Mit Stadtplanern hat die Stadt die Vision einer urbanen Achse zwischen Innenstadt und Brühl entwickelt. Im Mittelpunkt des Konzeptes des Architekturbüros Speer steht das Projekt eines zweiten Campus der TU in der Aktienspinnerei (oben links).
Foto: Freie Presse/Stadt Chemnitz/Albert Speer & Partner Architekten (Grafik)
Chemnitz: 100 Millionen Euro für Stadtumbau
Gesicht der Innenstadt soll sich im kommenden Jahrzehnt verändern - Finanzminister sagt Geld zu
Chemnitz. Mit dem Umbau der Alten Aktienspinnerei an der Straße der Nationen zur Zentralbibliothek der Technischen Universität (TU) wollen Stadt und Freistaat den Stein ins Rollen bringen: Beim Stadtumbau in Chemnitz geht es nicht nur darum, die Umgestaltung der Innenstadt voranzutreiben, sondern auch um die Beseitigung städtebaulicher Missstände. Das machte Sachsens Finanzminister Georg Unland bei einer öffentlichen Diskussion auf Einladung des CDU-Kreisverbandes am Montagabend deutlich.
Vor rund 100 Vertretern aus Politik und Wirtschaft sicherte Unland die Unterstützung durch den Freistaat zu: In den nächsten zehn bis zwölf Jahren sollen 100Millionen Euro Landesgeld in den Chemnitzer Stadtumbau fließen. Dabei skizzierte der CDU-Politiker Visionen rund um die geplante urbane Achse zwischen Innenstadt und zweitem TU-Campus am Brühl:
Planung für zweiten TU-Campus beginnt 2012: Herzstück der erweiterten Innenstadt soll die neue Zentralbibliothek der TU in der Alten Aktienspinnerei werden. Laut Unland ist das Projekt finanziell abgesichert: "Wir haben es bereits abgehakt." Bauliche und statische Untersuchungen seien abgeschlossen, 2012 werde die Planung beginnen, etwa ein Jahr später der Bau. Immobilien für die Umsiedlung von geistes- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten würden nahe dem neuen Campus gesucht. Ziel sei, die "etwas unglückliche bauliche Entwicklung der TU", die Zergliederung in vier Standorte, geradezurücken.
Freistaat unterstützt Studentenwohnen am Brühl: Für das Vorhaben des Studentenwerkes Chemnitz-Zwickau, neue Unterkünfte für Studenten zu schaffen, solle es Landesmittel geben. Aber nicht an der Reichenhainer Straße, wie vom Studentenwerk vorgeschlagen, sondern am Brühl. "Hier kann sich ein Studentenviertel entwickeln." Unland erhofft sich davon die dringend benötigte Initialzündung für den Brühl. Denn während die City pulsiert und die größten Probleme überwunden scheinen, fehlten bislang Impulse am Brühl: "Wenn man nichts unternimmt, besteht die Gefahr, dass der Bereich City-Ost implodiert", warnte der Minister.
Mehr Platz für Landesbehörden in der Innenstadt: Von der angestrebten Zentralisierung von Landesbehörden in der Innenstadt soll Chemnitz profitieren. Das Haus der ehemaligen SED-Bezirksleitung an der Brückenstraße will der Freistaat für seine Behörden umbauen. Bis zu 4000 Landesbedienstete sollen in dem Gebäude arbeiten. Unland machte auf den städteplanerischen Aspekt der Neugestaltung aufmerksam: Trenne das Gebäude derzeit die belebte West-City vom Osten, so könnte ein aufgebrochener Bau Verbindung schaffen. Doch noch ehe die Feinplanung 2012 beginne, steht laut Unland fest, dass der Platz für alle Landesbehörden nicht reicht: "Es kommen höchstens zwei Einrichtungen unter: Landesdirektion, Steueramt oder Justizzentrum." Über die angelaufene Suche nach weiteren Immobilien verriet der Minister indes keine Einzelheiten.
Neue Mensa rückt näher an die Innenstadt: Studenten des Innenstadt-Campus, aber auch Tausende Landesbedienstete sollen künftig eine neue Mensa gemeinsam nutzen. Entgegen den ursprünglichen Plänen, die die Stadt mit dem Architektenbüro Speer entwickelt hat, rückt der Neubau in Unlands Überlegungen weg von der Aktienspinnerei, näher an die Innenstadt heran.
Busbahnhof macht Platz für Park: Der Freistaat unterstützt die Überlegungen von Städte- und Verkehrsplanern, den alten Busbahnhof neben der Aktienspinnerei abzureißen und näher an den Hauptbahnhof mit den Einfahrten für das Schienenprojekt Chemnitzer Modell heranzurücken. "Auf der freiwerdenden Fläche könnte der Central Park von Chemnitz, die grüne Lunge der Stadt, entstehen, mit Sichtachsen zwischen den TU-Gebäuden", schlug Unland vor.
Ein Depot für das Archäologiemuseum: Nach dem Landesarchäologiemuseum soll auch der Fundus des Museums nach Chemnitz ziehen. Doch während für das Museum derzeit das Schocken umgebaut wird, fehlt für das Depot ein Standort. Die Suche danach läuft.
13:54 Uhr
kauzvonhier: Ich bin auch überrascht von den vielen neuen, frischen Ideen, die ausgerechnet auch noch vom sächsischen Finanzminister unterstützt werden. Den Gedanken vom "Central Park" find ich gut, genauso die Verlagerung des Busbahnhofs Richtung Hbf, was allerdings schon passieren hätte können, bevor man den Busbahnhof sanierte und am Hauptbahnhof den Vorplatz neu gestaltet hat. Nichts desto trotz lassen die neuen Initativen hoffen. Ebenso um die Belebung des Brühls als "Studentenviertel" - besser gehts nicht. Und auch die Öffnung des Gebäudes hinter dem Marx-Kopf ist wichtig und die Belebung des Geländes dahinter zum Brühl hin. Erfreulich zu hören, dass an der Stelle mehrere Landesbehörden unterkommen sollen und es für die Bebauung auch interessante Entwürfe gegeben hat, wobei mir ein Entwurf eines Londoner Architekturbüros am besten gefiel. Allerdings Gewann den Wettbewerb das Büro Peter Koch aus Chemnitz mit seinem einschläfernden, nicht gerade urbanem Entwurf..
Die Idee der gemeinsamen Mensa für Mitarbeiter von Uni und Behörden ist auch gut, vielleicht sollte man diese gleich für alle Bürger öffnen. Von einem Depot für das Archäologie-Museum höre ich das erste mal und bin wie gesagt überrascht über die tatenvollen Pläne für dieses bisher etwas vernachlässigte Stadtgebiet. Auf dass es so weitergeht..!
10:04 Uhr
HorrorBeetle: Genial!
Beim Lesen dieser Zeilen springt mir das Herz. Ich bin begeistert von den Ideen und vorallem von der (relativ) schnellen Umsetzung dieser Vorhaben. Binnen 10 bis 12 Jahren die Innenstadt zu verdoppeln und das mit einem Konzept, welches wirklich klappen kann, darauf hat Chemnitz gewartet.
Danke!