Gegen Köpfe wie diese gibt es Widerstand in Plauen. Gegen Köpfe wie diese gibt es Widerstand in Plauen.

Foto: Foto: dapd/Archiv

Plauen wehrt sich gegen Nazi-Aufmarsch

Gegen-Demo soll Rechte ausbremsen

Plauen. Schon Tage vor ihrem "Trauermarsch" morgen haben die Nazis eine Spur durch Plauen gezogen. Mehr als 80 Plakate der Gegen-Demo "Nazifrei in Plauen" wurden zerstört, auf weiteren 30 klebt rechte Propaganda. Immer wieder müssen die Nazi-Gegner neue Plakate aufhängen, da ihre Werbung abgerissen wurde. Selbst die Plakate für den Frühlingsrummel, der zeitgleich morgen auf dem Festplatz beginnt, sind in der Innenstadt zum Teil mit Nazi-Parolen überzogen.

"Die rechte Szene macht eine Öffentlichkeitsarbeit, wie sie hier lange nicht stattgefunden hat", sagt René Weber vom Anti-Nazi-Büro Move. Bei dem Aufmarsch rechnet er mit bis zu 300 Teilnehmern. Organisator ist die Revolutionäre Nationale Jugend aus dem Vogtland (RNJ). Szenekenner vermuten dahinter eine freie Kameradschaft, die in Ellefeld, Falkenstein und Auerbach verankert ist. Sie soll vernetzt sein mit einer starken Nazi-Szene in Bayern.

Für ihren Aufmarsch und die Kundgebung am Oberen Bahnhof wählten sie den 16. April - den Jahrestag der Befreiung Plauens. Dagegen wehrt sich die Stadt mit breiter Schulter. Es gibt mehrere Gegenaktionen des extra gegründeten Bündnisses "Nazifrei in Plauen". "Wir haben es geschafft, die Nazis aus der Innenstadt zu verdrängen. Sie wollten eigentlich die Route der friedlichen Revolution von 1989 laufen", erklärt Jörg Menke vom Bündnis.

Nur ein kleiner Sieg: Der Aufmarsch soll jetzt über die Friedensstraße an der ehemaligen Synagoge vorbei durchs Dörfelgebiet führen. Dort entlang, wo einst Juden lebten. Der Landesrabbiner soll in einem Brief an die Stadt seine Bedenken über diese Route geäußert haben. Öffentlich ist der Brief nicht - aus Sicherheitsgründen, so das Bündnis.

Dem Protest hat sich auch die Kirche angeschlossen. "Wir wollen der Bevölkerung die Angst davor nehmen, dass es keine friedliche Kundgebung werden könnte", sagt Bündnis-Sprecher Stefan Kademann von der IG Metall. In den Kirchen finden Mahnwachen statt. Auch die Hauptkundgebung der Nazi-Gegner soll mit einem Friedensgebet beginnen - 12 Uhr auf dem Albertplatz. Kademann hofft auf mehrere tausend Teilnehmer, die Flagge zeigen. Im Internet werben antifaschistische Vereinigungen dafür, die Nazis im Vogtland auszubremsen.

Die Polizei rechnet offiziell mit einem kleineren Menschenauflauf. Von insgesamt rund 1000 Demonstranten gehe man aus, hieß es gestern. "Wir werden mit mehreren Hundertschaften vor Ort sein. Damit können wir bei Störungen schnell handeln", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Mit Dimensionen wie beim Nazi-Aufmarsch in Dresden rechne die Polizei nicht.

Rechte und Gegendemonstranten agieren räumlich voneinander getrennt. Es wird zwei Kessel geben - einen am oberen Bahnhof und einen am nahegelegenen Albertplatz. "Die Bürger sollen sehen, dass wir uns demokratisch gegen die Nazis stellen", sagt Kademann. Angriffspunkte für Rechtsextreme, vor allem Treffs der linken Szene in Plauen, werden zum Schutz vor Übergriffen gesondert überwacht.

Ob die Nazis nach ihrem Marsch abziehen aus Plauen, bleibt abzuwarten. Nach Informationen des Bündnisses planen sie für den Abend ein Konzert im Vogtland. Der Veranstaltungsort war gestern noch unbekannt.

 
erschienen am 15.04.2011 ( Von Manuela Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
(Anmeldung erforderlich)
  • 17.04.2011
    11:29 Uhr

    rooster: @bonetti
    gehts noch? rassismus, fremdenfeindlichkeit, antisemitismus, verherrlichung des nationalsozialismus, das einhergeht mit der leugnung des holocoust(was im übrigen strafbar ist!), autoritäre gewalt. das sind alles inhalte rechter ideologie, vielleicht sollteste dich erstmal darüber informieren, bevor du solche naiven sachen schreibst.

    0 0
     
  • 17.04.2011
    06:29 Uhr

    bonetti83: erstmal okay da haben sie recht was die stattsgewalt angeht....
    aber gerade diese sachen wie drohung, beschimpfung sind vereinzelt und kann nicht der gesamt rechten szene angerechnet werden. bis jetzt wurde nur von der linken seite provoziert. mich persönlich kotzt es an das die medien und öffendliche meinung die sogenannte rechte szene so aufs korn nimmt. klar gibts chaoten aber man muss auch mal die andere seite sehen. immer heißt es ja die nazis ............mich regt das auf echt. was daran verkehrt stolz auf sein land zu sein? jeder andere religion darf sich in deutschland ausleben warum denn dann der nationalismus nicht? ausschreitungen werden immer nur provoziert.

    1 0
     
  • 15.04.2011
    09:23 Uhr

    Chemnitzerin: Was bedeutet:"Wir können bei Störungen schnell handeln?"...
    Hoffentlich nicht so schnell, wie in Chemnitz. Aus eigener Erfahrung und Erfahrung meines Sohnes muss ich leider feststellen, dass die Polizei im Interesse der Nazis und nicht der Gegenseite handelt . Mein Sohn wurde vor kurzem im Internet als Polenkanake und Polenschwein beschimpft und bedroht, nur weil er sich mit polnischer Fahne abgebildet hat. Als er bei der Polizei eine Anzeige erstatten wollte, wurde er nicht ernst genommen und weggeschickt. Wie soll ein 15-jähriger ein Vertrauen an Staatsmacht gewinnen, wenn man ihn und seine Angst nicht ernst nimmt? Aber wie der Sprecher so schön sagt: "Wir können bei Störungen schnell handeln"...

    0 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Webtipps