Kommentar: Weltkultur im kleinen
Das Welterbeprojekt "Montanregion Erzgebirge", das Kommunen und Regionen in Sachsen und Tschechien vorbereiten, erlebt derzeit eine harte Zeit und einen herben Rückschlag. Die Regierung des Freistaats hat das Vorhaben vor 13 Jahren selbst auf die deutsche Warteliste für einen internationalen Unesco-Welterbetitel gesetzt und ein Zusammengehen mit dem Nachbarn angeregt. Nun behandelt das aktuelle Kabinett das Vorhaben gelinde gesagt stiefmütterlich.
Während im sächsischen Erzgebirge die Zustimmung und mancherorts sogar die pure Begeisterung über diesen Hoffnungsschimmer einer künftigen Entwicklung wächst, steht die Landesregierung - anders kann man es kaum noch sehen - auf der Bremse. Das Dresdner Kabinett fährt dabei einen schwer durchschaubaren Kurs und spielt dabei derart derb über die Bande, dass das sächsisch-tschechische Verhältnis wohl nicht ohne Blessuren bleibt.
Noch vor einem Jahr hieß es, man wolle Volkeswille nicht im Weg stehen. Daraufhin rauften sich die Städte, Dörfer und Landkreise in Sachsen zusammen und scharten sich um das Projekt. Jede stimmte über eine Projektstudie mit ihren Entwicklungsinteressen, mit Straßenbauvorhaben und selbst mit der Möglichkeit eines Wiederauflebens des Bergbaus ab. Es wurde eine Mammutarbeit geleistet. Mit ihrem Fortschreiten wurden die Träger der Bewegung dies- und jenseits des Erzgebirgskamms sicherer, auf dem richtigen Weg zu sein.
Umso heftiger ist jetzt das Erwachen. Dabei wird über die Motive der brüsken Zurückweisung der Nachbarn gerätselt. Handelt es sich etwa um eine Retourkutsche für die von Tschechien geplanten Elbe-Staustufen, die Sachsen vehement ablehnt? Sollte Politik wirklich so kindisch sein?
Erst diese Woche trat das sächsische Kabinett in Bad Muskau zusammen. Der dortige Fürst-Pückler-Park ist Unesco-Welterbe. Aber nicht weil ihn Sachsen dazu gemacht hat, sondern weil Polen diese Aufgabe vor Jahren übernahm. Beim Nachbarn liegt der größere Teil des Parks. Der Freistaat trat dem Projekt "nur" bei und der Park als Ganzes weiß, was er Gutes davon hat. Ein solches Zusammenwirken soll jetzt im Erzgebirge mit Tschechien nicht möglich sein? Wenn es heißt, Erben will gelernt sein, sollte sich Sachsen an Bad Muskau eine Nachhilfelektion verordnen.