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André Löscher - Opferberater

Foto: JB Steps/Archiv

"Ein dramatischer Einzelfall"

Opferberatungsstelle lobt mutiges Einschreiten bei Überfall auf Mosambikaner

Von Franziska Pester und Eva Prase
erschienen am 02.09.2014

Sebastian Braun, ein Chemnitzer Bürger, der dem Mosambikaner Augusto Mendes zur Seite stand, als dieser überfallen wurde, ist selbst Opfer eines Schlägertrupps geworden. Wie sicher sind jene Menschen, die Zivilcourage zeigen? Mit André Löscher, Mitarbeiter der mobilen Opferberatung in Chemnitz, sprach Eva Prase.

Freie Presse: Gibt es eine Häufung von rechtsradikalen Bedrohungen wie der, die Sebastian Braun erfahren hat? Offenbar wurde er überfallen, weil er einem Mosambikaner half.

André Löscher: Das stellen wir nicht fest. Wir sehen das zwar als einen dramatischen, aber als einen Einzelfall. Es ist der erste Vorfall, der, so möchte ich sagen, Presse macht.

Mit anderen Worten: Sie vermuten, dass der junge Chemnitzer überfallen wurde, weil über sein Engagement in verschiedenen Medien berichtet wurde?

Ja. Dadurch ist der Fall, sein Name, ja auch bekannt geworden.

Wie soll man nun verfahren? Das couragierte Handeln verschweigen, weil es für denjenigen gefährlich werden könnte, der Zivilcourage gezeigt hat?

Verschweigen, sich verstecken, sich zurückziehen sind nicht die richtigen Wege. Vielmehr glauben wir, je mehr über das Eingreifen, über die Zivilcourage Einzelner auch berichtet wird, um so mehr fühlen sich andere Bürger ermutigt, nicht wegzusehen, wenn Gewalt ausgeübt wird, sondern zu handeln. Insofern finde ich es auch mutig, dass Sebastian Braun sich nicht zurückgezogen hat, sondern bekräftigt, dass er jederzeit wieder so handeln würde.

Nicht jeder kann so agieren wie ein 22-jähriger junger Mann...

Richtig. Nicht jeder hat die körperlichen Voraussetzungen. Und es muss auch nicht jeder diesen Mut aufbringen, konkret einzugreifen. Aber um Hilfe rufen oder per Telefon die Polizei herbeiholen - das kann jeder. Natürlich muss man sich überlegen, ob man im Nachhinein namentlich bekannt werden will dafür, dass man einem anderen in der Not beigestanden hat. Wenn nicht, muss man darauf Einfluss nehmen. Die Öffentlichkeit, auch die verschiedenen Medien, haben das zu respektieren.

Was bieten Sie als Institution, die Opfer rechtsextremer Gewalt berät, Menschen wie Sebastian Braun und Augusto Mendes?

Zu Sebastian Braun. Jeder Mensch, der ihn kennt, kann ihm versichern, richtig gehandelt zu haben. Diese Solidarität ist wichtig. Zeichen der Zustimmung sollte er aber auch von der Stadt erhalten, der Stadtverwaltung etwa.

Und von Ihrer Einrichtung...

Wir sind Ansprechpartner sowohl für Menschen wie Braun, aber auch für Betroffene wie Augusto Mendes. Dabei gehen wir auf die Spezifik der einzelnen Fälle ein. Das besondere an rechtsextremer Gewalt ist, dass sich Täter und Betroffene meist nicht kennen. Sie begegnen sich eher zufällig im öffentlichen Raum. Die Betroffenen werden nicht als normale Individuen, sondern als Repräsentantinnen einer abgewerteten Gruppe angegriffen. Dies hat eine Entpersonalisierung zur Folge und begünstigt eine enorme Brutalität. Unsere Beratungsstellen, die es in allen größeren Städten gibt, so auch in Chemnitz, helfen bei der Bewältigung der Angriffsfolgen. Wir unterstützen Betroffene in der Wahrnehmung ihrer Rechte. Zudem erfahren sie bei uns Wertschätzung, Anerkennung sowie Empathie und erhalten Orientierungshilfen. Berater unterstützen die Betroffenen dabei, Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen und das traumatische Erleben als Teil der biografischen Erfahrungen einordnen zu können.

Die Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt ist zu erreichen unter Telefon: 0371 4819451 und per Mail: opferberatung.chemnitz@raa-sachsen.de

 
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