Im Landkreis Mittelsachsen ist die Sehnsucht nach den alten Kfz-Kennzeichen am größten. Im Landkreis Mittelsachsen ist die Sehnsucht nach den alten Kfz-Kennzeichen am größten.

Foto: Falk Bernhardt/Archiv

Bundesrat könnte Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen noch in diesem Halbjahr zustimmen

MW, HOT und PL greifbar nahe

Chemnitz. Die Wiedereinführung alter Kfz-Kennzeichen ist in greifbare Nähe gerückt. Eine seit Juni vergangenen Jahres dafür eingesetzte Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat einen entsprechenden Umsetzungsvorschlag jetzt in einer Sondersitzung letztmalig beraten. In zwei Wochen soll er dem Bundesrat zugeleitet werden. Der könnte sich möglicherweise noch in diesem Quartal, spätestens bis Ende des ersten Halbjahres, damit befassen. Zur Umsetzung reicht eine Mehrheit der Stimmen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass jene Länder, die nichts von der Wiedereinführung der alten Kürzel am Nummernschild halten, die Pläne stoppen, sagte Jan Mücke (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium der "Freien Presse". Das Thema sei umfassend diskutiert worden.

Als Grund nannte Mücke, dass man die Umsetzung vereinfacht habe. Es würde nicht, wie ursprünglich geplant, eine bundesweite Anlage mit tabellarischer Auflistung der neuen Kennzeichen als Ergänzung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung geben. Vielmehr könnte jedes interessierte Bundesland jederzeit entsprechende Anträge stellen. "Alles andere hätte zu lange gedauert", sagte der FDP-Politiker. Dem Lokalpatriotismus am eigenen Auto noch ab diesem Jahr dürfte damit kaum noch etwas im Wege stehen.

Vergangenen Herbst hatte das noch ganz anders geklungen. Die Auffassungen der Bundesländer zu der von Sachsen und Thüringen angestoßenen Initiative gingen weit auseinander. Viele warnten vor beträchtlichen Kosten und hohem Aufwand in den Verwaltungen. Dem sächsischen Verkehrsminister Sven Morlok (FDP) warf man Profilierungsgehabe mit einem populistischen Thema vor. Andere Gegner fanden den Vorstoß von Haus aus unsinnig, vor allem, weil in einigen alten Bundesländern die Abschaffung früherer Kennzeichen im Zuge von Kreisreformen lange zurück liegt und damit längst abgehakt ist.

Kennzeichen gibt Heimatgefühl

Ins Rollen hatte die Kennzeichendebatte der Heilbronner Professor Ralf Borchert gebracht. Mit einem Team von Wissenschaftlern der Hochschule Heilbronn hatte er in 140 Städten mehr als 30.000 Interviews mit Bürgern zu ihren Beweggründen und Wünschen geführt, darunter mehr als 3500 Sachsen in 14 Städten. 86 Prozent der befragten Sachsen sagten "Ja" zu den alten Buchstaben. 25 Städte haben inzwischen entsprechende Anträge beim sächsischen Wirtschaftsministerium gestellt. Bundesweit bemühen sich 140 Städte um die alten Privilegien. "Im Kfz-Kennzeichen sehen viele die wichtigste Marke ihrer Stadt", schlussfolgert Borchert. Nach einer Untersuchung von Marketing-Experten wird jedes Autokennzeichen in Deutschland pro Tag im Durchschnitt 50-mal wahrgenommen. Würde das mehr als 20.000 Einwohner zählende Glauchau und sein Umland von Z wieder zu GC wechseln, würden damit täglich rund eine Million Menschen konfrontiert.

Laut Jan Mücke sieht die Neuregelung folgendes vor: Die Bundesländer können die neuen alten Kennzeichen beim Bundesverkehrsministerium beantragen. Wenn es dabei keine "grob sittenwidrigen" Vorstöße gibt, werde man die Wünsche respektieren. Die Zulassungsstellen der kreisfreien Städte und der Landkreise erhalten das O. K. und damit die Möglichkeit, sowohl die derzeit gültigen als auch die neu genehmigten alten Kennzeichen auszugeben - zum Beispiel V und PL im Vogtlandkreis.

Bürger an Mehrkosten beteiligt

Mücke geht davon aus, dass für alte Kennzeichen, ähnlich wie beim jetzigen Wunschkennzeichen, ein Aufpreis in der Zulassungsstelle zu zahlen ist. Damit werde der Antragsteller an den Mehrkosten beteiligt. Regionen, die das Thema kaum berührt, wie Berlin, das Saarland oder Rheinland-Pfalz, können alles beim Alten lassen.

Wie groß der Wechselwille zum neuen Kennzeichen ist, bleibt abzuwarten. Die Umkennzeichnung eines Autos kostet 26 Euro. Hinzu kommen bis zu 20 Euro je nach Kreis und Stadt für ein Wunschkennzeichen zum Beispiel mit den eigenen Initialen oder den Zahlen aus dem Geburtsdatum. Weitere 25 Euro sind für einen Satz neuer Nummernschilder fällig. In Sachsen waren die ursprünglichen Kennzeichen stufenweise, zuletzt 2008 im Zuge der Kreisreform, abgeschafft worden.

 
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Anwärter und Rechtslage
 
erschienen am 27.01.2012 ( Von Gabi Thieme )
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