Große Teile von Harthau, im Bild die Annaberger Straße nahe der Einmündung Alte Harth (oben links), hatte die Würschnitz am 7. August überflutet. Betroffene fordern jetzt Schadenersatz und besseren Hochwasserschutz.
Foto: Sandro Schmalfuß/Archiv
Chemnitzer Hochwasseropfer formieren sich
Betroffene denken über Sammelklage und Bürgerinitiative nach
Chemnitz. Hochwasseropfer in Harthau und Klaffenbach wollen sich zusammenschließen, weil sie unzufrieden sind mit dem bisherigen Umgang mit den Flutfolgen vom 7. August. Allerdings gibt es unterschiedliche Prioritäten, wie gestern Abend bei einer Zusammenkunft von etwa 30 Anwohnern der Würschnitz aus beiden Stadtteilen deutlich wurde. Während ein Teil der Betroffenen vor Gericht ziehen will, um - vielleicht per Sammelklage - Schadenersatz zu fordern, erwägen andere das Bilden einer Bürgerinitiative für wirksameren Hochwasserschutz.
Zu Stande gekommen war die Veranstaltung auf Initiative von Petra Schmalfuß, deren Haus mit Textilgeschäft am Harthauer Bahnhof geflutet wurde und die entschlossen ist, den Klageweg zu beschreiten. Ihr Rechtsanwalt Wolfgang Krauß bot den anderen Hochwasseropfern an, sie ebenfalls zu vertreten. Allerdings sollte sich das jeder gut überlegen, warnte er und blieb vorsichtig, was die möglichen Erfolgsaussichten betrifft. Schäden könnten gegenüber dem Freistaat als Verantwortlichem für den Hochwasserschutz oder gegenüber der Stadt geltend gemacht werden, die unter anderem für die Alarmierung zuständig sei, so der Anwalt. Allerdings müsse dabei der Nachweis geführt werden, dass die Schäden nicht eingetreten wären, wenn die Behörden richtig gehandelt hätten, erklärte Krauß. Als möglichen Vorwurf gegen die Stadt könnte er sich Berichte vorstellen, wonach Polizisten am Morgen des 7. August zwar Hotelgäste im Wasserschloss Klaffenbach, nicht jedoch andere Anwohner der Würschnitz vor der nahenden Flut gewarnt haben sollen.
Bei den entstandenen Schäden müsse allerdings differenziert werden, was bei rechtzeitiger Alarmierung hätte gerettet werden können. "Ihr Haus konnten Sie nicht in Sicherheit bringen, aber bewegliche Gegenstände, wie Autos und Möbel", sagte der Experte den Hochwasseropfern. Schadenersatz könne nur dafür gefordert werden, was zu retten gewesen wäre. Nach dem Vortrag des Anwalts betonte lediglich Petra Schmalfuß öffentlich: "Ich klage auf jeden Fall."
Ralf Kirchhübel, in dessen Harthauer Fahrschule die Versammlung stattfand, will einen anderen Weg einschlagen. "Wir sollten eine Bürgerinitiative gründen, damit die geplanten Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes so schnell wie möglich umgesetzt werden", sagte er der "Freien Presse". Am wichtigsten sei dabei aus seiner Sicht der Bau des Regenrückhaltebeckens in Pfaffenhain. Außerdem forderte Kirchhübel endlich eine lückenlose öffentliche Aufklärung der Ereignisse vom 7. August.
Das Hochwasser hatte in Chemnitz Schäden für etwa 20 Millionen Euro angerichtet, davon etwa sechs Millionen in Privathaushalten vor allem in Harthau und Klaffenbach. Zur Alarmierung der Fluss-Anwohner habe die Zeit zwischen zweithöchster Warnstufe und Überflutung nicht mehr gereicht, rechtfertigt sich die Stadtverwaltung. Als Konsequenz soll ab sofort bereits ab der dritthöchsten Warnstufe alarmiert werden.
Bilder vom Hochwasser
Die aktuellen Pegelstände in Sachsen
Die Daten werden bereitgestellt vom Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen