Bücherbestand Mit ein paar gebrauchten Büchern startete Matthias Mattheuer (Foto) mit seinem Freund Michael Hiergeist vor zwei Jahren einen Internethandel. Bis zum Jahresende will er in einer ehemaligen Lichtensteiner Textilfabrik einen Bestand von 500.000 Medien lagern, um sie übers Internet wieder zu verkaufen.

Foto: Andreas Kretschel

500.000 Bücher ziehen in die Elegantia

Mit gebrauchten Büchern haben junge Lichtensteiner die Industriebrache wieder zum Leben erweckt

Lichtenstein. Lichtenstein. Immer rastlos vorwärtsschreiten - das haben die Erbauer des ehemaligen Elegantia-Gebäudes künftigen Mietern vor mehr als 100 Jahren als Ratschlag mit auf den Weg gegeben. Dieses Lebensmotto trifft auch auf Matthias Mat-theuer zu, der seit einigen Monaten die in Lichtenstein bekannte Fabrik wieder mit Leben erfüllt. Zusammen mit Michel Hiergeist hat der 30-Jährige einen Handel für gebrauchte Bücher gestartet.

Doch es ist kein Antiquariat im landläufigen Sinne, sondern ein An- und Verkauf, der ausschließlich übers Internet abgewickelt wird. "Die Idee kam, als meine Frau einige Fachbücher verkaufen wollte", erklärt Mattheuer. Da es kein Angebot im Internet gab, das dem Industriekaufmann zusagte, beschloss er, dies selbst in die Hand zu nehmen. Und offenbar gab es noch mehr Bücherbesitzer, die sich von ihren Schätzen trennen wollten.

"Unsere Regale in der Habermanngasse waren ganz schnell gefüllt", sagt der 30-Jährige. Um die Geschäftsidee richtig weiter zu entwickeln, muss- te mehr Platz her, viel mehr. Optimal erschienen die Räume des ehemaligen Elegantia-Gebäudes. Lange Zeit schon hatte sich die Stadt Lichtenstein bemüht, ein Konzept für den einstigen Vorzeigebetrieb zu erarbeiten. Bis 2002 hatten die Mit- arbeiter der Elegantia, die ab 1994 als Firma Curelli Strickmoden betrieben wurde, um ihre Arbeitsplätze gekämpft. Doch mit dem Unfalltod des damaligen Juniorchefs An-dreas Curcu war die Insolvenz nicht mehr aufzuhalten.

Wie sehr die Lichtensteiner mit der Fabrik verbunden sind, erlebt Matthias Mattheuer oft. "Immer wieder stehen ehemalige Mitarbeiter vor der Tür, die uns zeigen, wo sie einst gearbeitet haben." Außerdem wollen sie wissen, was sich jetzt dort tut. Denn warum jetzt so viele Bücher in der Textilfabrik einziehen, ist auf den ersten Blick nicht verständlich.

Immer mehr Regale müssen in den Hallen aufgestellt werden, die mittlerweile an eine große Bibliothek erinnern. Rund 2000 der 8000 Quadratmeter sind bereits gefüllt. "Bis zum Jahresende wollen wir einen Bestand von 500.000 Medien haben", erklärt Mattheuer das ehrgeizige Ziel. So sollen die Käufer eine möglichst große Auswahl haben, deshalb kauft er nicht nur Bücher, sondern auch CDs, DVDs, Video-Spiele und sogar Schallplatten an.

Die Besonderheit seines Internetangebotes besteht im Ankauf. So brauchen Interessenten auf der Seite "blidad.de" lediglich die ISBN-Nummer angeben, um nachzuschauen, wie viel das Buch noch wert ist. Wer mit dem vorgeschlagenen Preis einverstanden ist, druckt sich das Etikett aus und lässt es von einem Paketdienst abholen. "Rund 2500 Medien erreichen so jeden Tag unser Lager", erklärt Matthias Mattheuer.

Damit alles reibungslos funktioniert, arbeiten inzwischen zwölf Mitarbeiter mit. So finden durch diese Geschäftsidee nicht nur Bücher wieder neue Leser, sondern auch Menschen eine Perspektive. Zudem hat nun die Elegantia-Fabrik wieder eine Nutzung gefunden. Denn schließlich hatten die Erbauer noch einen zweiten Spruch an das Eingangsportal geschrieben, der zwar aus einer Zeit ohne Internet stammt, dennoch vortrefflich für dieses Medium passt: "Nie ermüdet stille stehen."

 
erschienen am 21.02.2012 ( Von Thomas Mehlhorn )
 
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