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Boomende Großstädte: Sachsen verliert kaum noch Einwohner

Die Schere zwischen Stadt und Land geht jedoch auseinander. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag fordert Maßnahmen gegen die Landflucht.

Von Oliver Hach
erschienen am 29.08.2014

Kamenz/Chemnitz. Sachsen hat im vergangenen Jahr so wenige Einwohner verloren wie noch nie seit der Wende. Wie aus den in dieser Woche veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamtes in Kamenz hervorgeht, lebten Ende 2013 im Freistaat 4.046.385 Menschen. Das sind 3819 oder 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der schon 2012 stark abgeschwächte Bevölkerungsrückgang nochmals verringert. Bis dahin hatte der Freistaat stets im fünfstelligen Bereich Einwohner verloren.

Gestützt wird die demografische Entwicklung vor allem durch die boomenden Großstädte. So legte Leipzig binnen Jahresfrist um 10.724 Einwohner zu. In Dresden wuchs die Bevölkerung um 5649 Personen, in Chemnitz um 812. In den Landkreisen hielt der Abwärtstrend hingegen an. Einzige Ausnahme: der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Er wuchs geringfügig um zwölf Einwohner.

In den Landkreisen in Südwestsachsen nahm der Bevölkerungsrückgang im Vergleich zu 2012 sogar wieder geringfügig zu. Lediglich Mittelsachsen verzeichnete dank der wieder wachsenden Stadt Freiberg unterm Strich ein historisches Tief beim Einwohnerschwund.

Experten prognostizieren bis zum Jahr 2030 weiter stark steigende Einwohnerzahlen in den Großstädten - mit erheblichen Folgen für Wohnungsmarkt und Infrastruktur. Nikola Sander vom Vienna Institute of Demography hat die Binnenwanderung der Deutschen analysiert. Sie sagt: Da in Deutschland mittlerweile fast so viele junge Menschen studieren wie eine duale Ausbildung beginnen, entwickelten sich vor allem Universitätsstädte zu Magneten. Auch die Chancen auf gute Jobs seien dort besser.

Falk Gruber, Sprecher des Sächsischen Städte- und Gemeindetags (SSG), bestätigt: "Die Schere zwischen Großstädten und ländlichem Raum geht immer weiter auseinander." Der SSG verlangt vom künftigen Sächsischen Landtag, dass die Standortsicherung für Dorfschulen im Schulgesetz verankert wird. Um die Landflucht zu bremsen, brauche man zudem angemessene Leistungen der Daseinsfürsorge, einschließlich des Personennahverkehrs.

 
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