Nur 800 Meter entfernt: Die Familie wollte zur Taumenvatnhütte zurückkehren, fand sie im Schneesturm aber nicht mehr.
Foto:
Vier Skitouristen aus Sachsen von Sturm überrascht - Eine Person noch vermisst
Sirdal. Die rettende Hütte lag nur noch 800 Meter entfernt, bei normaler Sicht mit bloßem Auge zu erkennen. Doch der Schneesturm, der die Familie aus Brand-Erbisdorf, Landkreis Mittelsachsen, letzten Sonntag überraschte, war wohl so schlimm, dass sie völlig die Orientierung verlor. Am Donnerstag wurden die ersten drei Leichen gefunden. Die Suche nach der vierten vermissten Person läuft noch.
Die Eltern waren mit einer Tochter und deren Verlobtem gemeinsam im Wintersport-Urlaub. Sie ließen ihr Auto im südnorwegischen Ådneram stehen, um zu einer mehrtägigen Ski-Wandertour aufzubrechen. In den dünn besiedelten norwegischen Bergen liegen in regelmäßigem Abstand Touristikhütten, die mit Skiloipen verbunden sind. Für die Hütten braucht man weder Schlüssel noch Reservierung.
Warnung ignoriert
Wie Reporter der norwegischen Zeitung "Verdens Gang" mitteilten, hatte sich die Familie am vergangenen Samstag in das Gästebuch der Taumevatnhütte im Tal eingetragen, etwa 15 Kilometer nördlich von Ådneram. Am nächsten Tag seien sie morgens auf Skiern aufgebrochen, um zur nächsten, etwa fünf Kilometer entfernten Hütte in Heibergtunet zu wandern. Von dort kam ihnen der Einheimische Bjørn Fagerheimer entgegen und riet ausdrücklich von der Wanderung ab. "Ich habe ihnen gesagt, nur wer nicht ganz normal ist, wird bei dieser Witterung losgehen", berichtete er Linn Yttervik von "Verdens Gang". Doch die Familie habe die Warnungen ignoriert. "Wir sind ja auch nicht normal", sollen sie erwidert haben.
Die Gegend ist bekannt für extrem schnelle Wetterumschwünge. "Es kann sein, dass gerade noch die Sonne scheint - und fünf Minuten später tobt ein Schneesturm", so Yttervik. Der norwegische Fernsehsender NRK meldet, die "gefühlte" Temperatur sei um die minus 50 Grad gewesen, der Sturm dürfte Geschwindigkeiten um die 70 Kilometer pro Stunde erreicht haben, die Sicht betrug wohl weniger als zehn Meter. Die Loipen sind eigentlich mit Stangen im Abstand von 10 bis 15 Metern markiert, viele dieser Markierungen seien unter den Schneeverwehungen jedoch verschwunden, berichten die Reporter von "Verdens Gang".
Keine Hoffnung mehr
Polizeiinspektor Egil Eriksen vermutet, dass die Familie versuchte, zur Taumevatnhütte zurückzukehren, sie aber nicht mehr fand. Donnerstagmittag entdeckte ein Skifahrer dann die Leiche eines erfrorenen Mannes nur 800 Meter von der Hütte entfernt. In der Nähe wurden vier Rucksäcke gefunden, eine Großfahndung , an der sich neben einem Polizeihubschrauber, 25 Schneemobilen und Spürhunden auch viele Menschen aus der 1700-Einwohner-Gemeinde Sirdal beteiligten, wurde sofort eingeleitet. Zwei weitere Leichen sind inzwischen gefunden, aber noch nicht einwandfrei identifiziert, teilte die deutsche Botschaft in Oslo mit. Eriksen hat aber keine Hoffnung, den Vermissten noch lebend zu finden. Die Polizei vermutet ihn unter den etwa zwei Meter hohen Schneeverwehungen.
Die Mitarbeiter von Ibotec, einem Hersteller von Industrieböden in Frankenberg, für den der Vater arbeitete, reagierten geschockt. Die ganze Familie sei Mitglied im Norwegischen Alpenwanderverein und bereits auf ihrer vierten Wintersportreise gewesen, sie hätten sogar Norwegisch gelernt.