Thema des Tages
Freiberg sucht die Rohstoffe der Zukunft
Bergakademie erste Adresse für Ressourcen-Forschung
Im Institut für Mineralogie bestimmen die Studentin Petya Atanasova und der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Seifert mit einem Massenspektrometer das Alter der lithiumhaltigen Gesteinsproben aus Zinnwald. Das wiederum lässt Rückschlüsse auf den Umfang der Vorkommen zu.
Freiberg. Die TU Bergakademie Freiberg will zur führenden deutschen Forschungseinrichtung für die Erkundung und Nutzung von Rohstoffen werden. Sie habe sich auf diesem Gebiet seit 2008 bereits zehn Großforschungsprojekte mit einem Volumen von 121 Millionen Euro sichern können, sagte am Donnerstag Rektor Bernd Meyer vor Journalisten in der Bergstadt. Zugleich habe man bei der Bundesregierung den Antrag eingereicht, nationales Rohstoffzentrum der neuen Länder zu werden. Ein entsprechendes Vorhaben ist im Koalitionsvertrag enthalten. Auch Sachsen-Anhalt und Brandenburg haben sich darum beworben. "Ich sehe aber für uns gute Chancen", sagte der Rektor. Er rechne noch im ersten Halbjahr mit einer Entscheidung, die die eingeschlagene Profilierung bestätigen würde.
Deren Bedeutung veranschaulichte Meyer unter anderem daran, dass jeder Bürger in Deutschland pro Jahr 18 Tonnen Rohstoffe verbraucht - allen voran Baumaterialien, Metalle, Kohle und Öl. Für die Herstellung eines Autos von einer Tonne Gewicht würden fünf Tonnen Rohstoffe benötigt. Vor zehn Jahren kaum benötigte Elemente, wie Lithium, seien neu hinzu gekommen und entwickelten sich zu strategischen Energie-Ressourcen.
Mit Hochdruck laufen deshalb an der ältesten montanwissenschaftlichen Hochschule der Welt, die 2015 ihr 250-jähriges Bestehen feiern wird, die Forschungen im Rahmen einer so genannten Lithium-Initiative, die im Sommer vergangenen Jahres gestartet wurde. Der Rohstoff, der unter Experten als das "Öl von morgen" bezeichnet wird, ist wichtigster Bestandteil von Lithium-Ionen-Batterien, die in Zukunft Elektro- und Hybrid-Autos mit Energie versorgen sollen und heute schon in Laptops und Akku-Werkzeugen eingesetzt werden.
Doch bisher sei weder die weltweite Versorgung abgesichert, noch seien die Akkus ausgereift, sagte Hans-Jürgen Seifert vom Institut für Werkzeugwissenschaft. Der Bedarf in Deutschland wird ausschließlich durch Importe abgedeckt. Deshalb beteilige sich die Freiberger Universität sowohl an Erkundungs- und Gewinnungsvorhaben, zum Beispiel in Bolivien und im Erzgebirge, als auch an der Entwicklung neuer Werkstoffe.
In Bolivien werden die Lithium-Vorräte auf 100 Millionen Tonnen geschätzt. In Zinnwald im Osterzgebirge lagern nach Schätzungen aus DDR-Zeiten mindestens 50.000 Tonnen. Bessere Werkstoffe sollen die Kosten der Batterien senken sowie ihre Leistung und Sicherheit erhöhen. Dazu startet in diesem Sommer ein weiteres nationales Forschungsprogramm, das ebenfalls in Freiberg koordiniert und mindestens drei Jahre mit jeweils 1,6 Millionen Euro gefördert wird. Hintergrund ist, dass nach den Plänen der Bundesregierung 2020 eine Millionen Elektroautos über deutsche Straßen rollen sollen und bis dahin leistungsstarke Batterien nötig sind.
Von Gabi Thieme
Erschienen am 15.01.2010weitere Meldungen:
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