Wie nahe dem Schillerplatz versuchten Fußgänger am Donnerstag überall in Chemnitz, aufrecht voranzukommen. Das gelang nicht jedem. Im Klinikum wurden drei- bis viermal so viele Notfallpatienten eingeliefert wie sonst. Die häufigsten Diagnosen waren Brüche und Prellungen. Foto: Andreas Truxa
Blitzeis bringt Chemnitz ins Rutschen
Zahlreiche Unfälle auf spiegelglatten Fahrbahnen
Chemnitz, Winter, Schnee, Blitzeis, Glatteis, . Chemnitz. Eisregen und Blitzeis haben die Fußwege und Fahrbahnen im gesamten Stadtgebiet am Donnerstag in spiegelglatte Pisten verwandelt. Die Polizei meldete erhebliche Störungen im Straßenverkehr, nachdem zahlreiche Strecken mit einer dicken Eisschicht überzogen waren. Am Vormittag war feiner Regen wegen der niedrigen Außentemperaturen in Sekundenschnelle gefroren.
Allein in der Zeit bis 14 Uhr registrierte die Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge insgesamt 163 Verkehrsunfälle in ihrem Einzugsgebiet, zu dem Chemnitz, das Erzgebirge, Mittel- und Westsachsen gehören. Meist gingen die Kollisionen glimpflich aus. Bei sechs Unfällen wurden Menschen verletzt.
Das Stadtgebiet Chemnitz war nach Polizeiangaben am schlimmsten betroffen. Dort krachte es am Vormittag 56 Mal. Gegen Mittag beruhigte sich die Situation merklich: Lediglich ein Unfall wurde zwischen 14 und 17 Uhr aufgenommen. "In Chemnitz blieb es bei Blechschäden, uns liegen keine Informationen über Verletzte vor", sagte eine Polizeisprecherin am Abend.
Eine Ausnahmesituation meldete auch die Chemnitzer Verkehrs-AG. "Um 7 Uhr trat ein, wovor jeder Verkehrsmeister Angst hat: flächendeckendes Blitzeis innerhalb einer Viertelstunde in der gesamten Stadt", berichtete ein Unternehmenssprecher. "Die Witterungsunbilden haben dazu geführt, dass der Verkehr vor allem zur Zeit des Berufsverkehrs massivst beeinträchtigt war. Teilweise bewegte sich nichts mehr." Bei derartigen Wetterbedingungen müssen die Bus- und Bahnfahrer nach Unternehmensangaben selbstständig entscheiden, ob sie es noch verantworten können, mit dem Fahrzeug weiter zu fahren. "Vielfach haben unsere Fahrer entschieden, abzuwarten und stehen zu bleiben", sagte der Sprecher.
Besonders betroffen war die Buslinie 51 (Reichenhain-Zeisigwald). Dort ging bis etwa 9 Uhr vor allem an der Reichenhainer sowie an der Gornauer Straße nichts mehr, alle Räder standen still. Für den Kreisverkehr an der Erfenschlager Straße meldete der Sprecher auch den einzigen Unfall des Tages mit einem Fahrzeug der CVAG. Darin verwickelt gewesen waren ein Bus der Linie 51 und ein Auto. Personenschaden gab es dabei nicht. Einen weiteren Unfall mit einem Bus musste die Polizei auf der Georgstraße aufnehmen. Dort geriet das Fahrzeug eines privaten Busunternehmens außer Kontrolle und kollidierte mit einer Straßenlaterne. Der Mast kippte um.
Auf der Georgstraße rutschte ein Reisebus in eine Straßenlaterne. Der Mast kippte um.
Foto: Andreas Truxa
Probleme an den Haltestellen
An den Haltestellen warteten derweil die Fahrgäste und versuchten, sich auf den Beinen zu halten, weil es so glatt war. "Unser Taumittel wirkt an den Haltestellen langsamer als auf dicht befahrenen Straßen", erklärte der CVAG-Unternehmenssprecher.
Hingegen herrschte beim ASR normaler Winterdienstbetrieb, wie Geschäftsführer Gerold Münster sagte. "Wir hatten unsere Mitarbeiter bereits seit Mittwochabend in Bereitschaft. Als der Regen in der Nacht einsetzte, haben wir vorbeugend Salz gestreut." Im Hauptstraßennetz sei es zu keinen Behinderungen gekommen. "Auf Gehwegen und Nebenstraßen, wo unsere Fahrzeuge noch nicht durch waren, kam es zu Überfrierungen", so Münster. Trotzdem verlief die Abfallentsorgung am Donnerstag planmäßig, betonte er.
Alles andere als planmäßig verlief der Tag in der Rettungsstelle des Chemnitzer Klinikums. Nach den Worten eines Sprechers registrierte das Krankenhaus die drei- bis vierfache Anzahl von Notfallpatienten. Bei den meisten Patienten mussten Brüche, Verstauchungen und Prellungen behandelt werden.