Wolfgang Rudelt Wolfgang Rudelt ist besonders traurig, weil auch der aufwändig gebaute Steinbrunnen demnächst verschwinden muss.

Foto: Markus Pfeifer

Kleingärtner müssen Parzellen räumen

Gemeinderat kündigt Vertrag zweier Kleingärtner in Gersdorf

Gersdorf. Oliver Bär ist einer der beiden Gärtner, die am Otto-Resch-Ring ihr kleines Paradies aufgebaut haben. Allerdings nimmt er die Entscheidung gelassen zur Kenntnis. "Ich habe gewusst, dass ein Verkauf droht", sagt der 47-Jährige. Vor allem, weil er nur wenige Meter neben dem Garten wohnt, hatte er sich vor zwölf Jahren entschieden, diesen zu übernehmen.

Kleingärtner schätzt die Aussicht

Trotz des Wissens um einen möglichen Besitzerwechsel hat er auf den rund 250Quadratmetern viel Zeit investiert. Sogar eine kleine Laube steht auf dem Grundstück. "Durch die Nähe zu unserer Wohnung haben wir viel Zeit dort verbracht", sagt Bär. Vor allem die gute Nachbarschaft und die schöne Aussicht schätzt er. Ein Vorkaufsrecht, das ihm die Gemeinde einräumte, kann er allerdings nicht wahrnehmen. "Irgendwie ist das schon traurig, denn ich habe nicht mit dem Verkauf gerechnet", sagt der 47-Jährige.

Wohl auch deshalb, weil viele Jahre an dem Grundstück ein Bauschild stand, jedoch nichts passiert ist. "Potenzielle Interessenten gab es zwar. Aber dass das Grundstück an Kleingärtner verpachtet war, schreckte alle ab", sagte Bürgermeister Wolfgang Streubel (Kommunale Wählervereinigung).

Wolfgang Rudelt, der seinen Garten ebenfalls auf der betroffenen Fläche hat, bedauert die Entwicklung. "Wir hatten gewusst, dass es verkauft werden könnte. Aber jetzt kam es doch überraschend", sagte der 59-Jährige. Vor einigen Jahren hätte er das Grundstück selbst kaufen können, lehnte das damals aber ab. Rund 30 Jahre lang wurde der Garten gehegt und gepflegt. Vor allem die Steine haben es Wolfgang Rudelt angetan. Aus vielen gesammelten Steinen, von denen manche sogar aus dem Urlaub mitgebracht wurden, entstand zum Beispiel ein Brunnen. Der Abriss der Steinbauten und des Gartenhäuschens ist für Rudelt nicht einfach, da er gesundheitlich angeschlagen ist.

"Es muss nun auch relativ schnell gehen", sagte der Rentner, der gehofft hatte, mehr Zeit für die Beräumung zu bekommen. Zudem würde er gern Kontakt mit den neuen Besitzern aufnehmen, um zu klären, ob Baugeräte, die vielleicht ohnehin auf dem Grundstück zum Einsatz kommen, auch bei Abrissarbeiten mithelfen können. Die Nutzung eines neuen Grundstückes ist für Wolfgang Rudelt derzeit eher unwahrscheinlich. "Ich müsste ganz von vorn anfangen", sagt der Gersdorfer, der zum Vorstand der Kleingartenanlage "Morgensonne" gehört.

Ein Paar aus Zwickau will das 1100 Quadratmeter große Grundstück für rund 23.000 Euro erwerben. Bis es mit dem Bau losgehen kann, benötigen die Zwickauer allerdings Geduld. Denn die Pachtverträge der Kleingärtner laufen erst zum Jahresende aus. Da zwei Parzellen bereits leer stehen, sind nur zwei Pächter davon betroffen. Sie dürfen jedoch auf eine Entschädigung hoffen, die die Gemeinde von dem Verkaufserlös nehmen kann. Auf die Höhe will sich der Bürgermeister jedoch noch nicht festlegen.

Kündigung ist rechtens

Wie viel der Garten wert ist, das könnte eine Schätzkommission der Kleingärtner ermitteln, die ein genaues Bestandsverzeichnis der Parzelle anlegen. Dort wird dann der Wert der Pflanzen und der Anlagen ermittelt. "Die Abfindung wird zwischen den beiden Kleingärtnern und der Gemeinde geregelt", sagte der Vorsitzende der Gartensparte "Morgensonne", Günter Hahn. Die Kündigung durch die Gemeinde ist laut Hahn rechtmäßig. Dies habe eine Nachfrage beim Territorialverband der Kleingärtner in Hohenstein-Ernstthal ergeben.

 
erschienen am 20.02.2012 ( Von Thomas Mehlhorn und Markus Pfeifer )
 
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