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Foto: Matthias Hiekel/dpa/Archiv

Polizei und Zoll stellten 2016 fast 29 Kilogramm Crystal sicher

Welche Mengen der Droge täglich über die deutsch-tschechische Grenze kommen, wissen auch die Ermittler nicht. In einem Punkt scheint die Arbeit der Behörden jedoch Wirkung zu zeigen.

Von Jan-Dirk Franke
erschienen am 20.03.2017

Chemnitz. Sachsens Behörden haben im vorigen Jahr knapp 29 Kilogramm Crystal Meth entdeckt. Es war die bislang zweitgrößte Menge der Droge, die Polizei, Zoll und Landeskriminalamt im Freistaat gefunden haben. Zur Einordnung: Ein Abhängiger kommt mit einem Gramm der Droge bis zu fünf Tage hin. Nur 2014 gab es im Vergleich der letzten zehn Jahre eine noch größere beschlagnahmte Menge. Damals entdeckten die Beamten knapp 33,1 Kilogramm. 2008 und 2009 zum Beispiel stellten Polizei und Zoll mit jeweils rund 2,5 Kilogramm noch wesentlich weniger Crystal sicher.

Tom Bernhardt, Pressesprecher des Landeskriminalamtes Sachsen (LKA), führt die deutlich gestiegenen Fundmengen vor allem auch darauf zurück, dass die Behörden gezielter vorgehen. Die Beamten seien besser geworden, was die Erkennung von Tätern angeht. Die Zahlen seien jedoch kein Indikator dafür, dass der Handel mit Crystal zuletzt weiter zugenommen habe. "Wir bewegen uns seit einigen Jahren auf gleichmäßig hohem Niveau", schätzt Bernhardt ein. Es sei aber nicht auszuschließen, dass irgendwann auch Dealer, die heute mit klassischen Drogen wie Marihuana handeln, das Geschäft für sich entdecken. Crystal lasse sich "in jeder Besenkammer" herstellen und verspreche eine hohe Gewinnspanne.

Inzwischen kommt laut Bernhardt das Gros der Droge aus Tschechien. Man könne davon ausgehen, dass auf den meisten tschechischen Asia-Märkten in Grenznähe immer größere Mengen verfügbar seien.

In Sachsen scheint die Arbeit der Behörden derweil Wirkung zu zeigen. Für die Produzenten sei das Risiko, entdeckt zu werden, zu groß geworden, schätzt der LKA-Mann ein. Das sah vor Jahren noch anders aus. Dem Innenministerium zufolge wurden zwischen 2007 und 2010 insgesamt 43 Crystal-Küchen ausgehoben, zwei Drittel davon in Chemnitz. Von 2011 bis 2016 gab es nur noch drei Funde - auch in Chemnitz. Weshalb die Beamten ausgerechnet hier so oft fündig wurden, konnte Bernhardt nicht sagen.

Um den Konsum einzudämmen, setzt das Innenministerium auf verstärkte Kontrollen. "Bei Crystal geht es auch darum, den Verfolgungsdruck auf Produzenten und Dealer hoch zu halten. Crystal ist ein Teufelszeug. Es macht physisch und psychisch kaputt", sagt Ressortchef Markus Ulbig (CDU). Im Kampf gegen die aufputschende Droge arbeite man inzwischen sehr gut mit den tschechischen Kollegen zusammen. Es gebe "viele gemeinsame Aktionen", hieß es im Ministerium.

Dort verwies man auch auf einen 2014 beschlossenen Zehn-Punkte-Plan. Der sieht unter anderem präventive Maßnahmen sowie Hilfsangebote für Abhängige vor. Hier sei einiges passiert. Der Plan sei nachhaltig, sagt auch Olaf Rilke, Leiter der sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren. Jedoch müsse an den Schulen mehr geschehen. Vor allem für die Schulsozialarbeit, mit der präventiv, aber auch in der Früherkennung viel erreicht werden könne, fehle oft das Personal. Crystal spiele an Schulen zwar noch keine große Rolle, dafür aber Cannabis. Rilke: "Man muss die Maßnahmen daher weiter fassen, sie nur auf Crystal auszurichten, greift zu kurz."

 
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