Siegerentwurf Der Siegerentwurf der Chemnitzer Arbeitsgemeinschaft: Er schlägt auch einen Neubau anstelle der alten Theater-Verwaltung an den Kunstsammlungen (rechts hinten) vor.

Foto: Sven Gleisberg/Tilo Steiner

Chemnitzer Behördenzentrum soll erweitert werden

Freistaat konzentriert Gerichte, Finanzorgane und Archiv in der Stadt

Chemnitz. Fünf Gerichte, Finanzbehörden und das Staatsarchiv will der Freistaat in der Innenstadt konzentrieren. Dafür soll das Gebäude Brückenstraße 10 hinter dem Karl-Marx-Monument umgebaut sowie der Hinterhof Richtung Theaterplatz umgestaltet und neu bebaut werden, gab der Chef des zuständigen Staatsbetriebes SIB, Dieter Janosch, am Freitag bekannt. Erste Ideen zum Ausbau des Justiz- und Behördenstandorts zwischen Brückenstraße, Straße der Nationen, Käthe-Kollwitz-Straße und Mühlenstraße stellten Vertreter von Stadt und Land bei der Auswertung eines Ideenwettbewerbes vor.

Etwa die Hälfte der gut 4000 Beschäftigten von Landes-Behörden und Gerichten in Chemnitz sollen im umgestalteten Areal nahe dem Blockbau an der Brückenstraße 10 hinter dem Marx-Kopf arbeiten. In dem Gebäude selbst sind unter anderem Finanzbehörden und SIB vorgesehen.

Das Gebäude des ehemaligen Rates des Bezirkes und der SED-Bezirksparteileitung, das wegen seiner sägezahnförmig fortgeführten Bebauung auch "Säge" genannt wird, soll nach dem Siegerentwurf von seinem markanten Aussehen nichts einbüßen. Die Chemnitzer Arbeitsgemeinschaft des Architekten Peter Koch und des Büros Studio-Zwei-Architekten schlägt vielmehr vor, aus dem lang gezogenen Teil hinter dem Monument das Innenleben des Erdgeschosses zu entfernen und nur die Säulen stehen zu lassen: Der entstehende Durchgang gibt den Weg frei in den neuen Hof - jene Fläche zwischen "Säge" und Kunstsammlungen - und weiter bis Theaterplatz.

Das Tagungszentrum "Forum" soll laut den vorliegenden Ideen abgerissen werden. An seiner Stelle ist ein neues Gebäude im Gespräch. Im Siegerentwurf findet darin ein Justizzentrum mit über 22.000 Quadratmetern Nutzfläche Platz, das zweite neben dem Justizzentrum auf dem Kaßberg, wo Land- und Amtsgericht bleiben. Das Eckgebäude, das sich an der Straße der Nationen anschließt, werde abgebrochen, an seiner Stelle ist ein Neubau für das Staatsarchiv (8000 Quadratmeter Nutzfläche) avisiert. Janosch hält einen Tausch für denkbar: Das Archiv entstünde an der Mühlenstraße, das Gerichtszentrum mit seiner hohen Frequenz an der zentralen Seite zur Straße der Nationen hin.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg, so Janosch: "Mit dem ganz schnellen Baubeginn ist nicht zu rechnen." Als nächstes werde nun eine Entscheidungsgrundlage erstellt, die Aufschluss gibt über Kosten und Wirtschaftlichkeit. Frühestens im Doppelhaushalt von 2013/2014 des Landes könnte die eigentliche Planung untergebracht werden. Der SIB-Chef stellte klar, dass der Bau des Gerichtszentrums Vorrang habe vor dem Archiv: "Wir haben Mietverträge aufzulösen."

Doch auch, wenn die tatsächliche Gestaltung noch nicht feststehe, so werde es doch bei der Grundaussage bleiben: Das Staatsarchiv wechsle von Altchemnitz ebenso wie die Fachgerichte. "Sämtliche Fachgerichte sollen konzentriert werden: Landesarbeits-, Arbeits-, Landessozial-, Sozial-, Verwaltungsgericht." Baubürgermeisterin Petra Wesseler erhofft sich durch den fließenden Übergang zum Theaterplatz und zum Brühl ein attraktiveres Areal und eine weitere Belebung der City. Dies ist die Grundidee der Architekten. Peter Koch, der unter anderem das neue Klinikum-Bettenhaus entworfen hat, will einen Knotenpunkt schaffen, der Stadtstrukturen vernetzt und die Areale belebt: Die Sperre durch das Gebäude Brückenstraße10 werde geöffnet, die Innenstadt könne sich wieder ausdehnen.

Ausstellung zum Wettstreit

Alle Arbeiten werden vom 15. bis 31. März an der Brückenstraße 10 (ehemaliger Souvenirshop Hähnel) gezeigt, täglich 10 bis 18, am 15.März ab 13 Uhr; Eintritt ist frei.

 
erschienen am 12.03.2010 ( Von Grit Baldauf )
 
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