Sandro Cortese im Juli in der Startauftsellung mit Gesellschafter Bernd Keller (rechts),  Chefmechaniker Juergen Lingg und charmanter Schirmhalterin. Sandro Cortese im Juli in der Startauftsellung mit Gesellschafter Bernd Keller (rechts), Chefmechaniker Juergen Lingg und charmanter Schirmhalterin.

Foto: Ralph Köhler

Sachsenring 2012: Noch ist alles offen

Nach Absage des Grand Prix auf dem Sachsenring nimmt die Welle des Protests an Fahrt zu

Chemnitz. Wo findet der deutsche Motorrad-WM-Lauf 2012 statt? Auf der einen Seite haben sich die Betreiber des Lausitzrings bereiterklärt, den Grand Prix auszurichten. Derzeit werden die wirtschaftlichen Fakten geprüft. Andererseits hat die Empörung über die Absage in der Region Tausende Fans erfasst. Nach "Freie Presse"-Informationen sind deswegen bereits zahlreiche Motorsportbegeisterte aus dem ADAC ausgetreten. Unser Redakteur Stefan Geyler beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Chancen hat der Sachsenring noch auf den Grand Prix 2012?

Da noch keine Entscheidungen gefallen sind, besitzt er noch alle Chancen. Geht es nach den Fans des Sachsenrings, von denen am Sonntagabend rund 8000 zur zweiten Protestdemonstration an den Ring gekommen sind, gibt es keine Frage: Der Grand Prix bleibt dort, wo er seit 1998 stattfindet. Doch bei allen Emotionen, Voraussetzung ist, dass für 2012 gegenüber dem Lausitzring das bessere Konzept vorgelegt wird. Das heißt in erster Linie, das vom ADAC Sachsen geschätzte Minus von 850.000 Euro muss ausgeglichen werden. Der Umbau der Strecke, der etwa eine Million kostet, wird finanziell abgesichert. Die Frage ist nur, stünde dann dennoch der ADAC Sachsen als Veranstalter bereit, der sich am 13. September zurückgezogen hat. Wenn nicht, müsste die Organisation zum Beispiel die Sachsenring-Management-GmbH oder die Pro-Sachsenring-GmbH übernehmen. Beide sind dazu in der Lage.

Welche Chancen besitzt der Lausitzring?

Er befindet sich gewissermaßen in der Pole Position. Der ADAC in München als Rechte-Inhaber des deutschen WM-Laufs hat in der Lausitz offiziell angefragt. Die Streckenbetreiber haben sich in dieser Woche bereiterklärt, den WM-Lauf auszurichten. Doch außer der mündlichen Zusage liegt noch nichts weiter vor. Fest steht, dass die Abnahme der Strecke durch den Motorrad-Weltverband FIM fehlt. Die Streckenbetreiber, die wie der Sachsenring drei Millionen Lizenz-Gebühr an den Vermarkter Dorna abführen müssten, kalkulieren am Wochenende mit etwa 115.000 Fans. "Wenn halb so viele kommen wie am Sachsenring, wäre das für uns schon ein Erfolg", sagte Geschäftsführer Bert Poensgen. Beim Eintritt schweben ihm Kartenpreise wie in diesem Jahr am Sachsenring vor.

Wo liegen die Vor- und Nachteile am Lausitzring?

Der Vorteil der Strecke bei Klettwitz besteht darin, dass dort weniger Organisationskosten entstehen. Der Lausitzring ist eine permanente Rennstrecke. Die gesamte Infrastruktur für ein Rennen weltmeisterlichen Ausmaßes steht bereit. Der Nachteil: Dort wird bei einem Grand Prix nie das Flair wie am Sachsenring entstehen, wo die Fans hautnah das Geschehen verfolgen können. Von der etwa 15.000 Zuschauer fassenden Tribüne kann man zwar die Start- und Zielgerade sowie die Boxengasse einsehen, allerdings die Fahrer nur von oben erkennen. Auf der Strecke selbst ist das Renngeschehen nur per Fernglas gut zu verfolgen.

Sind die Betreiber des Lausitzrings in der Lage, den sportlichen Ablauf eines WM-Laufes zu organisieren?

Nein. Sie müssten sich Fachleute holen, die die internationalen Lizenzen zum Beispiel als Rennleiter und Sportkommissar besitzen. Auch die Streckenposten reichen nicht aus. Die Hilfe von anderen Rennstrecken wird benötigt. Am Sachsenring würde dagegen ein eingespieltes Team bereit stehen. Noch keine Aussage gibt es von der Dorna. Der Vermarkter hält aber offenbar wenig von einem Wechsel zum Lausitzring, wie in diesen Tagen bekannt wurde.

Welches Szenario könnte 2012 eintreten?

Die erste Variante: Der Lausitzring kann beim ADAC nachweisen, dass er wirtschaftlich und organisatorisch in der Lage ist, den WM-Lauf durchzuführen. Dann wird dort gefahren. Die zweite Variante: Der Sachsenring signalisiert, dass die Region trotz der Absage durch den ADAC Sachsen das Geld für den Grand Prix aufbringt. Dann müsste der ADAC in München entscheiden. Die dritte Variante: Wenn beide Strecken den Anforderungen nicht gerecht werden, findet 2012 in Deutschland kein Motorrad-Grand-Prix statt.

Bekommt der Lausitzring den Zuschlag, wird er alles daran setzen, mit der Dorna einen längerfristigen Vertrag abzuschließen. "Wir wollen nicht als Lückenbüßer gelten", stellte Poensgen klipp und klar fest. Dann hätte sich nach 14 Jahren das Thema Grand Prix am Sachsenring erledigt. Bleibt der Grand Prix am Kurs bei Hohenstein-Ernstthal, muss für die kommenden Jahre kräftig investiert werden. Dazu gehört dass Tribünen rund um den Kurs gebaut und Parkplätze angelegt werden. Pläne dazu liegen seit 2009 in der Schublade.

 
erschienen am 25.09.2011
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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