Der Einsatz von Nacktscannern auf deutschen Flughäfen ist nach dem vereitelten Terroranschlag von Detroit mittelfristig wahrscheinlicher geworden, aus der schwarz-gelben Koalition gibt es bereits entsprechende Signale.

Foto: Paul Ellis

Attentäter durchleuchten - ohne Passagiere bloß zu stellen

Einsatz von Körperscannern wird wahrscheinlicher

Das Wort Nacktscanner ist für die Bundespolizei ein Tabuwort - die Sicherheitsbehörde spricht weniger verfänglich vom Körperscanner. In der Forschungsabteilung der Bundespolizei stehen gleich mehrere solcher Geräte. Deren Einsatz auf deutschen Flughäfen ist nach dem vereitelten Terroranschlag von Detroit mittelfristig wahrscheinlicher geworden, aus der schwarz-gelben Koalition gibt es bereits entsprechende Signale. Anders als noch vor gut einem Jahr befürchtet, sollen die nun im Test befindlichen Geräte potenzielle Attentäter durchleuchten können, ohne zugleich die Intimsphäre aller Passagiere bloß zu stellen.

In einigen Ländern wie den USA, der Schweiz oder den Niederlanden gibt es an Flughäfen bereits Praxistests mit Körperscannern. Auch am Flughafen Schiphol in Amsterdam, von wo aus der verhinderte Attentäter nach Detroit gestartet war, sind solche Geräte im Einsatz. Passagiere können dort aber frei entscheiden, ob sie sich herkömmlich abtasten oder von dem Gerät durchleuchten lassen wollen - der 23-jährige Nigerianer wählte die herkömmliche Kontrolle.

Rein technisch versuchen die Körperscanner mit verschiedenen Methoden, womöglich unter der Kleidung versteckte Gegenstände oder Sprengstoff-Substanzen zu entdecken. Ohne Berührung durch Sicherheitspersonal wird der Passagier durchleuchtet. Wieviel dabei vom Körper sichtbar wird, hängt vom Gerät ab.

Nach Angaben einer Sprecherin der Bundespolizei ist die Forschungsabteilung der Behörde inzwischen so weit, dass die vom Grundgesetz garantierten Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben, gleichzeitig aber dennoch die Kontrollen verbessert werden können.

Bei den derzeit getesteten Geräten seien die Bilder soweit unscharf, dass nur noch die Silhouetten der Passagiere zu sehen seien. Die Kontrolleure könnten von den auf ihren Monitoren erscheinenden Bildern her nicht mehr unterscheiden, ob es sich um einen Mann oder eine Frau im Scanner handle - nur die Metallstäbchen im BH würden entdeckt und auf das Geschlecht deuten. Eine sichtbare Nacktheit gebe es aber nicht. Auch Prothesen oder etwa künstliche Darmausgänge seien bei den aktuell getesteten Geräten nicht mehr erkennbar - dennoch würden aber am Körper befestigte verbotene Gegenstände sichtbar.

Bis zu einer möglichen Einführung solcher Geräte auch in Deutschland ist es allerdings noch ein weiter Weg. Zunächst müsste die Entscheidung für die Einführung der Scanner fallen. Außerdem soll es EU-weit einen einheitlichen Standard geben, was ebenso Zeit benötigt wie eine Ausschreibung und anschließend die mögliche Vergabe eines Auftrags zur Ausstattung der Flughäfen.

 
erschienen am 30.12.2009
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