Ausschnitt aus einem US-Aufklärungsfoto vom April 1945. Unten rechts die schon früher entdeckten Kisten. Wenige Meter oberhalb eine unbekannte künstliche Struktur.

Schatzsuche: Bad Schlema leitet Untersuchungen im Poppenwald

Neue Forschungsgruppe wagt sich an Rätsel im Gebiet zwischen dem Kurort und Hartenstein

Bad Schlema. Ein verdächtiger Bahntransport am Ende des Zweiten Weltkriegs, Wachtposten im Wald, Zeitzeugenberichte über angebliche Geheimdepots: Noch immer ist das Rätsel des Poppenwaldes bei Bad Schlema ungelöst. In den zurückliegenden zwei Jahren schien es, als solle es dabei bleiben. Die Eigentümerin des Waldes, die Nicolai-Kirchgemeinde Zwickau, wollte keine Schatzsucher mehr aufs Areal lassen. Nur staatliche Stellen sollten noch suchen dürfen. Diese Hintertür hat sich jetzt geöffnet.

Kommune übernimmt Führung

Die Gemeinde Bad Schlema wird die Leitung neuer Untersuchungen im Poppenwald übernehmen. "Wir sind daran interessiert, das Mysterium, das diesen Wald umgibt, zu entschlüsseln", sagt Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler). "Wir pflegen gute Kontakte zur Kirchgemeinde und sind dankbar, dass sie uns die Erlaubnis geben will. Mithilfe kompetenter Fachleute wollen wir den Wald noch einmal genauestens unter die Lupe nehmen."

Mehr als zwölf Jahre lang hatte zuvor der Leipziger Privatdetektiv Dietmar Reimann im Poppenwald nach dem Bernsteinzimmer und dem ebenfalls bei Kriegsende verschollenen Hohenzollernschatz gesucht. Reimann hatte sich auf einen Felsen im südlichen Teil des Waldes konzentriert, Hinweise auf einen Stollen im nördlichen Wald jedoch ignoriert. Auch anderen Theorien ist der im vorigen Jahr verstorbene Detektiv nicht nachgegangen. Im Herbst 2009 hatte er erklärt, die Suche aufzugeben. Daraufhin bewarben sich andere Schatzsucher um eine Genehmigung - ohne Erfolg.

Zu der neuen Gruppe, die nun noch einen Angriff auf das große Schatzrätsel des Westerzgebirges unternehmen will, gehören unter anderem Baugrundgutachter, Historiker, eine Archivarin, Wasserexperten und Vertreter der Wismut. Auch Hobby-Forscher, die sich seit Jahren mit den Rätseln des Poppenwaldes befassen, sollen beteiligt werden. "Wir wollen das komplette Areal einer wissenschaftlichen Begutachtung unterziehen", kündigt Bürgermeister Müller an. "Ob wir etwas finden, ist offen. Finden wir nichts, ist das auch eine Erkenntnis."

Entdeckungen auf Luftbildern

Die Gruppe hatte sich im Februar erstmals mit einem Vertreter des Kirchenvorstandes getroffen. Der Vorstand zögerte lange, entschied letztlich aber mit knapper Mehrheit, der Kommune die Erlaubnis zu erteilen. "Eigentlich wollen wir Ruhe im Wald. Aber Ruhe gibt es vermutlich erst, wenn diese Sache aufgeklärt ist", sagt Alfred Brunner, der im Kirchenvorstand für den Poppenwald zuständig ist. Brunners Großvater war in den 1940er-Jahren Jagdpächter im Poppenwald. In der Zeit der geheimnisvollen Vorgänge hatte man ihm die Jagdpacht jedoch entzogen. Brunner selbst hält es ebenfalls für möglich, dass damals hier etwas versteckt worden ist.

Indes reißen Spekulationen um den Poppenwald nicht ab. Auf Luftbildern, die alliierte Aufklärungsflugzeuge im April 1945 über dem Gelände geschossen haben, hat der Chemnitzer Hobby-Forscher Peter Lohr mehrere Strukturen künstlichen Ursprungs entdeckt, die scheinbar nicht zu einer normalen Waldnutzung passen. Eine davon befindet sich in unmittelbarer Nähe der Kisten, mit denen vor einigen Jahren schon Bernsteinzimmersucher Reimann für Schlagzeilen sorgte. "Es könnte eine Plombe auf einem Lichtloch des Schachtes sein, den Reimann hier vermutet hat", meint Lohr. Auch solchen Hinweisen soll bei den kommenden Untersuchungen nachgegangen werden.

Bürgermeister Müller warnt jedoch vor übertriebener Euphorie. "Wir werden zunächst mit relativ unspektakulären Bodenuntersuchungen beginnen. Bohrungen oder Grabungen wird es erst geben, wenn viel versprechende Befunde vorliegen." Die Gemeinde Bad Schlema will kein eigenes Geld in die Untersuchungen stecken. Die Forschungsgruppe ist auf eigene Leistungen und die Zuwendungen von Sponsoren angewiesen.

Die Vereinbarung zwischen Kommune und Kirche soll Anfang September unterzeichnet werden.

 
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Schatzsuche: Bad Schlema leitet Untersuchungen im Poppenwald
Rätselhafter Poppenwald
 
erschienen am 17.08.2012 ( Von Mario Ulbrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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