Astrid Söhnel Hier entstand das Chemnitzlied: Astrid Söhnel alias Astrid Himmelreich im Tonstudio in ihrem Haus in Chemnitz Wittgensdorf.

Foto: Andreas Seidel

Der gesungene Lokalpatriotismus

Eine Musiklehrerin hat der Stadt Chemnitz ein Liebeslied gewidmet - Nun soll es die Welt erobern

Chemnitz. In dem kleinen Tonstudio in Wittgensdorf steht ein Keyboard, ein elektronisches Schlagzeug und ein Mischpult. Dort wurde eine Hommage an die Stadt Chemnitz wiederbelebt, die fast in Vergessenheit geraten wäre. Dank dem Internet und der Plattform Youtube ist das Chemnitzlied nun einer weltweiten Öffentlichkeit zugänglich.

Der Text ist ein wenig skurril, augenzwinkernd, aber doch irgendwie herzerwärmend lokalpatriotisch: "In Sachsen gibt es eine Stadt, die für uns ein Zuhause hat. Sie ist schon alt, man sieht es ihr nicht an", heißt es im Refrain. Und weiter: "Die Stadt heißt Chemnitz, wie ihr wisst und das Tor zum Erzgebirge ist. Wir lieben und verehren unsere Stadt."

Geschrieben und gesungen hat das Lied Astrid Söhnel, die sich den Künstlernamen Astrid Himmelreich gegeben hat. Der 50-Jährigen wurde die Musikalität schon in die Wiege gelegt: Ihr Vater war Geiger in der Robert-Schumann-Philharmonie, ihre Mutter arbeitete im Opernhaus. Astrid Söhnel ist Diplom-Musiklehrerin und unterrichtet an der Blindenschule. Dort ist auch die Urfassung des Chemnitzliedes entstanden. Denn Ende der 1990er-Jahre gab es einen Wettbewerb, in dem ein Lied für Chemnitz gesucht wurde. Dafür habe sie den Titel geschrieben, erinnert sie sich.

Den Text habe sie aus Überzeugung verfasst, sagt Astrid Söhnel. "Aus heutiger Sicht klingt manches vielleicht ironisch, damals war das aber ernst gemeint." Das Lied hatte Erfolg: Der Schulchor erhielt einen Sonderpreis und durfte den Titel beim Stadtfest singen. Dann verschwand der Song aus der Öffentlichkeit, um 2005 zur 100-Jahr-Feier der Blindenschule ein Comeback zu erleben. Die Plattform Youtube, wo jedermann Musikvideos veröffentlichen kann, habe sie motiviert, das Chemnitzlied ins Internet zu stellen. Söhnel: "Ich habe gedacht, das kann ich auch."

Seit Dezember ist das Lied nun bei Youtube zu finden. Dort hat es die Aufmerksamkeit der Musikindustrie auf sich gezogen. Max Finzel von der Chemnitzer Plattenfirma "Phlatline Sound" entdeckte den Titel und ist mit der 50-Jährigen ins Studio gegangen, um ihn noch einmal neu aufnehmen.

Mittlerweile gibt es zwei Versionen, die ebenfalls bei Youtube zu finden sind und sogar in Klubs und auf Partys gespielt werden - mit Erfolg. "Der Song könnte sich zu einer kleinen Hymne etablieren", glaubt Finzel. In der Gunst der Youtube-Nutzer ist das Original derzeit aber noch beliebter: 2317 Nutzer klickten die Ursprungsversion, 715 den neuen Mix.

 

► Das Chemnitzlied im Original

► Das Chemnitzlied als Phlatline-Remix

 

 
erschienen am 02.02.2011 ( Von Benjamin Lummer )
 
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