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Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Atommüll-Endlager in Sachsen wird immer unwahrscheinlicher

Es geht um eine Lösung für die gefährlichsten Abfälle für eine Million Jahre. Die Standortsuche soll nun 2017 beginnen. Die Anforderungen sind hoch.

Von Uwe Kuhr
erschienen am 09.02.2016

Dresden. Obwohl noch keine Entscheidung über einen Standort für das Atommüllendlager in Deutschland gefallen ist, gilt es inzwischen als unwahrscheinlich, dass in Sachsen die hochradioaktiven Abfälle aus Kernkraftwerken eingelagert werden. Diesen Schluss lassen Ergebnisse wissenschaftlicher Voruntersuchungen sowie Äußerungen aus der sogenannten Endlagerkommission zu. Das vom Bundestag eingesetzte Gremium erarbeitet derzeit seine Abschlussempfehlungen. Sie dienen ab 2017 als Kriterien für die Standortsuche.

Noch 2015 hatte Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) für Aufregung gesorgt, als er Sachsen als mögliches Land für das Endlager ins Gespräch brachte. Milbradt ist Mitglied der Endlagerkommission. Inzwischen sind wichtige Untersuchungen abgeschlossen. Demnach erweisen sich Sachsen und dort vor allem das Erzgebirge aus geologischer Sicht als nahezu ungeeignet.

Grund sind die enormen Anforderungen an den Standort: In ihm sollen die Behälter für mehrere Tausend Tonnen gefährlichen Atommülls eine Million Jahre sicher verwahrt sein. An den Forschungen über die geeignetsten geologischen Bedingungen waren auch sächsische Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HDZR) beteiligt. Dazu gehörten Messungen an verschiedenen Gesteinen in einem Teilchenbeschleuniger im französischen Grenoble. Dort erwiesen sich Ton-Gesteine und Salzstöcke als am günstigsten, weil sie die Giftstoffe wasserdicht abschirmen könnten. Diese Eigenschaft fehlt zumeist Granit, so auch in Sachsen. "Erschwerend kommen die vielen kleinen Erdbeben im und ums Erzgebirge hinzu", sagt der Physiker Gerd Lippold, Experte von Sachsens Grünen. Das alles ergebe "keine Ewigkeitsgarantie".

Finnland errichtet ab 2017 sein Endlager in Granit. "In Skandinavien gibt es nichts Besseres", so Lippold. Wegen der Wasserführung des Gesteins müssen die Behälter zum Schutz vor Korrosion noch dick mit Kupfer ummantelt werden. Frankreich und die Schweiz haben sich auf Ton festgelegt.

In Deutschland soll der Standort bis 2030 entschieden sein, bis 2050 soll der Bau stehen. Kommissionsmitglied Wolfram Kudla, Professor an der TU Bergakademie Freiberg, präferierte gestern Salzstöcke. Hier gebe es Lagerstätten, die seit Dutzenden Millionen Jahren trocken seien. Auch HZDR-Institutsleiter Thorsten Stumpf stützt diese Lösung. "Das hält mindestens eine weitere Million Jahre", sagt er.

Harte Nuss zum Knacken

Eine Streitfrage beschäftigt die Experten: Was wird am Ende mit dem künftigen Endlager? Drei Antworten werden erörtert: 1. Den hochradioaktiven Atommüll sicher einlagern und auf ewig fest verschließen. 2. Die Stoffe so einlagern, dass sie bei Bedarf als "Rohstoffe" bergmännisch zu fördern wären. 3. Die Anlage bleibt nach der Einlagerung noch einige Jahrhunderte offen, um den Atommüll bei Bedarf bergen zu können.

Die Endlagerkommission des Bundestages tendiert offenbar zu Variante 3. Anlass seien Erfahrungen mit dem maroden Atomlager Asse, hieß es gestern. Erwogen werde ein Zeitraum bis zu 400 Jahren.

Diese Ideen sind seit langem umstritten. Niemand könne heute über einen solch langen Zeitraum die Sicherheit und den Schutz vor Missbrauch garantieren. (uk)

 
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Kommentare
1
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 09.02.2016
    15:52 Uhr

    Interessierte: Das ist eine sehr gute Entscheidung , dass doch jeder seinen eigenen Müll auf dem eigenen Land entsorgt ...

    Und ein Herr Milbradt könnte das somit in seinem Sauerland für 1 Million Jahre vergraben ...

    oder in München könnte der Herrn Wolfram Kudla, katholisch und drei Kinder - das auch präferieren ...

    oder in Frankfurt /Heidelberg /Karlsruhe beim Heim vom Herrn Dr. Thorsten Stumpf , dort geht das sicherlich auch ...

    http://oiger.de/2013/12/02/neuer-institutschef-in-rossendorf-will-deutsches-zentrum-fuer-reaktorabfall-endlager-schmieden/26056
    ...

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