Chris Löwe im gelb-schwarzen Borussia-Trikot setzt sich im deutschen Supercup-Finale 2011 gegen Alexander Baumjohann vom FC Schalke 04 durch. Dortmund verlor die Partie nach Elfmeterschießen.
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Fragwürdige Methoden? Chris Löwe nimmt CFC-Jugendtrainer in Schutz
Ehemaliger Schützling kann Anschuldigungen nicht nachvollziehen
Chemnitz. Friede, Freude, Eierkuchen herrschte auch bei Chris Löwe nicht immer, als er Nachwuchsspieler beim Chemnitzer FC war. "Fünf von sechs Jahren im Jugendbereich des CFC bin ich von Ullus Küttner trainiert worden. Ich glaube, dass es unbestritten ist - er ist ein harter Hund", sagte Löwe im Gespräch mit der "Freien Presse". Allerdings sei es in all der Zeit niemals vorgekommen, dass Küttner ihn oder andere Spieler unterhalb der Gürtellinie kritisiert hat. "Ich finde es ein bisschen schade, dass so eine völlig sinnlose Diskussion aufgekommen ist. Es haben sich doch Eltern zu Wort gemeldet, deren Söhne es vom Fußballerischen her nicht geschafft haben", betonte der 22-Jährige, der seit dieser Saison beim deutschen Meister Borussia Dortmund unter Vertrag steht.
Man könne auch CFC-Spieler wie Marcel Schlosser, Marcel Wilke und Benjamin Förster fragen: Alle würden laut Löwe bestätigen, dass Nachwuchstrainer Küttner keine Spieler beleidigt und schon gar nicht als "Arschloch" oder "Schwuchtel" bezeichnet hat, was ihm ebenfalls vorgeworfen worden war. "Wenn man schlechte Leistungen zeigt und Spiele verliert, wird es überall ungemütlich, nicht nur bei Ullus Küttner", ist der gebürtige Vogtländer überzeugt. Der CFC sei nun mal ein leistungsbezogener Club und kein Pittiplatsch-Verein, wie es der Profi formuliert. Auch er sei mit Küttner mehrfach aneinandergeraten. Im Nachhinein verspüre er jedoch ein Gefühl von Dankbarkeit. "Meine Karriere leitet sich daraus ab, dass ich fünf Jahre bei Herrn Küttner war. Was ich dabei vor allem gelernt habe: Man muss härter arbeiten als andere, wenn man viel erreichen will. Talent allein reicht nicht aus. Das hat er immer gepredigt", berichtete Löwe.
Weil er in Chemnitz eine so harte Schule durchlaufen hat, habe er heute schon Bundesligaspiele bestritten - sechs, um genauer zu sein. Chris Löwe gesteht, dass die ersten Wochen in Dortmund schwierig für ihn waren. "Ich hatte Probleme, mich an das wesentlich höhere Tempo zu gewöhnen", erklärte der ehemalige CFC-Spieler rückblickend.
Doch er biss sich durch, kam auch aufgrund der Verletzung von Marcel Schmelzer (beide spielen auf der selben Position auf der linken Abwehrseite) anfangs regelmäßig zum Einsatz. In den vergangenen Wochen erhielt Löwe von Trainer Jürgen Klopp allerdings keine Einsatzchancen mehr. "Die Situation ist für mich nicht ganz zufriedenstellend. Ich würde natürlich gern öfter spielen. Vor allem, wenn man bereits Luft in der ersten Mannschaft geschnuppert hat", bemerkte der 22-Jährige. Er habe keine andere Möglichkeit, als sich durch gute Leistungen im Training zu empfehlen. "In dieser Hinsicht ist Jürgen Klopp sehr zufrieden, wie er mir gesagt hat. Ich hoffe, demnächst wieder einmal von Anfang an zu spielen", so Löwe, der das Geschehen rund um den CFC weiter aufmerksam verfolgt und sich über den Aufwärtstrend der Himmelblauen in Liga drei freut.
Seine Dortmunder sind auf dem besten Weg, ihren Meistertitel zu verteidigen. Die Borussen liegen in der Tabelle zwei Punkte vor Bayern München und drei Zähler vor dem Überraschungsteam von Borussia Mönchengladbach. Auf die Frage, ob Dortmund gegenüber Bayern im Vorteil ist, weil die Münchner noch zusätzlich in der Championsleague spielen, antwortet Chris Löwe: "Die Frage ist, wie Bayern damit umgeht. Wenn sie trotzdem mittwochs und am Wochenende ihre Leistung bringen, wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen." Der ehemalige Chemnitzer hat aber auch noch die Gladbacher auf der Rechnung. "Sie haben in der Offensive eine brutale Qualität", erklärte Löwe. Aus seiner Sicht ist es sensationell, wie der Gladbacher Trainer Lucien Favre innerhalb eines halben Jahres aus einem Abstiegskandidaten einen Titelanwärter geformt hat.
Ähnlich sensationell wie die Entwicklung von Chris Löwe selbst. Der Vogtländer hatte seinen Heimatverein 1. FC Wacker Plauen im Sommer 2002 verlassen und war nach Chemnitz gewechselt, wo er fortan im Internat wohnte. Nachdem er die einzelnen Altersklassen im Jugendbereich durchlaufen hatte, fiel ihm der Wechsel in den Männerbereich schwer. In seiner ersten Saison unter Cheftrainer Gerd Schädlich 2008/09 wurde er bis zum Frühjahr selten eingesetzt. Als sich sein Teamgefährte Marcel Schlosser verletzte, kam seine Chance. Von da an hatte er sich einen Stammplatz erkämpft. Löwe mauserte sich schnell zum Leistungsträger. Im Frühjahr 2011 erhielt er das überraschende Angebot von Borussia Dortmund - von dem Verein, dessen Fan er bereits seit frühester Jugend gewesen ist.