Michael Quast geht als CMT-Geschäftsführer, Gerold Münster als ASR-Chef. Werner Rohr hat das Tietz verlassen, Hermann Will den Tierpark (v.l.).

Foto: Truxa/Archiv

Manager-Flucht in Chemnitz: Nun wirft der Tourismus-Chef hin

Nach Tietz, Tierpark und Stadtreinigung verliert auch die CMT ihren Geschäftsführer

Chemnitz. Den städtischen Eigenbetrieben und Tochtergesellschaften in Chemnitz geht langsam das Leitungspersonal aus. Mit dem Geschäftsführer der City-Management und Tourismus-Gesellschaft (CMT), Michael Quast, tritt bereits der vierte Chef einer kommunalen Firma den freiwilligen Rückzug an. Im vergangenen Jahr hatten Tierpark-Direktor Hermann Will und der Leiter des Kultur- und Veranstaltungszentrums Tietz, Werner Rohr, ihre Posten aufgegeben. Rohr ging im Streit ums Geld, nachdem die Rathaus-Spitze mit dem Spar- und Kürzungspaket auch das Tietz-Budget zusammenstreichen wollte. Der Tierpark-Direktor hingegen warf hin, weil die Stadt seine ehrgeizigen Pläne zur Erweiterung der Einrichtung nicht umsetzen wollte. In dieser Woche kündigte zudem der Chef des Stadtreinigungsbetriebes ASR, Gerold Münster, an, seinen bis Herbst laufenden Vertrag nicht zu verlängern, um stattdessen zu einem privaten Entsorgungsunternehmen nach Dresden zu wechseln.

Und nun also Michael Quast. Nach "Freie Presse"-Informationen soll der 46-Jährige einen neuen Job in Bayern angenommen haben. Auf Anfrage wollte er sich gestern allerdings nicht dazu äußern, was die Gründe für seinen Wechsel sind. Ob der Rückzug in direktem Zusammenhang mit der öffentlichen Kritik von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an seiner Person steht, bleibt damit Spekulation.

Das Stadtoberhaupt hatte Quast in der vergangenen Woche dafür gescholten, dass die Tourismusgesellschaft dem Türmer zum Jahresende 2010 betriebsbedingt gekündigt hatte. Quast rechtfertigte die Maßnahme mit dem Umstand, dass die Stadt ihren Zuschuss für die Tourismusgesellschaft in diesem Jahr um insgesamt 64.000 Euro gekürzt hatte. Nachdem die "Freie Presse" über den Fall berichtet hatte, forderte Ludwig Quast öffentlich dazu auf, in Sachen Türmer "eine gute Lösung" zu finden. Der CMT-Chef soll der OB daraufhin Scheinheiligkeit vorgeworfen haben. Zugleich sagte Quast öffentlich, er sei ratlos, wie er mit weniger Geld eine Lösung finden solle.

Der aus Duisburg stammende Manager hatte die CMT-Geschäftsführung 2006 übernommen. Zuvor war er bei der Leipziger Tourismus-Gesellschaft beschäftigt. Bei seinem Amtsantritt hatte er erklärt, er sehe seine wichtigste Aufgabe darin, die Zahl der Besucher in Chemnitz zu steigern. Zumindest dieses Ziel hat er verfehlt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes übernachteten 2006 annähernd 419.000 Hotelgäste in der Stadt, im Jahr 2009 - aktuellere Zahlen liegen der Behörde derzeit noch nicht vor - waren es 418.800.

Angesichts der schleppenden Entwicklung des Fremdenverkehrs in Chemnitz waren die städtischen Tourismus-Verantwortlichen seit jeher öffentlicher Kritik ausgesetzt. So hatten auch Quasts Amtsvorgänger Franz Muigg und Kathrin Hillig freiwillig das Handtuch geworfen. Muigg ging im März 2006 aus "persönlichen Gründen"; Hillig trat im August 2001 aus "sachlichen und familiären" Motiven zurück.

 

 
erschienen am 21.01.2011 ( Von Swen Uhlig )
 
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