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Monika Schmidt im Anbau ihres Hauses. Die Polstermöbel sind zum Schutz vor Schmutz abgedeckt, weil in den anderen Erdgeschossräumen gerade der Putz und die Fußböden erneuert werden müssen.

Foto: Andreas Seidel

"Man hat uns regelrecht absaufen lassen"

Chemnitzer Flutopfer fordern schnelle Verbesserung des Hochwasserschutzes

Von Michael Brandenburg
erschienen am 19.09.2010

Chemnitz. Unmittelbar am Zusammenfluss von Würschnitz und Zwönitz, auf der Harthauer Seite der Schulstraßen-Brücke, steht das über 100 Jahre alte Haus von Monika Schmidt. Einen Meter hoch hat im Erdgeschoss am 7. August das Wasser gestanden. Schäden von mehr als 30.000 Euro sind entstanden. Das Haus gehört seit Generationen der Familie. "Es hat uns schwerer getroffen als 2002, zum Glück bekommen wir erneut den Großteil von der Versicherung ersetzt", sagt Monika Schmidts Ehemann Gunter. Bis Weihnachten, so hoffen beide, wollen sie mit Putz abhacken, Trockenlegung und Renovierung in ihrer Wohnung fertig sein.

Dabei hatten sie am 7. August alles versucht, um die Schäden zu begrenzen. Etwa ab 6 Uhr bemühte sich Monika Schmidt um Informationen zur Hochwasserlage. "Im Videotext war noch Warnstufe 2", erzählt die 56-Jährige. Weil der Notruf 112 permanent besetzt war, rief sie direkt die Feuerwache an der Schadestraße an und bekam nach längerem Klingeln die Auskunft "Es regnet weiter", wie sie berichtet. Ob sie ihre Wohnung ausräumen sollten, müssten sie selbst wissen, habe der Diensthabende geraten.

Haus und Garten Haus und Garten von Monika Schmidt waren am 7. August geflutet. Auf dem Balkon ihre Eltern Ruth und Heinz Reuter.

Foto: Privat

Gestapelte Sandsäcke nutzlos

Die Harthauer stapelten Sandsäcke vor ihre Haus- und Hoftüren und kümmerten sich um die drei Pumpen, die eindringendes Grundwasser aus dem Keller absaugten. "Das hätten wir aus heutiger Sicht besser sein lassen sollen. Da hätten wir wenigstens zwei Stunden Zeit gehabt, um Schränke auszuräumen", ärgert sich Monika Schmidt inzwischen. Denn nach 8 Uhr habe das Wasser von allen Seiten ungewöhnlich schnell das Haus geflutet. Die Sandsäcke waren nutzlos. "Wir waren richtig wütend, dass man uns hat regelrecht absaufen lassen", sagt sie.

Die Überflutung hätte ihrer Meinung nach verhindert werden können, wenn der Hochwasserschutz in dem Gebiet nach der Flut 2002 schneller verbessert worden wäre. "Da wird über Monate an der Zwönitzbrücke eine teure Fischtreppe gebaut", schüttelt sie im Rückblick den Kopf. Durch das jüngste Hochwasser habe sich dort etwa einen Meter hoch Schotter abgelagert. "Es ist eine Frage der Zeit, bis sich deswegen bei starkem Regen erneut Wasser an den Brücken staut, wenn die Gesteinmassen nicht baldigst ausgebaggert werden", fürchtet die Harthauerin.

Das von ihr alarmierte Umweltamt der Stadt habe auch umgehend eine Ortsbesichtigung vorgenommen. Das Ausbaggern sei allerdings wegen "nicht vorhandener Gelder" Zukunftsmusik, sei den Schmidts mitgeteilt worden. Dabei würden in Chemnitz so viele Gelder verschwendet, so für den sinnlosen Bau einer neuen Brücke am Falkeplatz und die Erneuerung des Markt-Pflasters, findet die 56-Jährige. Im Rathaus sollte ohne Parteiengezänk schnell gehandelt werden, fordert sie. Von der Talsperrenverwaltung in Lengefeld, die sie am 24. August gebeten habe, die Ufermauer am Grundstück zu erhöhen, fehle seitdem jede Reaktion.


 

Reinigung der Flussbetten läuft

Auf Anfrage von "Freie Presse" bestätigte die Sprecherin der sächsischen Landestalsperrenverwaltung (LTV), Sandra Kundel, dass die Stadtverwaltung am 23. August um Beseitigung der Sedimentablagerungen im Flussbett der Zwönitz gebeten hat. Unmittelbar nach der Flut hätten jedoch zunächst Notfallsicherungen Priorität gehabt, erklärt sie. Inzwischen laufe aber die Beseitigung von Ablagerungen in den Flussbetten. "Die Kollegen sind hierfür derzeit an und in der Chemnitz aktiv und arbeiten sich in Richtung Zusammenfluss von Würschnitz und Zwönitz vor", berichtet die LTV-Sprecherin. Die Beräumung im Bereich des Hauses von Monika Schmidt sei nach derzeitigem Plan für Oktober vorgesehen.

Sandra Kundel erläutert, wie der Hochwasserschutz verbessert werden soll: "Entlang der Zwönitz ist wegen der Bebauung, die teilweise bis dicht an den Fluss reicht, sinnvollerweise nur ein Schutz vor einem statistisch alle 25 Jahre auftretenden Hochwasser möglich." Auf dieser Grundlage seien die Schutzmaßnahmen seit 2002 geplant worden. Nach diesen Berechnungen seien für das Grundstück von Monika Schmidt keine Schutzmaßnahmen vorgesehen gewesen. Denn es wäre laut Statistik selbst von einem Hochwasser, wie es im Durchschnitt nur alle 50 Jahre an der Zwönitz vorkommt, nicht betroffen gewesen, so Sandra Kundel.

Strömung wird neu berechnet

Beim jüngsten Hochwasser habe sich aber die angeschwollene Würschnitz am Zusammenfluss bis in die Zwönitz gestaut. Die LTV habe deshalb mit den aktuellen Erkenntnissen eine neue Berechnung des Strömungsverhaltens in Auftrag gegeben. Es seien noch umfangreiche Vermessungsarbeiten und Bestandsaufnahmen notwendig, um das Hochwasser realistisch abbilden zu können. "In diesem Zusammenhang werden auch die Brückenbauwerke und Stützmauern im unmittelbaren Anschlussbereich des Grundstücks von Frau Schmidt betrachtet", versichert die Sprecherin. Wenn die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorliegen, sollen sie mit den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen abgeglichen werden.

Auch die Stadtverwaltung sagte zu, den Fall der Familie Schmidt noch einmal zu prüfen.

Bilder vom Hochwasser





Die aktuellen Pegelstände in Sachsen

Die Daten werden bereitgestellt vom Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen


 
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