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Chemnitz: CVAG erwägt Preiserhöhung
Im Tarifstreit schließen die Verkehrsbetriebe höhere Ticketpreise und einen Zuschussbedarf aus der Stadtkasse nicht mehr aus
Chemnitz. Die von der Gewerkschaft geforderten Zulagen für ihre Mitarbeiter kann die CVAG nicht mehr aus eigener Kraft oder mit Unterstützung ihrer Muttergesellschaft, der Versorgungsholding VVHC, schultern. Das sagte Vorstand Jens Meiwald auf Anfrage. Die Tarifgespräche für die rund 3500 Beschäftigten kommunaler Nahverkehrsunternehmen in Sachsen waren in dieser Woche gescheitert, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi plant eine Ur- abstimmung über weitere Streiks.
CVAG-Chef Meiwald, der selbst am Verhandlungstisch saß, hat die Folgen eines Tarifabschlusses für das städtische Unternehmen durchgerechnet. Danach wäre es in der Lage, mehr zu zahlen, aber nicht in dem von der Gewerkschaft vor- geschlagenen Umfang, so der Vorstand: "Das letzte Arbeitgeberangebot würde für die CVAG Mehrkosten von 540.000 Euro bedeuten. Bereits diese Summe würde unser wirtschaftliches Ergebnis stark gefährden, wir könnten sie aber noch verschmerzen. Nicht aber die Forderungen der Gewerkschaft, insbesondere die Einführung der 38-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, die ein Gesamtvolumen für unser Unternehmen von 1,8 Millionen Euro bedeuten." Angesichts von Personalkosten über 20 Millionen Euro bei der CVAG seien höhere Kosten von nahezu einem Zehntel undenkbar, so Meiwald.
"Der finanzielle Spielraum wird enger", prognostizierte der 49-Jährige für den Fall eines Abschlusses, wie ihn die Gewerkschaft fordert. Nach einem Verhandlungsergebnis werde die Unternehmensleitung prüfen, wie die Mehrkosten auszugleichen sind. Dabei seien höhere Fahrpreise eine Option, erklärte er. Zwar sehe er dabei noch Spielraum, er warnte aber vor zu großen Erwartungen: "Irgendwann rechnet es sich für die Fahrgäste nicht mehr, mit Bus und Bahn zu fahren." Zudem sei es eine Frage der Glaubwürdigkeit, so unterstrich Meiwald, zur versprochenen Preisstabilität zu stehen, die man den Fahrgästen mit der jüngsten Preiserhöhung im August 2012 zugesichert habe.
Eine weitere Möglichkeit seien Einschränkungen im Leistungs- angebot. Gegen die weitere Ausdünnung des Nahverkehrsnetzes spricht sich der Unternehmenschef allerdings entschieden aus. "Darüber müsste der Stadtrat entscheiden. Er müsste nachdenken, wie sinnvoll unsere Leistung dann noch ist." Der Wegfall weiterer Fahrten würde den Nahverkehr, so warnt er, unattraktiver machen. "Dabei haben wir mit einem Plus von 400.000 Fahrgästen 2012 gerade einen kleinen Zuwachs erreicht und hoffen, die Negativentwicklung zu beenden."
Über einen Grundsatzbeschluss des Stadtrates würde die dritte Möglichkeit führen, die Mehrkosten auszugleichen. "Während wir jetzt noch die im Gesellschaftervertrag zugesicherten Zuschüsse von der VVHC erhalten, könnten die Räte über einen zusätzlichen Zuschuss aus der Stadtkasse entscheiden", so Meiwald. "Dann wären wir aber im Verteilungskampf mit anderen Empfängern von Zuschüssen wie Theater und Schulen."
Die CVAG arbeite zu 70 Prozent kostendeckend, die restlichen 30Prozent kommen von der VVHC. Deren Finanzkraft stehe trotz des Gewinneinbruchs beim kommunalen Energieversorger Eins nicht infrage, sagte Meiwald, der zugleich einer von zwei VVHC-Geschäftsführern ist. Auch sein Kollege Detlef Nonnen betont, auf die Finanzierung des städtischen Nahverkehrs habe der geringere Gewinn bei Eins vorerst keinen Einfluss. Das kommunale Unternehmen, dass die städtischen Anteile an Eins hält und CVAG-Eigentümer ist, habe Rück- lagen gebildet, aus denen jetzt die Gewinnreduzierung beim Energieversorger kompensiert werden kann. "Die Stadt Chemnitz wird in diesem Jahr keinen Zuschuss zur Finanzierung des Nahverkehrs leisten müssen", sagte Nonnen. Er gehe davon aus, dass dies bis 2017 so bleiben wird. Meiwald bestätigte dies, betonte aber, dass bei dieser Prognose mögliche Tariferhöhungen noch nicht berücksichtigt seien.
12:57 Uhr
mias: Ich finde die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel im Nahverkehr nicht zu teuer. Selbst wenn man, so wie ich, einen Kleinstwagen fährt, ist dies immernoch teurer als der Nahverkehr. Im übrigen ist es keine Milchmädchenrechnung, wenn man den Jahrespreis durch 365 teilt, denn ein Auto kostet auch 365 Tage im Jahr Geld, auch wenn es nicht fährt. Ich rechne bei meinem Auto mit 30 Cent pro Kilometer, damit alles- bishin zu Wartung und Pflege bezahlt ist. Das sind bei 5000 Km/Jahr, 1500 Euro. Dafür kann ich lange mit dem Nahverkehr fahren und mir sogar ab und an ein Taxi leisten (zum Einkaufen) und komme noch nicht annähernd auf 1500 Euro.
14:12 Uhr
ZwenAusZwota: @jens65, ich gehe mal von einer sozial integrierten Familie aus: abends/wochenends/vorweihnachtszeit/stadtfest/weinfest/brauclub/... in Chemnitz. Man trinkt das ein oder andere alkoholische Getränk... wer fährt nach hause und wieviele? die CVAG! man nutzt das Ticket also auch für andere Sachen, als nur zur Arbeit zu fahren. Resultat mehr als 50 Einsätze des Tickets pro Monat
23:29 Uhr
jens65: @ZwenAusZwota: Von "1,40Eur/Tag für eine Abokarte" zu sprechen ist reine Polemik. Der Großteil der Monatskarten-Nutzer fährt an maximal 20 Werktagen/Schultagen mit der CVAG. Bei 49? für die Monatskarte sind das 2,45?/Tag. Wer auch berücksichtigt, dass die angerissene Monatskarte an einigen Urlaubstagen, Feiertagen und CVAG-Streiktagen nicht genutzt wird, der kommt vielleicht realistischer auf statistisch 49?/15Tage= 3,27?/Tag. Das sind dann noch satte 53Cent Nachlaß gegenüber 2 Einzelfahrten für die treuen Ganzjahreskunden. Der Rabatt für die Monatskarte im Abo (42,10?*12 Monate) berücksichtigt auch nur Urlaub/Ferien. Einfach 42,10*12/365 zu rechnen, das ist eine Milchmädchenrechnung.
Aber viel wichtiger als diese Tagespreis-Zahlenspielerei wäre doch, dass die CVAG als kommunales Unternehmen einen Beitrag zu den postulierten Umweltzielen der Stadt leistet - falls man die ernst meint. Das wäre aber mutig, denn subventionierter Nahverkehr kostet Geld und Parkeinnahmen aus dem Individualverkehr in der Innenstadt hingegen bringen Geld.
Eine 1h-Einzonen-Einzelfahrt in Chemnitz kostet 1,90?, letzte Preiserhöhung war Mitte 2012. Ein Metroticket in Paris kostet aktuell 1,70? (im Zehnerblock sogar nur 1,20?!!!) und damit darf man im wahrlich nicht kleinen Metronetz beliebig oft umsteigen. Die Abo-Monatskarte in Hamburg kostet 38,10?, also 4 Euro weniger als in Chemnitz. Also haben wir in Chemnitz doch schon Weltniveau bei den Preisen erreicht, aber auch bei den Leistungen? Wenn das Geld nicht reicht, dann liegt's vielleicht an der Effizienz? Stichwort ruhender Fuhrpark, Stichwort neue Zentralhaltestelle für 25 Millionen Euro (der weltweit einmalige Sternenhimmel leuchtet noch zur Hälfte, die Anzeigetafeln mußten schon getauscht werden, die viel zu hohen Dächer boten noch nie wirksamen Schutz vor Regen und Schnee, sehen aber sehr schön aus...), Stichwort Kundenverlust durch das "Neue Netz" mit seinen künstlichen Umsteigezwängen durch Einführung peripherer Pendellinien statt der früheren sternförmigen Linien. Wenn die CVAG ihre aktuellen 400000 Nutzer zählt, werden dann die Fahräste jetzt doppelt gezählt, die früher auf dem Weg ins Zentrum nicht umsteigen mußten? Wie viele Fahrgäste kostet die CVAG jede Preiserhöhung, welche Einsparzwänge zieht dies nach sich und wieviele Fahrgäste kostet wiederum im Nachgang jede Servicereduzierung? Wird es nicht Zeit, diese Spirale aufzubrechen? Als Nahverkehrsnutzer sieht mich ein Großteil meiner Kollegen bereits als Exoten an, die inzwischen fast alle auf's Auto umgestiegen sind. Ich kann es nachvollziehen. Mein Arbeitsweg ist seit Einführung des Neuen Netzes durch Umsteigen und Warten auf 300% angestiegen. wird es abends mal später, dann nehm ich lieber ein Taxi, als mich mit den endlos kreisenden Nachtlinien herumzuärgern. Wenn Versorgungsauftrag ein Fremdwort ist, dann ist das halt so.
Klinge ich gefrustet? Das kann gut sein. Ich fahre seit ca 30 Jahren regelmäßig mit dem Nahverkehr dieser Stadt und glaube, dass ich wohl über kurz oder lang auf's Auto umsteigen werde.
10:10 Uhr
ZwenAusZwota: die Tickets für die CVAG sind nicht zu teuer. Im Abo kostet das Ticket gerade 1,40 Eur/Tag. Am WE kann ich noch 4 Leute darauf mitnehmen. Wenn ich das Ticket gleich für ein ganzes Jahr bestelle, bekomme ich zwei Monate kostenfrei...Wird also noch billiger. Wir haben in der Familie sogar ein Auto verkauft, weil es kostengünstiger ist, dass wir innerhalb Chemnitz' CVAG/RVE nutzen...
was sind schon 1,40 pro Tag? Ein Bier, füns Kippen, 1,4 Hamburger... der öffentliche Verkehr ist nicht zu teuer, man muss sich nur kümmern - wer das nicht, tut ist etnweder zu faul oder zu dumm und hat kein Recht, in irgend einer Weise rumzumeckern
09:12 Uhr
dreiermama: Ich hoffe die Stadt Chemnitz denkt dann auch mal daran den Fahrtkostenzuschuss für die Schülertickets zu erhöhen. (z.Zt. mtl. 12,20€, Ticket kostet mtl. 29,90 €)