der Menschen, die eigentlich auf Unterstützung durch die Tafel angewiesen wären, sei bedeutend höher. "Es ist eine große Hemmschwelle, sich eingestehen zu müssen, dass man aus eigener Kraft nicht mehr für sich sorgen kann", sagte die 69-Jährige, die mit dem Bundesverdienstkreuz und der sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet wurde.
Weihnachtsgebäck erst nach Weihnachten
Tafeln geben als gemeinnützige Hilfsorganisationen qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die sonst nicht mehr verwendet würden, an Bedürftige weiter. Generell seien die Lebensmittelspenden ausreichend, die die Tafeln in Sachsen erhielten. "Wir können aber auch keine Rundumversorgung bieten", sagte Franke, die im Jahr 2000 auch das Lindenhaus in Dresden für Straßenkinder gründete. "Jetzt zur Weihnachtszeit würden wir den Menschen auch gern Weihnachtsgebäck oder Stollen geben, doch diese Sachen bekommen wir erst nach Weihnachten."
Tafeln, die viele Lebensmittel bekämen, gäben anderen Tafeln im Freistaat etwas davon ab. Die Spenden der Lebensmittel kämen von Handelsketten, Lebensmittelproduzenten und dem Großhandel. "Es gibt in Sachsen kaum große Lebensmittelproduzenten", sagte Franke, "dafür haben wir lange Transportwege." Wichtig sei, dass ständig die Kühltemperatur der Lebensmittel eingehalten werde. "Die Lebensmittelsicherheit spielt bei uns eine große Rolle", sagte sie. "Wir haben eine große Verantwortung, dass die Bedürftigen keinen Schaden nehmen."
Für die Lebensmittel der Tafel zahlen die Menschen in Sachsen unterschiedlich hohe Beträge. In Dresden koste ein Paket Lebensmittel zum Beispiel 2,50 Euro, das reiche für drei bis vier Tage. Die Beiträge der Bedürftigen deckten die Transportkosten der Tafeln etwa zu 25 bis 30 Prozent, der Rest der Ausgaben werde durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Geldern aus Gerichtsverfahren, die unter Auflagen eingestellt wurden, gedeckt. Die Transportkosten machten den größten Teil der Ausgaben der Tafeln aus.
dapd