Kurz vor Ende der Demonstration hatte sich der Verkehr auf etwa zwei Kilometer Länge in Richtung Marienberg gestaut.
Foto: Jan Görner
Mehr als 200 Demonstranten machen B 174 eine Stunde dicht
Reitzenhainer protestieren gegen die Verkehrsbelastung
Reitzenhain. Gespenstische Stille hat die 200 Demonstranten auf ihren ersten Metern am Freitag ab 17 Uhr in Reitzenhain begleitet. Nur wenige Stunden zuvor war die B 174 gesperrt worden. "Die Leute scheinen die Ruhe zu genießen, die sie seit vielen Jahren so vermissen", sagte Veronika Grahnert. Sie gehört zur Arbeitsgruppe für ein schöneres Reitzenhain, die die Demonstration organisiert hatte.
Nach der Ruhe begannen die Rufe: "Lärm und Gestank machen uns krank". Vuvuzelas und Trillerpfeifen zerrissen die Stille. Langsam liefen die Protestierenden mit ihren Transparenten vom Grenzübergang in Richtung Wendeschleife am Imbissplatz. Losungen wie "Autobahnmaut für die B 174", "Geschwindigkeitskontrollen im Ort", "Die B 174 ist kein Sachsenring", "Unsere Geduld ist am Ende", "Ortsumgehung jetzt", "Wir brauchen eine Fußgängerampel" und viele andere mehr waren auf den Schildern zu lesen. Auch die Kinder wurden mit den Transparenten ausgestattet. "Wir sind die Zukunft" und "Was wird aus uns?", war auf ihnen zu lesen.
"Die breite Resonanz ist für uns ein riesiger Erfolg, sie zeigt, dass wir unseren Mitbürgern aus der Seele sprechen", sagte Veronika Grahnert. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus umliegenden Orten. Günter Meister aus Großolbersdorf etwa sagte: "Wir zeigen uns mit den Reitzenhainern solidarisch, wir wissen, was die Leute Tag für Tag durchmachen." Christoph Siegert aus Reitzenhain erklärte das so: "Bei uns rasen täglich weit mehr als die angenommenen 1000 Laster donnernd und scheppernd an unseren Häusern vorbei. Man kommt kaum über die Straße." Viele Tage zählte er stundenweise Fahrzeuge, fertigte Strichlisten an. Manchmal zählte er mehr als 700 Lastkraftwagen in einer Stunde.
Am Freitag aber mussten die Autofahrer eine Stunde lang an der Sperrscheibe stehen. Zum größten Teil standen Lkw aus der Tschechischen Republik und der Slowakei in der etwa zwei Kilometer langen Schlange.
Jennifer Bothen aus Mittelsachsen wollte zum Einkaufen über die Grenze fahren. "Natürlich ist es für mich nicht gerade schön, dass es nicht weiter geht", sagte sie. Im gleichen Atemzug betonte die 23-Jährige aber auch, dass sie Verständnis für das Anliegen der Demonstranten hat. Nach 19 Uhr hatte sich der Stau in Reitzenhain nach Angaben der Polizei wieder aufgelöst.