Vorerst gebannt ist laut Rathaus die Gefahr im Umfeld des Gebäudes an der Limbacher Straße12, an dem zunächst eine Notsicherung nötig war. Die Stadtverwaltung könne jedoch angesichts des Zustandes nicht einschätzen, wie lange das Gebäude sicher sein wird: "Das Dach ist noch offen, der Hausschwamm nicht beseitigt." Der Eigentümer wolle weitere Bauarbeiten verrichten, habe Zuschüsse erhalten und sich zur Sanierung binnen fünf Jahren verpflichtet.Foto: Andreas Seidel
357 marode Häuser in Chemnitz unter Beobachtung
Im Zentrum, in Schloßchemnitz, auf dem Kaß- und Sonnenberg besteht der größte Handlungsbedarf für Sicherungsarbeiten
Chemnitz. Auch in diesem Jahr stehen im städtischen Haushalt rund 300.000 Euro für die Vorfinanzierung von Sicherungs- oder Abrissarbeiten an Häusern zur Verfügung, von denen nach Einschätzung der Verwaltung Gefahr ausgeht. In vielen Fällen bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen, weil Eigentümer nicht erreichbar oder nicht in der Lage sind, die Kosten zu begleichen. Der Umgang mit maroden Gebäuden soll künftig nach einer Prioritätenliste geregelt werden, die die Bauverwaltung derzeit aufstellen lässt. Grundlage ist eine erstmals vorliegende Objektliste, die eine neue Projektgruppe des Rathauses jetzt erarbeitet hat.
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hatte die Arbeitsgruppe nach wachsender öffentlicher Kritik wegen der vielen verfallenden Gebäude im Dezember gründen lassen. Ihre Aufgabe ist, früher Daten über marode Häuser zu sammeln und sich mit Eigentümern in Verbindung setzen. Drei Ämter - Baugenehmigungsamt mit Denkmalschutz, Kassen- und Steueramt sowie Gebäudemanagement - haben nun erstmals eine Liste mit "kritischen Gebäuden" aufgestellt. Danach sind 357 bauliche Anlagen, darunter 104 Denkmale, in einem mehr oder weniger stark sanierungsbedürftigen Zustand, sodass sie voraussichtlich zu einer Gefahr führen können, wenn der Eigentümer nicht rechtzeitig handelt.
Die hohe Anzahl an leer stehenden Gebäuden erfordere eine Entscheidung, in welchen Bereichen die Verwaltung möglichst frühzeitig aktiv wird, um Bausubstanz zu retten, erklärt Bauordnungsamtsleiterin Sabine Strobel. Besonders wichtig für das Stadtbild und die Lebensqualität sind nach Einschätzung der Stadtverwaltung das erweiterte Stadtzentrum sowie Schloßchemnitz, Kaßberg und Sonnenberg, wo eine Reihe von Gebäuden als marode gilt. Handlungsbedarf bestünde zudem an Hauptmagistralen der Stadt. Ziel sei, so formuliert es Strobel, durch rechtzeitiges Gegensteuern gegen den Verfall den Stadteingang attraktiv und verkehrssicher zu halten. Dabei gehe es insbesondere um Limbacher, Zwickauer und Frankenberger Straße.
Die meisten der gefährdeten Gebäude stehen nach Angaben der Stadtverwaltung seit längerer Zeit leer. "Sichert der Eigentümer dann nicht beispielsweise das Dach oder Fallrohre, so kommt es häufig zu Feuchteschäden, die die Standsicherheit des Gebäudes gefährden", so Strobel.
Als eines der größten Sorgenkinder nennt sie die Häuser am Zöllnerplatz 20 und 21 - Gebäude, deren Zustand auch Matthias Schwander aus Gablenz ärgert. Der "Freie Presse"-Leser fährt täglich auf seinem Arbeitsweg an den beiden einsturzgefährdeten Häusern am Zöllnerplatz vorbei.
Mitarbeiter des Baugenehmigungsamtes kontrollieren nach Angaben aus dem Rathaus dort zwar regelmäßig, um gegebenenfalls sofort erforderliche Sicherungsmaßnahmen einzuleiten. Doch der Eigentümer sei nicht in der Lage, die Gebäude selbst zu sichern, sodass es zunächst weiter bei der Absperrung bleiben müsse. Die Stadt hoffe, dass per Zwangsversteigerung ein neuer Eigentümer gefunden wird, der sich des desolaten Objektes annimmt, es sichert und wieder einer Nutzung zuführt. Ein Versteigerungstermin sei vom Amtsgericht allerdings noch nicht anberaumt worden.
Vorerst gebannt sei hingegen die Gefahr im Umfeld des Gebäudes an der Limbacher Straße12, nachdem eine Notsicherung durchgeführt sei.
08:24 Uhr
klapp: Auch an diesem Beispiel zeigt sich wieder sehr gut, wie ignorant und inkompetent der Stadtplanungsapparat in Chemnitz ist.
20:57 Uhr
derBuerger: Leider geht gerade die Stadt bzw die Tochter GGG mit Ihren Immobilien auch kaum besser um, obwohl es unser aller Eigentum ist. Wenn man sich dann die Objekte , welche bei bei der SGA für kleine Summen versteigert werden ansieht, (siehe letzes Beispiel Vlla in der Gellertstrasse) muss man sgen, dass hier in den Letzten 10 Jahren durch Nachlässigkeit, Desinteresse oder Kompetenzlosigkeit Millionenwerte verfaulen und dann verschleudert werden. Bei dem Objekt in der Gellertstrasse war die Durchfeuchtung soweit vortgeschritten, dass die Balken über 2 Etagen angegriffen sind. Bei einem Verkauf werden Grundstückspreise zugrundegelegt, die absolut nichts mit dem Markt zu tun haben. Nur um die Billanzen der GGG zu frisieren werden hier Bodenrichtwerte angesetzt, die den doppelten bis dreifachen des tatsächlich erzielbaren Wertes darstellen. Ich will mal wissen mit welchen Manipulationen diese Bodenrichtwerte erstellt werden um den richtigen Wert auszuweisen. Da die GGG nicht saniert und niemend/kaum jemand für diesen Preis die Objekte kauft, wird gewartet, bis das Dach längere Zeit undicht ist und verramscht dann die Objekte. So wird das Vermögen der Bürger vernichtet. Die Verwaltung sollte zunächst bei den eigenen Objekten aktiv werden. Wer in der Zietenstrasse für ein Haus direkt vor der Ampel 56.000? will und sich um eine Sanierung drückt braucht nicht auf Privateigentümer mit dem Finger zeigen. Entweder sanieren oder zu Marktpreisen veräusern auch über Versteigerung, bevor die Objekte zerfallen.
15:20 Uhr
commonman: "In vielen Fällen bleibt die Stadt auf den Kosten sitzen, weil Eigentümer nicht erreichbar oder nicht in der Lage sind, die Kosten zu begleichen."
in diesen fällen ist art.14 gg incl. enteignung einschlägig.
die ängstliche verneigung der stadtverantwortlichen vor verantwortungslosen vermögenden ist absurd, wirtschaftlich und städtebaulich durch nichts zu begründen.
niemand wurde nach der wende gezwungen, seine hütte rückübertragen zu bekommen oder für symbolisches bakschisch von der treuhand abzustauben.
im falle angeblich nicht zu erreichender eigentümer reicht die fristsetzung mit veröffentlichung im amtsblatt und rathaus um sie zur übernahme ihrer verantwortung zu "motivieren" und sie auf die kosten bei nichtaktivität hinzuweisen. den rest übernehmen ordentliche gerichte.
interessant und keineswegs ungesetzlich wäre die veröffentlichung zumindest der solventen eigentümern, um die spekulation mit diesen objekten zu unterbinden.
ansonsten bleibt immer noch die in chemnitz am besten geübte praxis - baut an die stellen durch steuergelder subventionierte parkhäuser (siehe opernhaus-300 000 ? pa), die brüder leonhardt wirds freuen.
12:36 Uhr
ramon: Von der Möglichkeit der Zwangsenteignung hat die Stadt z.B. bei der Neefestr. 83 Gebrauch gemacht. Anstatt die Abrissmittel als Fördermittel zur Sicherung und Sanierung auszuzahlen, hat die Stadt den schönen Jugendstilbau abgerissen. Nun klafft ein Loch im Karree. Bin gespannt, was die Stadt mit diesem tollen Grundstück außer der Grünpflege macht.
11:54 Uhr
schnellleserin: ich finde schon auch, dass es mehr als die aktuellen Maßnahmen geben sollte.
Insbesonder die Frage des Nichtwollens oder Nichtkönnens sollte geklärt werden.
Eigentum verpflichtet - ich kenne auf dem Kaßberg auch Häuser, die leer stehen und wo sich der Eigentümer nicht kümmer - der Fußweg vor den Häusern ist im Sommer kaum noch nutzbar, weil er von der Hecle überwuchert ist und sich da außerdem der Müll sammelt. Im Winter kommen die Eigentümer ihren Räum- und Streupflichten nicht nach. Es besteht ganz klar ein Interesse der Allgemeinheit daran, dass Sicherungspflichten nachgekommen wird.