Durchschnitt 2,0 löst heftige Debatte aus

Landeselternrat kritisiert neuen Gymnasium-Zugang - Lehrerverband und Schülerrat bewerten ihn weitestgehend positiv

Dresden. Die Ankündigung, den Zugang zum Gymnasium in Sachsen zu erschweren, hat kontroverse Reaktionen hervorgerufen.

"Der erforderliche Durchschnitt von 2,0 wird den Druck sowohl auf die Schüler, als auch auf die Eltern erhöhen", sagte Lisa Kirsten, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates. Sie plädiert für eine "Notenfreigabe", also die Aufhebung einer Zensurenvorgabe. Vielmehr solle die Bildungsberatung in der Grundschule ausgebaut werden. Dort informieren Lehrer die Eltern über die Entwicklung ihrer Kinder. Auf dieser Grundlage könnten die Eltern dann selbst entscheiden, auf welche Schule ihr Kind geht. "Wenn man den Eltern genau sagt, wo ihr Kind steht, dann werden sie eine Entscheidung in seinem Sinne treffen", so Kirsten.

Dagegen sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, die Verschärfung der Zugangsbedingungen zu sächsischen Gymnasien sei nicht negativ zu bewerten. Das Schulsystem weise zwischen den Bundesländern zwar große Unterschiede auf. Sachsen stelle mit einer Durchschnittsnote von 2,0 mit die höchsten Anforderungen. Aber im gesamten Bildungswesen in Deutschland existiere eine große Durchlässigkeit. Es gebe, außer dem Besuch des Gymnasiums, viele andere Möglichkeiten, zur Studierfähigkeit zu gelangen. "40 bis 50 Prozent aller Studierberechtigten haben kein Gymnasium besucht", so Kraus. Der beschlossene Schritt bedeute eine Aufwertung der Gymnasien. Minister Roland Wöller gehe es offenbar um ein geschärftes gymnasiales Profil. "Er will Eltern und Schüler mit schlechteren Noten vor Irrwegen bewahren", sagte Kraus.

Auch Eric Braun, Vorsitzender des Landesschülerrates, bewertet die größere Hürde zunächst als positiv. "Es geht schließlich um den höchsten Schulabschluss. Der muss auch mit dem nötigen Ehrgeiz betrieben werden", sagte er. Allerdings kritisiert er generell, wie über den Zugang zum Abitur entschieden wird: "Die herangezogenen Noten sind viel zu kurz gegriffen." Es müssten auch Kriterien wie die Entwicklungschancen und das Verhalten des Kindes berücksichtigt werden, sagte er.

 
erschienen am 12.04.2010 ( Von Jana Peters und Eva Prase )
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