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Voller Altmarkt: Mehr als 5000 Menschen kamen gestern in Plauen zur Kundgebung der Initiative "Wir sind Deutschland".  Voller Altmarkt: Mehr als 5000 Menschen kamen gestern in Plauen zur Kundgebung der Initiative "Wir sind Deutschland".

Foto: Ellen Liebner

Anti-Asyl-Proteste werden lauter

Das Spektrum reicht von moderat bis rechtsradikal: In Plauen bemühen sich Redner um differenzierte Kritik an der Politik, anderswo werden Ängste vor Islam und angeblicher Überfremdung geschürt.

Von Oliver Hach, Christian Mathea und Björn Josten
erschienen am 11.10.2015

Plauen. Michael Oheim erklärt die Spielregeln: "Keine Fahnen, auch keine Plakate, Flyer oder ähnliches." In seinem Redebeitrag stellt der Plauener Gastronom klar: "Wir wollen hier keinen Fremdenhass schüren." Noch deutlicher mahnt der Unternehmer Jörg Förster: "Lassen wir es nicht zu, dass sich aus unserer Angst heraus eine Wut gegen Flüchtlinge erhebt."

In Sachsen wächst der Widerstand gegen die Asylpolitik der Bundesregierung. Im Vogtland und im Erzgebirge gingen am Wochenende gleich in mehreren Orten Menschen auf die Straße. In Plauen, wo die Initiative "Wir sind Deutschland" gestern zum vierten Mal mobil macht, sind es über 5000. Und hier ist der Protest noch am ehesten von Sachlichkeit und differenzierter Kritik geprägt. Keiner ruft radikale Parolen - obwohl es in der Nacht zuvor einen Farbanschlag auf das Haus eines der Organisatoren gab. Die Initiatoren haben ein Acht-Punkte-Programm entworfen, das vom Ruf nach Volksentscheiden über ein einheitliches Schulsystem und ein Nein zum Freihandelsabkommen TTIP bis zu einer Asylrechtsreform reicht.

Kritik wird in Plauen vor allem an der Planlosigkeit der Bundesregierung laut - aber auch an den Medien, die undifferenziert berichteten. Und schließlich an der Mitverantwortlichkeit Deutschlands für die Flüchtlingskrise: "Wir als treue Bündnisvasallen liefern fleißig Waffen und verdienen mit."

Merkel in Nazi-Uniform

Anders ist die Stimmung in Schneeberg. Dort demonstrieren am Samstagabend etwa 1000 Menschen gegen die Asylpolitik und gegen eine angeblich drohende Überfremdung durch Flüchtlinge. Zu der Kundgebung auf dem Marktplatz unter dem Motto "Tradition statt Invasion" hat der Politiker Stefan Hartung von der rechtsextremen NPD aufgerufen. In seiner Ansprache ruft er zum "Volksaufstand" gegen die Regierung und gegen die weitere Aufnahme von Flüchtlingen auf. Pegida, AfD und NPD müssten sich gegen "korrupte, antideutsche Marionetten" in der politischen Führung in Bund und Land verbünden.

Auf der Kundgebung, auf der auch der ehemalige Bundes-Vize der Republikaner, Björn Clemens, auftritt, wird ein Plakat mit Angela Merkel in Nazi-Uniform und durch Eurozeichen verfremdeter Hakenkreuz-Armbinde gezeigt. Teilnehmer rufen "Merkel muss weg", "Wir sind das Volk" und "Abschieben!". Nach der Kundgebung setzt sich ein von starken Polizeikräften begleiteter Demonstrationszug durch die Innenstadt in Bewegung. Nach Polizeiangaben gibt es keine Zwischenfälle, Gegendemonstrationen waren nicht angemeldet.
Bereits vor zwei Jahren hatte Schneeberg mit "Lichtelläufen" gegen das Flüchtlingsheim in der ehemaligen Jägerkaserne für Schlagzeilen gesorgt. Der NPD-Politiker Hartung, der die Kundgebungen und Demonstrationen schon damals angemeldet hatte, kündigt am Samstag eine weitere Protestaktion in zwei Wochen in Aue an.

"Die Rechte" marschiert

Eher radikale Kräfte versammeln sich gestern in Limbach-Oberfrohna. Mit Russlandfahnen und schwarz-weiß-roter Reichsflagge marschieren etwa 150 Menschen durch die Stadt, darunter auch Politiker der Partei "Die Rechte". Sie skandieren Parolen wie "Frei, sozial und national" sowie "Wir marschieren - der nationale Widerstand". Etwa 100 Gegendemonstranten machen mit Musik und Reden gegen den Aufmarsch mobil, zur direkten Konfrontation kommt es nicht.

Am Abend ziehen auf Initiative der sogenannten "Freien Patrioten" nach Polizeiangaben etwa 500 Personen durch Stollberg. Sie protestieren gegen ein geplantes Asylbewerberheim im benachbarten Niederdorf. Auch in Stollberg heißt es "Merkel muss weg" und: "Der Islam gehört nicht ins Erzgebirge."

 
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Kommentare
14
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.10.2015
    11:51 Uhr

    Schinderhannes: @ "Frohnau":

    Da haben Sie aber ein komisches Hobby, was Sie so sammeln. Vor allem, dass Sie da auf dieses Forum angewiesen sind... Und auf was Sie da den ganzen Tag so warten... Na ja, wir leben in einem freien Land. Sammeln Sie was Sie wollen und warten Sie auf was Sie wollen.
    Was schert's mich...

    3 0
     
  • 13.10.2015
    09:44 Uhr

    Frohnau: Schinderhannes bringt nun mal ""Geist" in unser Forum und vor allem Ideen!
    Auch wenn sie wie Kaninchen sind.Man schafft sich ein Pärchen an,lernt mit ihnen umzugehen,und schon hat man ein ganzes Dutzend.
    Ich binn ganz spitz und warte auf mehr für meine Sammlung.

    Glück auf !

    3 0
     
  • 12.10.2015
    21:54 Uhr

    Schinderhannes: Da habe ich noch einen ins (vom)dorf:

    „Das größte Elend hienieden ist nicht das soziale, sondern die Verkümmerung so mancher Menschenseele.“ (Jakob Bosshart)

    2 1
     
  • 12.10.2015
    19:42 Uhr

    vomdorf: @ Schinderhannes....sie mögen sprüche? ich hab auch einen:

    Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

    2 2
     
  • 12.10.2015
    19:37 Uhr

    PeKa: @Schinderhannes, Frohnau liebt es, bekannte Aussprüche für seine eigenen Zwecke umzudeuten.

    3 3
     

 
 
 
 
 
 
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