Emu-Küken Für einen kurzen Moment hält das Emu-Küken einmal ruhig. Es ist schon sechs Kilo schwer, da muss Tierpfleger Peter Hömke kräftig zupacken, damit Bärbel Schroller eine Feder reißen kann.

Foto: Publicpix

Experiment mit fremden Emu-Eiern von Erfolg gekrönt

Im Tierpark Aue hat ein Emu-Hahn fremde Eier ausgebrütet und die Küken großgezogen

Aue. Der Tierpfleger muss wachsam sein wie ein Luchs und kräftig wie ein Grizzly. Mit voller Kraft umklammert er das aufgeregte, strampelnde Küken. Küken ist gut, denn es bringt schon sechs Kilo auf die Waage, hat fast soviel Kraft wie ein Mensch und ist bis zu 50 Stundenkilometer schnell. Lässt der Tierpfleger auch nur einen Augenblick zu locker, ist der Vogel wieder weg und die Jagd beginnt von vorn.

Am Dienstag ging im Tierpark von Aue ein in Deutschland vermutlich einzigartiges Experiment praktisch zu Ende. Dazu mussten drei Emu-Küken in ihrem Stall mit einem Treibbrett in die Ecke gedrängt und festgehalten werden, damit ihnen eine Feder ausgerissen werden konnte, von dessen Kiel eine DNA-Probe genommen werden soll. Mit der kann nun das bisher unbekannte Geschlecht der drei Küken bestimmt werden.

Ungewöhnlich für einen Hahn

Das ist aber nicht das eigentlich Spektakuläre am seltenen Experiment, das seinen Ursprung im merkwürdigen Verhalten des 15-jährigen Emu-Hahnes hat, der seit seiner Geburt im Tierpark Aue lebt. Curley - so heißt der Vogel wegen seiner Sturmlocke - war solo und hatte noch nie in seinem Leben eine Henne aus der Nähe gesehen, als er sich voriges Jahr auf einen grünen, viereckigen Wassereimer setzte und tagelang nicht wieder herunterkam. Tierpark-Leiterin Bärbel Schroller: "Er wollte ganz augenscheinlich brüten. Das war ungewöhnlich für einen Hahn in seiner Situation."

So kamen die Tierpark-Mitarbeiter auf die Idee, sich drei befruchtete Emu-Eier aus einer Farm in der Nähe von Nürnberg zu besorgen, um sie dem Hahn dann schließlich als seine eigenen unterzujubeln. 60 Tage lang blieb Curley - so lange zieht sich die Brutzeit bei Emus hin - auf den Eiern sitzen, bis am Karfreitag dieses Jahres die drei Küken schlüpften. Curley war Papa, zwar von Adoptivkindern, wenn man so will, aber immerhin.

Weiblein oder Männlein?

"Seitdem zieht er die drei Küken mit ganz viel Liebe groß. Er wollte sie am Anfang sogar vor den Tierpflegern beschützen", erinnert sich Bärbel Schroller. Unklar ist bisher aber noch, ob der Nachwuchs weiblich oder männlich ist. Denn bei den Emus wachsen die Geschlechtsteile nach innen. Deshalb mussten die drei Küken am Dienstag Federn lassen. Das Material ging noch am gleichen Tag mit der Post in ein Labor für biologische Analytik ins Ruhrgebiet. Wenn eine Henne dabei ist, hat Curley vielleicht endlich eine Partnerin. "Denn", so erklärt Bärbel Schroller, "beide sind ja nicht blutsverwandt."

 
erschienen am 26.07.2011 ( Von Erik Kiwitter )
 
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