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Krankenhäuser unter Spardruck
Wirtschaftliche Lage jeder fünften Klinik ist angespannt - Standortschließungen sind in Sachsen nicht zu befürchten
Chemnitz. Fachkräftemangel, Kostendruck, Geldnot: Die Kliniken im Freistaat befinden sich laut Stephan Helm in schweren Zeiten. Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen schätzt, dass jede fünfte Klinik ohne Gewinn arbeitet. Damit liegt der Freistaat im republikweiten Trend: Erst vor kurzem hatte das Deutsche Krankenhausinstitut ermittelt, dass 20 Prozent der Einrichtungen Defizite anhäufen.
Helm betont jedoch auch, dass in Sachsen kein Standort gefährdet ist. Er reagiert mit dieser Aussage auf Schlagzeilen, die der Chef der größten Krankenkasse Barmer GEK zu Jahresbeginn gemacht hatte. Der Kassenvorstand regte im Interview mit der Zeitung "Die Welt" die Schließung unrentabler Kliniken an und plädierte für mehr ambulante Behandlungen. Helm: "Für Sachsen sind Schließungen kein Thema." Die Strukturen seien modern und die Häuser leistungsfähig. Darin ist er sich mit dem sächsischen Gesundheitsministerium einig. "Die Modernisierung der Krankenhäuser ist in Sachsen weitgehend abgeschlossen", betont Ministerin Christine Clauß (CDU). "Fusionen oder Schließungen von Kliniken sind kurzfristig nicht zu erwarten. Wir haben sehr effiziente Strukturen." Stattdessen sei mit dem Ausbau von Kooperationen zu rechnen. Nicht jeder Standort werde künftig jede Spezialleistung anbieten. Auch so ließen sich Kosten sparen und die Versorgung verbessern. Beispiel für eine gute Zusammenarbeit ist laut Clauß das Geriatrienetzwerk unter Regie des Klinikums Chemnitz. Bei dem Modellprojekt sind ambulante und stationäre Versorger im Bereich der Altersmedizin verknüpft worden.
Trend: Bettenzahl sinkt weiter
Die älter werdende Gesellschaft ist laut Clauß eine Herausforderung für die medizinische Versorgung. Als ein Beispiel nennt sie die wachsende Zahl psychischer und psychiatrischer Leiden, unter anderem demenzielle Erkrankungen. Dies werde sich auch im Krankenhausplan 2012/13, der am morgigen Dienstag vom Kabinett beschlossen wird, widerspiegeln. "Eine Ausweitung der Kapazitäten in den psychischen Fachgebieten ist unumgänglich", sagt Clauß. Im Landesdirektionsbezirk Chemnitz sollen zum Beispiel 30 zusätzliche Betten im Psychiatriebereich entstehen. Die meisten Fachdisziplinen müssen hingegen Kapazität abbauen. Clauß: "Tendenziell ist mit weiter rückläufigen Bettenzahlen zu rechnen."
Die Details erfahren die Standorte aus dem Krankenhausplan. Das Papier ist die Planungsbasis für alle 79 Kliniken im Freistaat. Die Bettenanzahl ist ein wesentliches Kriterium für die Geldzuweisungen des Landes und der Krankenkassen. Helm von der Interessenvertretung der Kliniken bemängelt zum einen, dass der Plan mit mehrmonatiger Verspätung kommt und deshalb noch keine Budgetverhandlungen mit den Krankenkassen stattfinden konnten. Zudem kritisiert er mit Verweis auf die Zunahme älterer Patienten, dass die Kapazität der Krankenhäuser weiter sinkt. Für 2012 war in Summe ein Mehrbedarf von 1770 Betten angemeldet worden.
Helm: "Grundlage war die tatsächliche Nachfrage." Das wäre eine Aufstockung um sieben Prozent gewesen. Ein solches Plus wird vom Ministerium ausgeschlossen. Schließlich nehme nicht nur die Zahl älterer und langwierigerer Patienten zu, sondern auch die der jüngeren ab. Für die Kinder- und Jugendmedizin als auch bei somatischen Erkrankungen sinke im Zuge des demografischen Wandels die Nachfrage nach medizinischer Behandlung.
Hickhack um nötige Investitionen
Rückläufig entwickelt sich auch das Investitionsgeschehen an den Krankenhäusern. Rund 88 Millionen Euro sind in diesem Jahr als Einzel- sowie Pauschalförderung des Landes geplant. Helm sagt, dass sich damit weder die Substanz erhalten noch Innovationsprojekte finanzieren ließen. Das Sozialministerium betont hingegen, dass Sachsens Krankenhauslandschaft bereits hochmodern ist und die Ausstattungen besser als in vielen westdeutschen Bundesländern. Rund fünf Milliarden Euro seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten in die Kliniken investiert worden, davon 3,5 Milliarden vom Freistaat.