Böttger versus Tschirnhaus

In Dresden trafen zwei Forscher aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Johann Friedrich Böttger, 1682 in Schleiz geboren, begann 1696 eine Apothekerlehre in Berlin. Während der Ausbildung keimte Interesse für die Alchimie, das Streben, unedle in edle Metalle zu wandeln. Bei einer Vorführung wandelte Böttger angeblich silberne in goldene Münzen um, was durch einen Trick zu erklären sein dürfte, doch verbreitete sich die Kunde schnell. Verschiedene Fürsten versuchten sich Böttgers zu bemächtigen. August dem Starken von Sachsen gelang das. 1704 beauftragte man Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und Gottfried Pabst von Ohain, Böttgers Goldmacherei zu überwachen. Mangels Erfolg band Tschirnhaus Böttger ab 1707 in die Porzellanforschung ein, die Böttger nach Tschirnhaus Tod 1708 anhand von dessen Aufzeichnungen zur Perfektion führte. Anders als Tschirnhaus erlebte Böttger 1710 die Gründung der Porzellanmanufaktur. Er starb 1719 in Dresden an Folgen seiner Experimente mit giftigen Substanzen.

Ehrenfried Walther von Tschirnhaus wurde 1651 in Kieslingswalde bei Görlitz als siebtes Kind einer Adelsfamilie geboren. Er studierte in den Niederlanden und widmete sich Mathematik und Naturwissenschaften. Er traf Newton, Leibniz und Spinoza. In Paris beobachtete er die Anwendung eines Brennspiegels von François Villette, wurde Zeuge von Schmelzversuchen mit Tonerden. Er entwickelte eigene Brennspiegel und -linsen, mit denen man Temperaturen jenseits der 1400 Grad erreichte. Er unternahm Studienreisen nach Italien, Frankreich, in die Niederlande, wo er keramische Manufakturen besuchte. Gegenüber Leibniz erwähnte er 1694, er habe Porzellan-Proben gebrannt. Die Forschung behielt er bis zum Tod bei. 1707 gelang es ihm mit Böttger, Jaspisporzellan, eine Vorstufe des Porzellans, zu fertigen. Im Folgejahr ist die erste Porzellanherstellung belegt. Im Oktober 1708 erkrankte Tschirnhaus an der roten Ruhr und starb. (eu)

 
erschienen am 17.02.2010
 
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