Verteidiger Michael Windisch (links) und Patrick R.
Foto: Uwe Meinhold/dapd
Zwickauer gesteht emotionslos grausiges Verbrechen
Prozess um Tod einer 23-Jährigen - Vorwurf: Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs
Zwickau. Noch nie zuvor mussten in den größten Verhandlungssaal des Zwickauer Landgerichts zusätzliche Bänke für die Zuschauer gebracht werden, so groß ist am Donnerstagfrüh der Andrang. Viele Freundinnen, Kollegen und Angehörige der im Februar in Zwickau getöteten und 20 Stunden später bei Crimmitschau verbrannten Susann P. sind gekommen. Auch ihre Eltern und die Schwester. Als Nebenkläger haben sie sich dieser Zerreißprobe für Nerven und Seele gestellt. Sie wollen dem mutmaßlichen Mörder ihrer 23-jährigen Tochter gegenüber sitzen, ihm zeigen, welches Leid er der Familie zugefügt hat. Als der 1,89 Meter große angeklagte Patrick R. herein geführt wird, versteckt er sein Gesicht minutenlang hinter einem Aktenordner - bis die Schar von Fotografen und Kameraleuten den Saal verlassen muss.
Auf den ersten Blick könnte ihn sich jede Mutter wohl als Schwiegersohn vorstellen: sportliche Figur, gepflegter Kurzhaarschnitt, gut artikulierte Ausdrucksweise. Doch dann folgt mit erschreckender Nüchternheit das umfassende Geständnis einer so grausigen Tat, dass die Mutter des Opfers unter Tränen mehrfach den Saal verlassen muss.
Verhängnisvolle Begegnung
Nach den Aussagen von Patrick R. sei er der Ergotherapeutin an jenem Morgen des 12. Februar zufällig in der Zwickauer Innenstadt begegnet. Er sei nach einem Diskobesuch gegen 5 Uhr allein und ziellos mit dem Auto durch die Stadt gefahren. "Da habe ich sie gesehen. Mir fielen ihre roten Haare und ihre schlanke Statur auf. Da habe ich beschlossen, sie anzuquatschen." Er habe seinen Wagen abgestellt und gefragt: "He, hast du Lust auf einen One-Night-Stand?" Sie habe ihn erschrocken angesehen und geantwortet: "Nein, mit dir nicht!" Sie habe weiter gehen wollen, "aber ich fühlte mich vor den Kopf gestoßen, habe mich geärgert und sie mit der Hand zurückgestoßen, ziemlich heftig." Susann P. sei auf die Straße gestürzt und er habe sich mit seinem Schlüsselband über sie gebeugt und gewürgt, drei oder vier Minuten lang. "Sie wehrte sich erst noch mit den Armen. Dann nahm ich an, dass sie bewusstlos geworden ist", sagte der Angeklagte.
Dass sie dabei starb, will der gelernte Gebäudereiniger erst bemerkt haben, als er mit ihr zu seiner Wohnung fuhr. Dort zog er den Leichnam aus. Das erregte ihn so, dass er nur noch mit seinem Opfer schlafen wollte. "Ich war wie im Rausch."
Warum Patrick R. sich drei Stunden später mit einem USB-Stick seines Opfers in der Redaktion von Radio Zwickau ins Internet einloggte, wo er gerade ein viermonatiges Praktikum absolvierte, blieb am Donnerstag unbeantwortet. Er räumte nur noch ein, dass er rund 20 Stunden später mit der toten Frau in die Nähe von Crimmitschau fuhr, sie mit Benzin übergoss und anzündete, um das Geschehen zu vertuschen, wie Staatsanwalt Bernd Saemann sagte.
Sichtlich geschockt reagierten viele Zuschauer auch, als R. erzählte, dass er an dem Brandmorgen sogar noch in die Wohnung seines Opfers fuhr. "Ich dachte, dass ich dort Dinge finde, die ich gebrauchen könnte." Laut Gericht soll er unter anderem einen Vibrator, Gelddosen und Parfüm mitgenommen haben.
Viele Widersprüche bleiben
Mit dem Geständnis ist das Verbrechen allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt. Denn die Angaben des Angeklagten decken sich nicht in allen Punkten mit den Erkenntnissen der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage von Mord aus niederen Beweggründen - zur Befriedigung des Geschlechtstriebes - und von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Sie glaubt, dass Patrick R. sein Opfer geschlagen und getreten hat, um seinen Widerstand zu brechen. Er soll die Frau mit den Händen gewürgt haben, bis sie an Erbrochenem erstickt sei. Richter Klaus Hartmann hält es für wahrscheinlich, dass der Angeklagte sein Schlüsselband um den Hals des Opfers knotete. "Wir haben auf 27 Zentimeter Länge DNA-Spuren und Haare der Frau." Ab diesem Vorhalt weigerte sich der Angeklagte, weitere Aussagen zum Geschehen zu machen. Offen blieb daher auch, in welchem Umfang der Praktikant für Radio Zwickau mit Recherchen zu seinem eigenen Verbrechen betraut war. Der Prozess wird fortgesetzt.