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Foto: Patrick Pleul/dpa

Wohnungsleerstand in Sachsen verschärft sich in nächsten Jahren

Bis 2030 soll die Anzahl der ungenutzten Wohnungen auf etwa eine halbe Million ansteigen, hat die Sächsische Aufbaubank errechnet. Sie fordert nun einen verstärkten Abriss.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 07.01.2015

Dresden. Sachsen hat seinen Wohnungsleerstand seit der Jahrtausendwende zwar verringern können, der Freistaat ist dennoch Leerstandsspitzenreiter in Deutschland. Gut 231.000 Wohnungen sind derzeit ungenutzt, knapp zehn Prozent des Bestandes. Die Leerstandsquote ist damit doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt, wo zuletzt 4,5 Prozent frei standen, wie aus dem von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) vorgelegten Wohnungsbaumonitoring 2014/2015 hervorgeht. Dem Bericht zufolge wird sich das Problem in den kommenden Jahren noch verschärfen. Wegen des prognostizierten Bevölkerungsrückganges von einer halben Millionen Menschen bis 2030 würden bei der jetzigen Belegung von im Schnitt 1,9 Menschen je Wohnung noch einmal 265.000 ungenutzte Wohnungen hinzukommen.

"Angesichts dieser Entwicklung ist es notwendig, den Rückbau intensiv und ohne regionale Beschränkungen zu fördern. Dabei sollten formale Anforderungen für Rückbauwillige auf ein Minimum reduziert werden", heißt es. Für diese "Marktbereinigung" müsse der Bund weitere Fördermittel zur Verfügung stellen, fordert die landeseigene Förderbank. 950 Millionen Euro wären nötig, hat die SAB errechnet. Ohne Gegenmaßnahme würde künftig mehr als jede fünfte sächsische Wohnung leer stehen. "Die Problemlage wäre dann größer als zu Beginn des Stadtumbauprozesses im Jahr 2000", schreiben die Experten. Von 2000 bis 2013 wurden über 114.000 Wohneinheiten abgerissen, dafür wurden Fördermittel in Höhe von 408 Millionen Euro gezahlt.

Nach Ansicht der Bank drohe bei zunehmenden Leerstand eine "flächendeckende Destabilisierung der sächsischen Immobilienmärkte". Davon seien nur die Ballungsräume Leipzig und Dresden ausgenommen. Ein Stabilisierungspotenzial besäßen allenfalls Städte wie Chemnitz, Freiberg, Bautzen oder Zwickau sowie deren nahes Umland.

Derzeit seien besonders die Städte Görlitz und Zittau vom Leerstand betroffen, nahezu jede fünfte Wohnung stehe dort leer. Aber auch im Vogtland wiesen Städte wie Plauen und Reichenbach hohe Leerstände auf; jede siebente Wohnung sei hier unbewohnt. Ähnlich verhalte es sich in Meißen, wo gut 2400 der 17.500 Wohnungen nicht genutzt werden. Das entspricht einer Leerstandsquote von 14 Prozent. Auf überdurchschnittliche Quoten kämen aber auch die Großstädte Chemnitz (13,6) und Leipzig (12,1).

Die SAB geht aber davon aus, dass sich aufgrund der wachsenden Zuwanderung in die Großstädte der Leerstand dort verringert. In Dresden und Leipzig könne schon heute die Nachfrage nicht mehr in jedem Segment befriedigt werden. In Dresden könnte die Leerstandsquote in den nächsten Jahren sogar unter die Fluktuationsreserve von bis zu vier Prozent fallen. Anzeichen dafür seien unter anderem eine ansteigende Bautätigkeit sowie Fortzüge in das nahe Umland. Auch in Sachsens drittgrößter Stadt Chemnitz belebten Zuwanderungen die Wohnungsnachfrage; seit 2012 gewinne die Stadt Einwohner hinzu. Ähnlich sehe es für Freiberg aus, heißt es.

 

 
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Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 23.09.2015
    16:00 Uhr

    Interessierte: Die Aufbau-Bank fordert Abriß ...

    Wollte heute die EU Deutschland nicht verklagen , u.a. wegen unzureichender Vorsorge für die seit längerer Zeit ´absehbare´ Flüchtlingsunterbringung ?
    ( wo die Flüchtlinge doch nun im ´ausgeräumten` Osten so gut untergebracht wären ...
    ( also dort , wo es keine Arbeit mehr gibt , auch nicht für Flüchtlinge ...

    0 0
     
  • 31.05.2015
    12:09 Uhr

    Interessierte: Die Sächsische Aufbaubank fordert nun einen verstärkten Abriss.
    ( diese Forderung gehört auch zur Revitalisierung ...

    0 0
     
  • 17.01.2015
    15:06 Uhr

    Interessierte: Das wäre wohl keine Möglichkeit für eine - Erstaufnahmeeinrichtung ?
    Man könnte denken , die DD-ner reißen lieber ab als dass sie die Häuser für Asylbewerber nehmen ...
    Wo ist denn das in Dresden ?
    Und in Leipzig sollen ganze Straßenzüge leer stehen !!!!

    0 0
     
  • 08.01.2015
    13:20 Uhr

    Interessierte: Das Problem ist ja auch , die kriegen die Platten kaum weg , weil die DDR so solide gebaut hat …;-)
    Außerdem eignen sich diese Platten wunderbar zur Umgestaltung in größere Wohnungen oder zum ´teilweisen´ Rückbau ; da werden neuerdings Etagenhäuser draus gemacht , was mit Altbauten gar nicht geht ...

    Natürlich verdienen die , die projektieren , wieder Geld .
    Und auch die , die Neubauten bauen ...
    Aber auch die , die Sanieren , würden Geld verdienen ...

    Und für 300 Obdachlose in DD könnte man gut 300 Einraumwohnungen nutzen - mit Betreuung ...
    So , wie man es mit den Rentnern macht , vielleicht nicht so komfortabel ...

    1 0
     
  • 07.01.2015
    17:00 Uhr

    aussaugerges: Ein Heer von Architekten und >Planern wollen nix rekonstruieren,da ist nicht genug Gewinn dabei.
    Vom Staat gibt es 100 Euro pro /m² für den Abriss obwohl gedämmt und Solide gebaut. Alles Wahnsinn.
    Alles gewollt.im Namen des Profites.

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