Jan Hofmann ist einer der Starter aus Deutschland.Foto: dapd
Wie aus Melonen Vögel werden
Erste Europameisterschaft im Obst- und Gemüseschnitzen in Leipzig
Leipzig (dapd-lsc). Hoch konzentriert arbeitet Vadim Nefedyev an der Skulptur eines Vogels. Der junge Russe hat mit einer ähnlichen Arbeit im März die russischen Meisterschaften gewonnen, nun will er Europa-Champion werden. Gelegenheit dazu hat er am Montag auf der Leipziger Messe "Gäste", auf der die 1. Europameisterschaft veranstaltet wird - die erste Europameisterschaft im Obst- und Gemüseschnitzen wohlgemerkt.
Nefedyev ist einer von 21 Startern im Einzelwettbewerb. Sieben Nationen sind vertreten, das stärkste Kontingent kommt aus Nefedyevs Heimat. Ebenfalls mit einem großen Aufgebot sind die Gemüseschnitzer aus Tschechien angereist, während Vadim Bekovski als einziger Schnitzer die Farben Israels vertritt. Allen gemeinsam ist, dass sie sich den strengen Augen einer vierköpfigen internationalen Jury stellen müssen. "Gestartet wird in drei Kategorien", erläutert das tschechische Jurymitglied Milan Sahanek. Bereits von zu Hause mitbringen können die Teilnehmer des Wettbewerbes ein Schaustück, vor Ort gefertigt werden müssen je zwei Cocktailglas- und Tellerdekorationen sowie eine Komposition aus Obst und Gemüse, die zum Beispiel ein Büfett schmücken könnte.
Ebenfalls konzentriert, aber bei weitem noch nicht mit dem meisterlichen Geschick von Nefedyev bearbeitet Jan Hofmann eine Melone. Er ist Mitglied des Vereins Xiang Wang Food-Artistic, der die europäischen Meisterschaften in Zusammenarbeit mit der Leipziger Messe auf die Beine gestellt hat. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Vereinsmitgliedern kommt Hofmann weder aus der Gastronomie oder Nahrungsmittelbranche. "Ich bin Bankkaufmann", sagt er lächelnd. Gesehen hat er die Kunststücke von Obst- und Gemüseschnitzern zuerst auf einer Kreuzfahrt, durch einen Fernsehbericht wurde er auf den Verein aufmerksam, besuchte dort Grund- und Aufbaukurse. "Ich liebe das Ausgefallene, und die Obst- und Gemüseschnitzerei gehört sicher in diese Kategorie", meint er.
Zum Schnitzen braucht man laut Hofmann eigentlich nur ein ganz normales Küchenmesser, zum Hobeln von Gemüse kann man ein Käsemesser benutzen. Aber es gibt natürlich auch eine spezielle Ausrüstung, zu der zum Beispiel Rillenmeißel, Gemüsespitzer oder Ausstechformen für Blumen und Tiere gehören. "Sehr gut zum Schnitzen geeignet ist ein Thaimesser, das gut in der Hand liegt, sehr beweglich, sehr spitz und sehr scharf ist", zählt Hofmann auf. Dass der Umgang mit einem solchen Messer auch schmerzhaft sein kann, muss denn auch ein Teilnehmer der Europameisterschaften erfahren, der sich in den Finger schneidet. Aber mit einem Pflaster ist das Malheur schnell aus der Welt geschafft.
Unterdessen wird in der Messehalle 1 am Montag emsig gewerkelt. Auffällig ist, dass Männer in der Mehrheit sind. Den 14 männlichen Teilnehmern stehen sieben Frauen gegenüber, darunter die Tschechin Eliska Vostalova, mit 17 Jahren die jüngste Starterin. Warum sie an dem Wettbewerb teilnimmt, kann man sie nicht fragen. "Bitte sprechen Sie die Teilnehmer nicht an, weil die sich sehr konzentrieren müssen", gibt Konstanze Töpel den Fotografen mit auf den Weg, die in den abgesperrten Bereich hinein dürfen. Sie hat seitens des Vereins bei der Organisation der Europameisterschaften den Hut auf. "Es schlaucht, aber macht Spaß", sagt sie und ist gleich darauf schon wieder verschwunden, um sich um den Wettbewerb zu kümmern.
Geplant ist, das europäische Championat von nun an alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Für 2013 ist als Austragungsort Moskau ins Visier genommen worden.
(http://www.obst-gemueseschnitzen.de)
dapd