Markus Ruhs ist öfter in seiner Heimatstadt Crimmitschau, um seine Eltern zu besuchen. Markus Ruhs ist öfter in seiner Heimatstadt Crimmitschau, um seine Eltern zu besuchen.

Foto: Thomas Michel

Moderner Priester liest auch Facebook

Am Samstag hält ein junger Crimmitschauer seinen ersten Gottesdienst

Crimmitschau. Markus Ruhs ist ein moderner junger Mann. Computer, Laptop, Handy, Facebook - all das gehört für den 27-jährigen Crimmitschauer zum Alltag. Seine Hobbys sind Wandern, bevorzugt im Thüringer Wald und das Schachspielen. Das hat er als Jugendlicher zehn Jahre im Crimmitschauer Postsport-Verein sehr ernsthaft betrieben. Zur Theatergruppe gehörte Markus Ruhs als Schüler des Crimmitschauer Motteler-Gymnasiums, hatte Spaß an Sketchen und daran, in wechselnde Rollen zu schlüpfen.

Alles sehr weltlich. Und jetzt so ein Beruf, so eine Berufung. Markus Ruhs wurde im vorigen Monat zum katholischen Priester geweiht. Der feierliche Akt, den Bischof Joachim Reinelt in der Dresdner Kathedrale vornahm, ist für den jungen Mann zugleich Ende, aber auch Anfang. Eine fast zehnjährige, umfangreiche Ausbildung, unter anderem im Erlernen alter Sprachen, fand damit ihren Abschluss. Der Crimmitschauer studierte von 2004 bis 2009 Theologie in Erfurt und Innsbruck, schloss ein Praktikum in der Chemnitzer Propsteipfarrei an. Seine Diplomarbeit über das Wirken von Kardinal Adolf Bertram (1859 bis 1945, Erzbischof von Breslau) brachte ihm den Förderpreis der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt ein. Sein Schul- und Pastoralpraktikum absolvierte Ruhs in der Pfarrei St. Johann Nepomuk in Zwickau.

Am Samstag beginnt er nun seinen Dienst mit einem ersten Gottesdienst als Kaplan im Chemnitzer Propstei-Pfarramt am Fuße des Kaßberges. Der 27-Jährige wird unter anderem auch in der Studentenseelsorge tätig sein. Er wird Messen feiern, Sakramente spenden, Eheschließungen und Taufen genauso wie die Krankensalbung vornehmen sowie die Beichte abnehmen.

Markus Ruhs erster Einsatzort ist also nicht sehr weit weg von Zuhause. So kann er die Eltern öfter besuchen. "Der Kontakt zu ihnen ist mir sehr wichtig, ein inneres Bedürfnis." Im Elternhaus wurde der Grundstein für seine berufliche Orientierung gelegt. Die Eltern Annemarie und Heinz Ruhs leben den katholischen Glauben mit ganzem Herzen. Ein knappes Jahr vor dem Abitur fällte ihr einziger Sohn die Entscheidung: Ich werde katholischer Priester. "Ich hatte auch noch Lehrer als Beruf im Sinn." Seine Eltern unterstützten ihn bei seiner Entscheidung. "Wenn du das wirklich willst, dann mach das", sagten sie in der Gewissheit, niemals eine Schwiegertochter oder Enkelkinder zu haben.

In der Dresdner Kathedrale wurden am 26. Mai durch Bischof Joachim Reinelt die Diakone Markus Ruhs, Oliver Gonda und Martin Kochalski (von rechts) zu Priestern geweiht. In der Dresdner Kathedrale wurden am 26. Mai durch Bischof Joachim Reinelt die Diakone Markus Ruhs, Oliver Gonda und Martin Kochalski (von rechts) zu Priestern geweiht.

Foto: Katja Frohberg

Über diese Familienbande, die er nie knüpfen wird, hat auch Markus Ruhs ziemlich lange nachgedacht. Darüber, ob er es möchte, frauen- und ehelos zu leben. "Sicher gab es kritische Momente der Prüfung. Aber innerhalb der fast zehn Jahre meiner Ausbildung habe ich diese Entscheidung für mich getroffen." Das tun beileibe nicht alle. Fast zwei Drittel der jungen Männer entscheiden sich in der Lern- und Lehrzeit gegen Gott und für ihr privates Glück. Für Markus Ruhs ist das Thema durch. Obwohl: "Wenn die katholische Kirche mehrheitlich zu der Auffassung käme, dass dieser Punkt reformiert werden muss, wäre das in Ordnung." Er selbst würde wohl trotzdem ohne Familie bleiben. "Die Rolle eines Priesters, so wie ich sie verstehe, wäre für mich dann nicht mehr lebbar. Ich möchte ganz und gar für meine Gemeinde da sein. Pflichten in der eigenen Familie lenken davon nur ab. Die gänzliche Hingabe an die Gemeinde ist eine besondere Gnade Gottes." In diesem Sinne hat er auch seinen Primizspruch, einen Satz aus dem 2. Korintherbrief gewählt: "Denn die Liebe Christi drängt uns." Dieser Lebens- und Leitspruch wurde von ihm auf der ersten Messe, die er in Zwickau hielt, zitiert. Dem Leben verschließt sich der junge Priester nicht. Der Gang ins Kloster kommt für ihn deswegen derzeit nicht infrage. Er will das Gemeinleben mitgestalten, sich austauschen, mitten drin sein. Vielleicht sogar Theater spielen.

Die schweren Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Vertreter der katholischen Kirche haben Markus Ruhs tief erschüttert. "Vor allem, weil es Priester betraf, die ich in den zurückliegenden Jahren selbst kennen gelernt hatte." Auch bei diesem Thema weicht Markus Ruhs den Fragen der Leute nicht aus, die ihn zum Beispiel in der Stadt, im Bus oder in der Bahn ansprechen. "Die meisten sind nicht bösartig, sondern neugierig. Ich hatte schon viele Gespräche, die ich als sehr gewinnbringend empfand." Dass nicht jeder versteht, warum er den Priesterberuf gewählt hat, und das nur mit einem Kopfschütteln quittiert, damit kann Markus Ruhs gut leben.

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Annegret Riedel )
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