Zu einem Warnstreik haben sich am Mittwoch einige der 60 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter vor der Paracelsusklinik in Zwickau versammelt. Obwohl er in der Mittagspause abgehalten wurde, war er laut Gewerkschaftssekretärin Simone Bovensiepen (rechts im Bild) offiziell als Warnstreik deklariert worden, um Teilnehmer im Fall des Überziehens ihrer Mittagspause vor arbeitsrechtlichen Folgen zu schützen.
Foto: Marcus Richter
Beschäftigte der Paracelsusklinik Zwickau treten in kurzen Warnstreik
Mittagspause diente dem Arbeitskampf-Training
Zwickau. Wer während eines mehrtägigen Klinikaufenthalts mitbekommt, wie sehr das Krankenhauspersonal unter Dampf steht, der wird das wohl schnell vergessen, wenn ihn der Alltag wieder hat. Bei Marina Mischke sieht die Sache anders aus. Das Krankenhaus aus Patientenperspektive ist für sie zum Alltag geworden. Seit dem 4. April 2011 liegt die Krebspatientin auf der Station Innere Medizin II der Paracelsusklinik Zwickau. Sie beobachtet das, was sich am Mittwochmittag vorm Eingang der Klinik abspielt, mit einer Mischung aus Wohlwollen und Anteilnahme: "Es ist schade, dass die Mitarbeiter hier nicht so bezahlt werden, wie sie es verdient hätten", sagt die 54-Jährige. "Sie tun sehr viel für uns Patienten. Sie sind freundlich, geben sich Mühe. Aber sie werden verheizt", so die langjährige Nachtschichtdienstlerin bei der Post, die als ehrenamtliche Helferin in einem Pflegeheim auch die andere Seite kennen gelernt hat.
Selbst in der Pause klingelt es
Verheizt - ein hartes Wort, das an diesem Mittag des - im Interesse der Patienten - in die Mittagspause verlegten Warnstreiks nicht mal die anwesenden Beschäftigten selbst in den Mund nehmen. Obwohl ihre Schilderungen des Klinikalltags nicht den Eindruck aufkommen lassen, als könnten sie diesen in Ruhe erledigen und dabei vielleicht noch Zeit für das eine oder andere freundliche Wort an die Patienten finden.
Insofern hat es Marina Mischke offenbar sogar noch gut getroffen. "Die psychische Betreuung der Patienten bleibt bei uns völlig auf der Strecke", sagt etwa Chirurgie-Krankenschwester Monika Jeschonneck, die ihren Beruf seit 40 Jahren ausübt. Schon für eine reguläre, ungestörte Pause während der Schicht von 5.30 bis 14 Uhr sei normal keine Zeit - und nehme man sie sich doch, läute auch dann schon mal in 23 Minuten sechsmal die Patienten-Rufklingel.
Lohn seit 2009 festbetoniert
Da, so Simone Bovensiepen von der Gewerkschaft Verdi, fördere das Verhalten der Arbeitgeber in der aktuellen Tarifrunde nicht gerade die Motivation. Die letzte Tarifsteigerung hätten die Mitarbeiter der Paracelsuskliniken im April 2009 erhalten, und obwohl der Tarifvertrag Ende 2010 gekündigt wurde, liefen erst jetzt Tarifverhandlungen. Verdi fordert im dritten Jahr ohne Steigerung der Gehälter 125 Euro im Monat mehr für alle. Das entspräche je nach Entgeltgruppe einem Plus von 9 bis 3,3 Prozent.
Nach zwei Verhandlungsrunden hätten die Arbeitgeber erst 1,1 Prozent mehr angeboten. Und das bei stetig wachsendem Arbeitsanfall. Die Zahl an Überstunden, die die Klinikmitarbeiter vor sich herschieben, bewege sich im vierstelligen Bereich - nicht zuletzt auch, weil von 2010 auf 2011 sieben von rund 130 Vollzeit-Pflegestellen nach Weggang der Beschäftigten nicht neu besetzt worden seien. Hoher Krankenstand tue ein Übriges.
Direkten Einfluss auf die Tarifgespräche hat die Klinikleitung nicht - für die sitzt die Paracelsus-Konzernleitung am Montag und Dienstag kommender Woche in Berlin am Verhandlungstisch. Trotzdem ist ein Zwickauer dabei: Betriebsratsvorsitzender Manfred Steinchen ist Mitglied sowohl der Tarif- als auch der Verhandlungskommission.