Ortsmitte von Weischlitz Sonntagmittag am Alten Gut in der Ortsmitte von Weischlitz: Mit Sandsäcken wurde versucht, dass Wasser nach einem Starkregen kontrolliert in die Weiße Elster abzuleiten. Die Säcke bleiben jetzt griffbereit.

Foto: Ellen Liebner

Land unter in Weischlitz: Hochwasser überflutet Dorf

Bewohner versuchen Wassermassen Herr zu werden - Ende nicht in Sicht

Weischlitz. Erst am Sonntagmittag war wieder Land unter gewesen - gerade einmal drei Tage nach der letzten Flut. Wenigstens konnte das Wasser diesmal weitgehend von der bereits drei Mal in Mitleidenschaft gezogenen Grundschule ferngehalten werden. "Unser Konzept mit den Sandsack-Barrieren ist aufgegangen," gewinnt Bürgermeister Steffen Raab (Freie Wähler Weischlitz) dem Ganzen noch etwas Gutes ab.

So könne das Wasser über die Schulstraße und die Mittelstraße kontrolliert in Richtung Altes Gut geleitet werden. Dort fließt es entweder über die Kanalisation in die Elster oder es wird von der Feuerwehr in den Fluss gepumpt. "Am Sonntag kamen wir ohne Pumpen aus", so Raab. Trotzdem: Die Feuerwehrleute und auch die Mitarbeiter des Bauhofes seien mittlerweile an der Grenze ihrer Belastbarkeit angelangt. Nicht nur wegen der zahlreichen Einsätze, kurzfristig mussten zusätzlich einige Tausend Sandsäcke gefüllt werden. Raab: "Hut ab vor dieser großartigen Leistung."

Ortsmitte von Weischlitz Ausgehend von einem am Ortsrand gelegenen Maisfeld hat das Wasser bereits tiefe Furchen in den Boden gespült.

Foto: Ellen Liebner

Die Ursache für die viele Arbeit sieht Raab nicht nur in den heuer ungewöhnlich starken Niederschlägen. Mehr als 40 Liter pro Quadratmeter wurden innerhalb kurzer Zeit gemessen. Vor allem ein großes Maisfeld oberhalb des Dorfes sei schuld. Mais fördere die Erosion des Bodens, ließ sich Raab von Fachleuten erklären. "Weil die einzelnen Pflanzen ziemlich weit auseinanderstehen." Raab: "Eine Wiese mit dichtem Bewuchs dort wäre bestimmt besser." Mit den Landwirten sei man im Gespräch, künftig in diese Richtung umzudenken.

Doch nicht nur die Wahl der Saat ist ausschlaggebend. "Einst gab es zwischen dem Feld und der Bebauung Wege und Hecken, die Wassermassen gegebenenfalls aufhalten konnten", sagt Ralf Reichmann, der früher gleich nebenan wohnte, jetzt im benachbarten Kürbitz lebt und im Weischlitzer Gemeinderat sitzt. Reichmann ist zudem Berufsfeuerwehrmann in Plauen und bestätigt: "Starkregen nehmen zu. Darauf müssen wir uns künftig einstellen." Eingriffe in die Landschaft wie etwa das Beseitigen von Hecken seien falsch. Speziell für das Schulgelände schlägt Reichmann nun den Bau eines Auffangbeckens vor.

Ortsmitte von Weischlitz Wege im Ort wurden ausgespült.

Foto: Ellen Liebner

Derweil tritt Bürgermeister Raab Stimmen im Dorf entgegen, wonach für die Schäden am erst vor zwei Jahren fertig gestellten Schulanbau Baupfusch verantwortlich sei. Dort standen die Kellerräume unter Wasser. Die Reparatur wird einen sechsstelligen Betrag verschlingen.

"Sicher, wir hätten das Gebäude auch auf Stelzen stellen können, aber dann hätte es statt zwei vielleicht vier Millionen Euro gekostet. Und wenn wir auf den Keller verzichtet hätten, hätten wir jetzt womöglich eine unterspülte Bodenplatte", sagt Raab.

Mit so viel Wasser habe einfach keiner rechnen können. Das sieht auch Falk Fauth so, der als Bauplaner am Projekt beteiligt war: "Das Entwässerungssystem dort ist ansonsten völlig ausreichend."

 
erschienen am 09.07.2012 ( Von Thomas Stranz )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 10.07.2012
    17:35 Uhr

    Holzinger: Immer mehr zubetonieren und asphaltieren, dann wird´s besser. Frühere Generationen waren schlauer und wußten das man Wasser nicht aufhalten kann und ableiten muß. Ins Abwassersystem gehört Regen- und Drainagewasser aber auch nicht. Aber heute sind alle schlauer überall nur Gescheite am Werk. Das sind dann halt die Auswirkungen.

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