Foto: Falk Bernhardt
Schloss Lichtenwalde beendet Dornröschenschlaf
Freistaat ließ Komplex für 15 Millionen Euro zu einer Schatzkammer umbauen
Lichtenwalde. Mehr als 15 Millionen Euro hat der Freistaat in den vergangenen zehn Jahren in die Sanierung des landeseigenen Schlosses Lichtenwalde vor den östlichen Toren von Chemnitz investiert. Ab 28. März kann sich jedermann davon überzeugen, wie die Steuergelder unter anderem in über 40 aufwändig gestalteten Räumen, in der Schlosskapelle, im Teehaus, für die Neugestaltung der Schlossallee und des -hofes, des Parks sowie sämtlicher Dächer und Fassaden angelegt wurden. Lediglich die 140 Parkplätze an der Orangerie wurden wegen des Wetters nicht pünktlich fertig. Nach Dresden und Meißen hat damit auch die Region Chemnitz eine wahre Schatzkammer, die mehrere hochkarätige Ausstellungen vereint. Das Besondere: Alle rund 1800 Exponate stammen aus privaten Sammlungen, die dem Freistaat anvertraut wurden. Dadurch erhielt das einzige nichtwettinische unter den sächsischen Staatsschlössern jene Pracht zurück, die ihm durch Plünderung, Zerstörung und Verfall seit Ende des Zweiten Weltkrieg fast vollständig verloren ging.
Peter Voit, Leiter der Chemnitzer Niederlassung des staatseigenen Baubetriebes SIB, erinnerte an den Zustand, in dem sich das Schloss in den 1990er Jahren befand. Der Freistaat habe durch seine vielen Schlösser und Burgen eigentlich kein Interesse an einem weiteren Objekt gehabt. Doch durch die riesigen undichten Dachflächen regnete es herein. Der Altan drohte einzustürzen. Überall bröckelte der Putz von Fassaden und Mauern. "Da sich kein Investor fand, sah sich der Freistaat 1999 im Zugzwang und angesichts des großen öffentlichen Interesses zugleich unter dem Druck, das Haus so schnell wie möglich wieder zu öffnen", beschreibt Schlossgeschäftsführer Werner Sieber den Werdegang. Parallel dazu begann die Außensanierung.
"Ein klares Nutzungskonzept gab es nicht. Wohl aber ein Sammelsurium von Läden, Ausstellungen und Museen, die hier öffneten, aber auf Dauer längst nicht die Besucherzahlen brachten wie der Barockgarten", räumt Sieber ein. Das änderte sich 2006, als fast zeitgleich der Chemnitzer Kunstmäzen Georg Brühl nach einer würdigen Präsentationsstätte für seine Privatsammlungen und die Westsächsische Hochschule Zwickau nach einer Galerie für ihren Fachbereich Angewandte Kunst suchten.
"Es wurde ein nutzerspezifisches Konzept erarbeitet und alle Folgearbeiten diesem Konzept untergeordnet", berichtet Peter Voit. 18 Ingenieurbüros und Gutachter sowie 68 Firmen hätten sich am Umbau und der Neugestaltung des Schlosses beteiligt. Sie erlebten auch unliebsame Überraschungen. Zum Beispiel sei beim Wiederaufbau des Schlosses nach einem Brand von 1905 Stahlbeton verwendet worden, ein bis dahin kaum bekannter Baustoff. "Wir sind in den Decken auf Stellen gestoßen, da muss alles an Stahl eingebracht worden sein, was damals rum lag. Diese Decken mussten ausgetauscht werden, was Bauverzug brachte", beschreibt Voit Probleme, von denen heute angesichts der Pracht der Exponate und der Vollkommenheit ihrer Präsentation nichts mehr zu spüren ist.
Noch nicht beigelegt war bis Mittwoch der seit einem Jahr währende Rechtsstreit um das Erbe des Chemnitzer Kunstsammlers Brühl, der kurz vor seinem Tod von dem Schenkungsvertrag mit dem Freistaat zurückgetreten war und einen Zwickauer Freund als Erben eingesetzt hatte. Die beiden Streitparteien hatten sich vor dem Amtsgericht Freiberg geeinigt, einen Vergleich zu schließen. Das ist bisher noch nicht passiert. Die im Schloss ausgestellten zirka 1000 Stücke der Brühl-Sammlung seien aber unstrittig, versicherte Sieber.
Mit der Wiedereröffnung des Schlosses am 28. März wird auch die neue Saison im angrenzenden 13 Hektar großen Barockgarten eingeläutet.
Von Gabi Thieme