Dietmar Nichterlein

Foto: Archiv/A. Truxa

Der freiwillige Rückzug des Herrn Nichterlein

Langjähriger Geschäftsführer des Klinikums Chemnitz tritt ab

Chemnitz. Chemnitz. Am Ende war der Druck offenbar zu groß: Dietmar Nichterlein, seit 1994 Kaufmännischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums, ist am Freitagabend auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Der Aufsichtsrat teilte am Abend in einer dürren, neunzeiligen Erklärung mit, man werde nunmehr "unverzüglich alle erforderlichen Schritte einleiten, um im Interesse des Klinikums schnellstmöglich die vakante Stelle des Kaufmännischen Geschäftsführers wieder zu besetzen". Zugleich danke man Nichterlein für dessen "langjährige erfolgreiche Tätigkeit".

Der 58-Jährige galt jahrelang als der Konstrukteur des Chemnitzer Krankenhaus-Konzerns. Unter seiner Führung war das Klinikum binnen 15 Jahren nicht nur zu einem der bundesweit größten Krankenhäuser in kommunaler Trägerschaft gewachsen, sondern auch zum Mutterunternehmen eines Firmenverbunds mit 13 Ablegern und rund 4850 Mitarbeitern. Sein Ruf als erfolgreicher Manager bekam Kratzer, als Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Würzburg bekannt wurden. Die Vorwürfe, die bislang weder ausgeräumt noch bestätigt sind, wiegen schwer: Nichterlein soll Bestechungsgelder in Höhe von 10.000 Euro angenommen haben. Die Höhe der Summe ließ Skeptiker zweifeln: Riskiert der Chef eines 5000-Mitarbeiter-Konzerns seinen Job wegen eines solchen, vermeintlich geringen Betrages? Die Frage bleibt weiter unbeantwortet.

Als sich Anfang dieser Woche fast alle Chefärzte des Klinikums in einem Brief an den Aufsichtsrat gegen ihn wandten, und als die "Freie Presse" Mitte der Woche die Geschäftsbeziehungen des Klinikums mit den privaten Unternehmungen seiner Familie enthüllte, sah Nichterlein wohl keinen anderen Ausweg als den freiwilligen Rückzug.

Dennoch kam die Entscheidung überraschend. Noch am Nachmittag hatte der Betriebsrat des Klinikums einen Offenen Brief an den "sehr geehrten Herrn Nichterlein" verschickt. "Durch Ihre langjährige Tätigkeit und positive Einflussnahme auf das Unternehmen werden Sie und Ihr Erfahrungsschatz von vielen Mitarbeitern geschätzt", hieß es da. Der Betriebsrat legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass das Gremium das Schreiben lediglich verschickt, nicht aber verfasst habe. Wer letztlich Autor des Briefes ist, wollte Betriebsrats-Chefin Heike Thoms jedoch nicht verraten.

 
erschienen am 12.03.2010 ( Von Swen Uhlig )
 
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