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Foto: Matthias Bein/dpa

Ein Dorf sieht braun

Von Oliver Hach
erschienen am 05.11.2014

Zobes. Die Anmeldung kam aus Dortmund, und sie löste bei den Behörden im Vogtlandkreis hektische Betriebsamkeit aus: Eine "Versammlung" mit bis zu 1000 Teilnehmern soll am Samstag in Zobes, einem Ortsteil der Gemeinde Neuensalz, über die Bühne gehen. Veranstalter sind die Landesverbände Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg der extremistischen Partei Die Rechte. Deren Funktionäre waren maßgeblich an der Anti-Salafisten-Demonstration beteiligt, die am 26. Oktober in Köln eskalierte. Nun wollen sie am Rande eines Vogtland-Dorfs mit 400 Einwohnern Sachsens größtes Rechtsrock-Konzert der letzten Jahre veranstalten.

Jeder Fünfte wählte NPD

Warum Zobes? Das Dorf war schon im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten. Damals konnten die Jungen Nationaldemokraten dort auf einer Wiese am Ortsrand ihren "Sachsentag" mit Auftritten mehrerer Rechtsrock-Bands abhalten. Ein paar linke Aktivisten hängten Protestplakate auf, ansonsten blieben die gut 700 Neonazis unbehelligt.
Das Grundstück, das nun erneut an Rechtsextremisten vermietet wurde, gehört einem Mann, dessen Ehefrau für die NPD im vogtländischen Kreistag sitzt. Beatrix Rink holte Ende Mai bei der Kommunalwahl in der Gemeinde Neuensalz über sieben Prozent der Stimmen; in Zobes wählte sogar fast jeder Fünfte die NPD. Die Rechtsextremisten waren damals die einzigen, die in dem Ort flächendeckend plakatierten. Zu dem geplanten Neonazi-Konzert in ihrem Heimatort sagt Rink: "Da kommen Jugendliche, die einfach nur ihre Musik hören wollen."

Reinfeiern in die Pogromnacht

Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz soll in Zobes die Band Lunikoff-Verschwörung auftreten, gegründet vom ehemaligen Landser-Sänger Michael Regener. Dessen erste Band war als kriminelle Vereinigung verboten worden. Ebenfalls beworben werden die Band Nahkampf aus Bremen und Griffin, ein Neonazi aus Kanada.

Nach Bekanntwerden des geplanten Neonazi-Treffens forderte der Verdi-Ortsverein Plauen den Landrat des Vogtlandkreises auf, die Veranstaltung zu verbieten. "Wollen Sie ein zweites Köln im Vogtland? Wir nicht!", heißt es in einem offenen Brief. Ein Sportverein aus dem Nachbarort, dessen Nachwuchsfußballer am Samstag in Zobes antreten sollen, erwägt eine Verlegung des Spiels - aus Angst, dass die Sicherheit der Kinder nicht gewährleistet werden kann. Landrat Tassilo Lenk (CDU) sagte gestern: "Ich habe die Mitarbeiter angewiesen, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen, um die Versammlung zu verbieten." Ob das gelingt, ist unklar. Schon 2013 gab es nicht mal eine Gegendemonstration - wegen Sicherheitsbedenken. Ein Antifa-Blogger stellte jetzt im Internet resigniert fest, dass sich "die Reichspogromnacht am 9. November zum 76. Mal jährt und die Nazis wahrscheinlich ,reinfeiern‘ werden".

Bürgermeisterin Carmen Künzel (parteilos) macht sich Sorgen um den Ruf der Gemeinde. Sie wirft dem Landrat Untätigkeit vor, sagt aber über die Konzertveranstalter: "Die Partei ist nichts Verbotenes." Mit ihrer Bürgerin Beatrix Rink hat die Bürgermeisterin noch nicht gesprochen: "Die ist mir nie begegnet."

Schulterschluss in Zobes

Die Partei Die Rechte hat in Sachsen bislang keine Strukturen. Laut Verfassungsschutz löste sich ein im Herbst 2013 gegründeter Landesverband mit zehn Personen nach wenigen Monaten wieder auf. In Zobes sucht die Partei aber offenbar den Schulterschluss zur NPD: Ein zweiter Anmelder des dortigen Rechtsrock-Konzerts ist ein langjähriger NPD-Funktionär aus Leipzig, der inzwischen in Sachsen-Anhalt aktiv ist. (oha)

 
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Kommentare
3
(Anmeldung erforderlich)
  • 05.11.2014
    19:00 Uhr

    aussaugerges: In Zobes ist großes Nazitreffen da kommen auch welche von der UA.
    Da sagt der Gauckler nix.

    2 1
     
  • 05.11.2014
    16:48 Uhr

    PeKa: "Laut Verfassungsschutz löste sich ein im Herbst 2013 gegründeter Landesverband mit zehn Personen nach wenigen Monaten wieder auf."

    Na wer weiß, vielleicht haben die sich untereinander bewusstlos geprügelt, denn zu einer unblutigen Form von Kommunikation sind ja solche Gestalten nicht fähig.

    2 1
     
  • 05.11.2014
    16:42 Uhr

    saftpresse: In Sachsen feiern Nazis die Progromnacht und deren Gegner werden regelmäßig denunziert und kriminalisiert. Sachsen hat ein rechtes Problem, nicht nur hier und da auf der Straße, sondern vielfach in den Amtsstuben. Clevere Beamte wissen sich andernorts gegen solches Treiben zu wehren. Dazu fehlt hier offensichtlich der Wille.

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