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Wer ans Telefon geht, wird oft nur dann misstrauisch, wenn keine Nummer im Display zu sehen ist. Dabei können auch hinter bekannten Zahlenkombinationen Betrüger stecken.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Die neuen Maschen der Telefonbetrüger

Gefälschte Mitschnitte, manipulierte Nummern: Mit welchen Methoden Abzocker arbeiten - und was dagegen hilft.

Von Andreas Rentsch
erschienen am 20.03.2017

Eigentlich ist der Anrufer am anderen Ende der Leitung gut zu verstehen. Nur er selbst scheint ein Verbindungsproblem zu haben. "Können Sie mich hören?", fragt er. Nachdem sein Gegenüber mehrmals laut und vernehmlich "Ja" gesagt hat, ist das Gespräch schnell beendet. Doch der Ärger für den Angerufenen hat gerade begonnen.

Denn das Telefonat war nur Mittel zum Zweck. Und der lautet: Abzocke. Betrüger haben das "Ja" ihres potenziellen Opfers mitgeschnitten und in einen anderen Gesprächsmitschnitt eingefügt - und der erweckt den Anschein, als ob man einem Kaufvertrag zugestimmt habe. Tage später liegen Unterlagen oder Rechnungen im Briefkasten. Mit den angeblich per Telefon geschlossenen Verträgen würden Privatpersonen, aber auch Firmen massiv unter Druck gesetzt, warnen Verbraucherschützer. Wer nicht zahle, dem werde mit Inkasso und einem negativen Schufa-Eintrag gedroht. Tatsächlich scheint es derlei Sanktionen bisher aber nicht gegeben zu haben.

In den USA ist diese Betrugsmasche schon länger bekannt. Mittlerweile scheint sich das Phänomen aber auch nach Deutschland auszubreiten. Vergangene Woche sei ein Fall aus Bonn bekanntgeworden, heißt es bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mitte Februar berichtete das IT-Portal heise.de über einen Mann aus Baden-Württemberg, der von einer angeblichen italienischen Firma angerufen und genötigt worden war, Fragen immer wieder mit "Ja" zu beantworten. Der Inhaber des Anschlusses fiel aber auf die Masche nicht herein und legte kurzerhand auf. Damit jedoch war der Spuk für ihn noch nicht beendet: Laut heise.de rief der mutmaßliche Betrüger gleich noch einmal an und drohte damit, für das Auflegen eine Rechnung in Höhe von 125 Euro zu stellen.

Bei der Polizei in Sachsen sind bisher noch keine Fälle derartigen Telefonbetrugs aktenkundig. "Wir müssen aber davon ausgehen, dass das läuft", bestätigt Tom Bernhardt vom Landeskriminalamt (LKA) auf Nachfrage. Etwas offensiver äußern sich Behörden in anderen Bundesländern. So erklärte kürzlich ein Sprecher des LKA Hessen, es sei wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es wegen der dubiosen Anrufe erste Anzeigen gebe.

Werbeanrufe, die dazu führen sollen, dass der Angerufene einen Vertrag abschließt, nähmen derzeit eher zu als ab, sagt Katja Henschler von der Verbraucherzentrale Sachsen. Deshalb begrüße sie einen Gesetzentwurf im Bundesrat, wonach Verträge zwischen Verbrauchern und Firmen nur dann wirksam werden, wenn Unternehmen ihr telefonisches Angebot in Textform bestätigen und sich dann der Verbraucher - ebenfalls in Textform - damit einverstanden erklärt. Die "Bestätigungslösung" hätten Verbraucherschützer schon vor Jahren gefordert, sagt Henschler.


 

Es gibt jedoch noch genug andere Maschen, mit denen Telefonbetrüger ihr Ziel erreichen können. Mal ist es der klassische "Enkeltrick", dann wieder ein Anruf, bei dem ein Unbekannter vorgibt, er sei Vertreter einer Behörde, Bankmitarbeiter oder Polizist. Um den Anschein zu bestätigen, wird dafür die angezeigte Rufnummer per Software manipuliert. Call ID Spoofing heißt die Methode im Fachjargon. Eine Seniorin aus Radebeul ist im Herbst 2015 auf diese Weise um 400 000 Euro gebracht worden. Die ältere Frau hatte wiederholt Anrufe bekommen, bei der sie die "110" im Display sah. Falsche Polizeibeamte brachten sie schließlich dazu, ihr Geld einem Kurierfahrer anzuvertrauen.

Immer wieder passiert es auch, dass Täter in Supermärkten oder Geschäften anrufen, um die Herausgabe von PIN-Codes unverkaufter Prepaid- oder Geschenkkarten zu fordern. Mancher überrumpelte Mitarbeiter tut dann, wie ihm geheißen - wohl auch, weil im Display seines Telefons die Rufnummer der jeweiligen Firmenzentrale zu sehen ist. Im Januar meldete die sächsische Polizei, dass die Masche in Dresden und im Erzgebirge Erfolg gehabt habe. Schaden: mehrere Tausend Euro.

Dass Verbraucher von den Möglichkeiten beim Call ID Spoofing wissen, sei zweifellos wichtig, sagt Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Dresden. Die vermeintlich bekannte Telefonnummer sei aber nur ein Baustein, der Glaubwürdigkeit erzeugen solle. "Gleichzeitig geht es darum, dass der Angerufene auf die Geschichte des Anrufers hereinfällt." Im Zweifelsfall hilft also vor allem eins: gesundes Misstrauen..

Das Marktwächter-Netzwerk der Verbraucherzentralen warnt aktuell vor Telefonwerbern, die Betroffenen Kreditkarten der Firma VeriPay B.V. untergeschieben wollen. Weitere Informationen unter: www.freiepresse.de/veripay

Wie Sie sich gegenüber mutmaßlichen Telefonbetrügern richtig verhalten

Überlegt antworten: Beantworten Sie die Frage, ob Sie Ihr Gegenüber hören können, nicht mit "Ja", sondern so: "Ich kann Sie hören."

Notizen machen: Schreiben Sie sich Datum und Uhrzeit des Anrufs auf, falls möglich die Rufnummer, den vermeintlichen Namen des Anrufers, das beworbene Produkt und Details zum Gesprächsverlauf.

Resolut bleiben: Sagen Sie dem Anrufer in bestimmtem Ton, dass Sie kein Interesse an dem fraglichen Angebot haben. Im Zweifelsfall legen Sie lieber auf.

Gegenfragen stellen: Laut Gesetz ist es verboten, bei Werbeanrufen die Telefonnummer zu unterdrücken. Das Verbot gilt auch für Unternehmen. Erhalten Sie dennoch einen solchen Anruf, fragen Sie, für welche Firma Ihr Gegenüber tätig ist.

Vorgang melden: Haben Sie den Eindruck, dass es sich um einen unseriösen Anrufer handelte, melden Sie es der Verbraucherzentrale und der Bundesnetzagentur - per Post (BNA, Nördeltstr. 5, 59872 Meschede), Fax (06321/934111) oder online: www.freiepresse.de/bnetza

 
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