Eine Stützmauer am Bahndamm in Deutschneudorf, die scheinbar nichts stützt. Für Jörg Hoyer eine Stelle, die untersucht werden muss.  
Eine Stützmauer am Bahndamm in Deutschneudorf, die scheinbar nichts stützt. Für Jörg Hoyer eine Stelle, die untersucht werden muss.

Foto: Mario Ulbrich

Neuer Jäger im Schatzsucherdorf

Wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschneudorf ein Schatz versteckt? - Dresdner Militärhistoriker tritt mit einer neuen Spur an die Öffentlichkeit

Deutschneudorf. Auf einem abgeschiedenen Gelände in Dresden, unweit der Autobahnabfahrt "Wilder Mann", steht eine seltsame Brücke. Ziegelwände, der gemauerte Bogen einer Unterführung, ein Stück Bahndamm: ein Eisenbahnviadukt. Aber etwas stimmt nicht damit. Ein Mensch passt gerade so durch den Tunnel, und der Damm endet nach wenigen Metern abrupt, als sei er abgeschnitten worden. Beim genauen Hinsehen wird klar: Das Viadukt ist zu klein, kaum halb so groß, wie es sein müsste. Und eine Eisenbahn hat es hier auch nie gegeben.

Im Zweiten Weltkrieg befand sich an dieser Stelle eine Kaserne mit Übungsgelände. Ein SS-Pionierbataillon probte hier, wie man Brücken aushöhlte, ohne dass sie einstürzten. "Diese Hohlräume eigneten sich gut als Verstecke", sagt Jörg Hoyer. Der 47-Jährige stammt aus Oberlochmühle, einem Nachbarort von Deutschneudorf an der tschechischen Grenze, wo Schatzsucher im Dutzend nach Wertsachen forschen, die bei Kriegsende dem Zugriff der Sieger entzogen worden sein sollen: Goldbarren, Kunstgüter, natürlich das Bernsteinzimmer.

Hoyer hat diese Geschichten immer belächelt, wie er sagt. Bis er die eigenartige Brücke sah und die Truppenbezeichnung der Einheit fand, die hier mit künstlichen Hohlräumen experimentierte: das SS-Pionier-, -Ausbildungs- und -Ersatzbataillon 1 Dresden. Vier Kompanien zu je 25 Mann, die unter dem Kommando von SS-Obersturmbannführer Hugo Eichhorn standen.

Ab Herbst 1944 war diese Einheit in Katharinaberg (heute Hora Svaté Kateriny) stationiert, dem böhmischen Nachbarort von Deutschneudorf. Nur der Schweinitzbach trennt die beiden Dörfer. Die SS-Pioniere aus Dresden tauchten also genau dort auf, wo heute die Schatzlegenden spielen. Jetzt hielt Hoyer plötzlich vieles für möglich.

"In allen Theorien, die ich bisher gehört habe, ist von ominösen Einheiten die Rede, die keiner zuordnen kann", sagt der 47-Jährige. "Die Identifizierung der militärischen Einheit, die am Ort des Geschehens war, muss aber eine Schlüsselstellung in der Recherche einnehmen."

Um zu verstehen, wie Hoyer denkt, muss man wissen, was der Mann macht. Hoyer ist Sachverständiger für Militärhistorik. Er erstellt Gutachten für Sammler, für Ermittlungsbehörden und Gerichte. Er findet heraus, ob eine Uniform echt oder ein alter Orden wertvoll ist. Manchmal sucht er im Auftrag von Privatleuten die sterblichen Überreste ihrer im Zweiten Weltkrieg gefallenen Angehörigen. "Das funktioniert nur, wenn ich die Bewegungen der Einheit nachvollziehe, in der der Vermisste gedient hat", sagt Hoyer. Das SS-Pionierbataillon, das in Dresden Geheimkammern in eine Brückenattrappe gebrochen hatte, fand er im Schweinitztal wieder. Hoyer zählte eins und eins zusammen.

"Ich habe seitdem viele Zeitzeugen befragt", erklärt der Sachverständige. "Meine Recherchen ergaben, dass die Angehörigen des Pionierbataillons jeden Tag, außer an den Wochenenden, oft auch abends, mit Lastkraftwagen zum Bahnhof gebracht worden sind. Was haben sie dort wohl gemacht?"

 
Seite 1 von 3
erschienen am 04.09.2012 ( Von Mario Ulbrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 05.09.2012
    20:19 Uhr

    wundesknie: entschultigung, aber haltet doch endlich mal auf den leuten solchen schwachsinn einzureden. erst der hausstein , dann einer in bernsbach ,jetzt wieder in deutschneudorf. mehr sensationslustige kommen nun aber wirklich nicht . ihr habt euren spaß gehabt, nun lasst es wieder gut sein. wenn die anderen erst merken das man tourismus anlocken kann ,springen sie alle auf den zug mit auf

    0 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern