Beim Kurs zur Auffrischung von Fahrkünsten zeigte Fahrlehrerin Monika Spranger (rechts) Teilnehmerin Marion Seim kleine Kniffe und Tricks, damit sie den Wagen besser beherrschen kann. Gutes und sicheres Fahren beginnt dabei mit der richtigen Einstellung von Sitz und Spiegeln.
Foto: Andreas Seidel
Frauen zeigen Mut zum Neuanfang am Steuer
Lila Villa in Chemnitz bietet spezielle Kurse zur Auffrischung von Fahrkünsten - Mangelnde Praxis Hauptproblem
Chemnitz. Wenig oder gar keine Fahrpraxis trotz Führerschein? Nichts Ungewöhnliches im Kurs, den Monika Spranger speziell für Besucherinnen im Frauenzentrum Lila Villa an der Kaßbergstraße 22 anbietet.
Dort wird zunächst die Theorie zum Straßenverkehr und dessen Regeln aufgefrischt, bevor die Kursteilnehmerinnen sich mitunter nach über 20 Jahren ohne Fahrt mit dem Auto wieder hinters Steuer eines Wagens wagen. Am Wochenende konnte sich Fahrlehrerin Spranger erneut nicht über mangelnden Zuspruch beklagen. Elf Damen im Alter von über 30 bis über 70 Jahren hatten sich für das Angebot interessiert, bei dem die meisten Frauen entweder den Wiedereinstieg ins Autofahren oder mehr Sicherheit im Umgang mit dem Wagen suchen.
Eine der Teilnehmerinnen, die zur Theorie-Auffrischung am Freitag in der Runde saß, war die 68-jährige Chemnitzerin Marion Seim. Sie ist seit Jahrzehnten im Besitz der Fahrerlaubnis, fährt aber eher selten und zumeist immer die gleichen Strecken. "Ich will durch den Kurs einfach mehr Sicherheit in der Beherrschung bestimmter Fahrmanöver erlangen", bekannte die Seniorin. Problematisch sei für sie etwa das Einfahren und Einparken in Parkhäuser, wo es oft sehr steil bergauf und dann auch sehr eng zugehe.
Auch für die anderen Teilnehmerinnen sind es, wie sie in Gesprächen mit Fahrlehrerin Spranger erklärten, meist bestimmte Manöver, die ihnen Probleme bereiteten, obwohl sie sonst ganz gut mit dem Autofahren klarkommen. Wie Spranger erklärte, seien unter den Frauen einige, die zwar in den 1980er Jahren den Führerschein erworben hätten, aber seither kaum oder nie wieder am Steuer gesessen hätten.
Gründe, sich nun doch wieder ans Lenkrad zu trauen, gäbe es viele. "Da gibt es Frauen, bei denen der Mann plötzlich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fahren kann. Bei einigen von ihnen ist es der nun neu angeschaffte Zweitwagen." Bei anderen wiederum ist der Ehemann wegen Montagearbeiten nicht mehr da und das Auto steht ungenutzt da, obwohl die Ehefrauen es nutzen könnten.
Monika Spranger kennt viele Geschichten und Gründe, weshalb Frauen trotz Fahrerlaubnis nicht am Steuer sitzen. Da sei der Mann, der als Beifahrer stets am Fahrstil der Frau etwas auszusetzen hat, worauf die Damen frustriert aufgeben. Andere Männer hätten Angst, dass ihnen ihre Frauen den Wagen kaputt fahren oder zumindest beschädigen. Aber das seien aus ihrer Erfahrung heraus unberechtigte Ängste. Denn Frauen seien ebenso gute Autofahrer wie Männer. "Viele Frauen trauen sich einfach kaum etwas zu, obwohl sie ganz gut fahren können", sagte Fahrlehrerin Spranger.
Die Fahrlehrerin hat rund 20 Jahre selbst eine Fahrschule betrieben und viele Kurse in der Lila Villa für Frauen gegeben, die sich irgendwann doch wieder ans Steuer trauen wollen und mangels Fahrpraxis gern zuvor etwas üben möchten. "Und das ist auch gut so. Denn wer wirklich lange nicht gefahren ist oder vielleicht früher nur mal kurz Trabant fuhr, sollte sich mit den modernen Autos besser vor dem Wiedereinstieg ein wenig vertraut machen", erklärte Spranger.
Nachdem Marion Seim am Freitag die Theorie-Auffrischung hinter sich gebracht hatte, probierte sie am Samstag dann unter Anleitung von Monika Spranger auf einem großen Parkplatz in Rabenstein einige Fahrmanöver wie etwa das Einparken. "Anfangs war ich aufgeregt und der Umgang mit einem Diesel-Fahrzeug für mich neu. Aber als sich die Aufregung legte, ging es schon ganz gut", so die Kursteilnehmerin.
Marion Seim wird sich nun noch drei oder vier weitere Fahrstunden nehmen. "Ich will schließlich irgendwann mal keine Angst mehr vor der Einfahrt in ein Parkhaus haben", begründete sie. Gut und wichtig für die Testfahrten fand sie, dass es eine Fahrlehrerin und kein Fahrlehrer war, die neben ihr saß. "Ich wollte unbedingt eine Frau neben mir, weil ich finde, dass sie meine Probleme besser versteht als ein Mann", so die Teilnehmerin. Und Monika Spranger berichtete aus Erfahrung: "Manchmal fühlen sich Frauen eben bei einer Frau besser aufgehoben."