Bisher nur eine Vision: Die urbane Achse zwischen Innenstadt und Brühl zeigt eine denkbare Variante für Chemnitz im Jahr 2030.

Die Vision für das neue Chemnitz

Stadtplaner entwickeln Konzept einer urbanen Achse zwischen Innenstadt und Brühl

Chemnitz. Der zweite Campus der Technischen Universität in der Innenstadt könnte möglicherweise doch früher entstehen, als derzeit geplant ist. Im "Freie Presse"-Gespräch setzte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den Wunschtermin für die Erweiterung an der Straße der Nationen deutlich nach vorn. Nicht 2030, sondern mindestens zehn Jahre früher soll die TU sich in der City erweitern können. "2015 müssen alle Voraussetzungen geklärt sein. Mein Wunsch wäre, dass dort vor 2020 Studenten ein- und ausgehen." Mit diesem Ziel gehe sie in die für August anberaumten Gespräche mit dem Sächsischen Finanzministerium, sagte Ludwig.

Grundlage für die Verhandlungen soll ein neues städtebauliches Konzept für eine Innenstadt-Achse zwischen der jetzigen City und dem erweiterten TU-Standort an der Straße der Nationen mit dem Brühl sein. Ihre Vision hat die Stadt mit dem renommierten Architekturbüro Albert Speer & Partner entwickelt, das für Projekte wie die Erweiterung der Universität in Köln steht. Der bisherige Entwurf habe das Zeug, so lobt Ludwig, ganze Viertel und ihre Einrichtungen zu vernetzen, Verbindungen zwischen Stadtkern und Brühl zu knüpfen.

Die Abstimmung und Feinplanung werde Sache der nächsten Jahre sein, so Ludwig. So finden sich in den Planungen statt des heutigen Busbahnhofes beispielsweise der Vorschlag für ein Kommunikationszentrum und die Mensa der TU; entlang der Mühlenstraße wird eine geschlossene Karreebebauung statt der jetzigen Blöcke vorgeschlagen.

Doch die Oberbürgermeisterin beschwichtigt: "Wir werden keine Bilderstürmerei betreiben", versichert sie. "Niemand muss Angst haben, dass etwa die Häuser an der Mühlenstraße früher als 2030 zur Disposition stehen. Die Studie bildet die Idee ab, die entsteht, wenn Stadtplaner wirklich längerfristig denken. Wir können es uns nicht leisten, in bestehende Strukturen einzugreifen." Dennoch müsse man im Falle des Busbahnhofes fragen, welche Funktion er in Zukunft noch haben wird.

Die derzeit leer stehende Alte Aktienspinnerei als weiterer TU-Standort: Die Universität möchte einen zweiten Campus in und rund um die Brache am Busbahnhof etablieren. Dafür soll das Fabrikgebäude an der Straße der Nationen zum Zentralen Bibliotheksgebäude umgebaut werden. Verschiedene Fakultäten wie die Geisteswissenschaften sollen dort angesiedelt werden.

Für die Rathausspitze ist das Projekt, das bei der Bewerbung für den Titel "Stadt der Wissenschaft" vorgestellt worden war, eine Säule für die Stadtentwicklung der kommenden Jahrzehnte, wie Ludwig betont. Die Idee selbst könne in Modulen umgesetzt werden. Mit dem neuen Bürgerhaus am Wall und der Jugendherberge am Getreidemarkt sei der neue Stadtkern nahezu fertig.

Und die nächsten Schritte für die geplante Achse zwischen City und der Aktienspinnerei seien absehbar, so die OB: "Mit dem im Umbau befindlichen Johanniskarree, das sind neben dem Landesarchäologiemuseum im Schocken-Kaufhaus auch das Rawema-Haus und die Bundesbank, setzt sich die Innenstadt Richtung Nordosten fort."

Der Umbau des Hauptbahnhofes, wo gerade rund 130 Millionen Euro investiert werden, sowie das künftige Behördenzentrum hinter dem Karl-Marx-Kopf, für das Ludwig in den nächsten Monaten eine Planung durch den Freistaat erwarte, markieren die Achse bis zum zweiten Campus. Die Einzelprojekte sollen zu einem Großen und Ganzen zusammengefügt werden: "Wir wollen aus den Solitären Verbindungen machen."

Als Meilenstein für die neue Innenstadt komme der Zentralbibliothek der TU in der Aktienspinnerei eine zentrale Rolle zu. Die OB macht zugleich deutlich, dass dies von grundlegender Bedeutung ist, um als Universitätsstandort für 10.000 Studenten bestehen zu können. "Unser jetziger Campus an der Reichenhainer Straße ist sehr gut, aber voll. Außerdem ist die Chemnitzer Universität die einzige in Sachsen ohne zentrale Bibliothek. Die TU muss sie aber in der Konkurrenz um die Studierenden anbieten können", unterstreicht sie: "Wir könnten sie auf den bisherigen Campus quetschen oder sie präsent werden lassen."

 
erschienen am 10.07.2010 ( Von Grit Baldauf )
 
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